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16.07.2022
Der Artdirector Jan Kamensky lässt in seinen Videos Fahrzeuge fliegen und Grünflächen entstehen. In Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Shimano Europe kreiert er Visionen für zwei Metropolen.
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16.07.2022
Die zwischen 1952 und 1960 erbaute Karl-Marx-Allee ist knapp 90 Meter breit und fast zwei Kilometer lang. (Bild: Jan Kamensky)
Viele Städterinnen und Städter sind sich gewöhnt, dass ihr Lebensraum von Autos dominiert wird. Computergenerierte Animationen können diesen Umstand verändern.
Daran glaubt zumindest Jan Kamensky. Der visuelle Utopist, wie er sich selbst nennt, kreiert kurze animierte Filme, in denen er autodominierte Strassen in menschenfreundliche Orte umwandelt. Die bestehende Autoinfrastruktur ersetzt er durch Fuss- und Radwege oder Plätze zum Verweilen. Im Rahmen des Future Cities Projekt des Unternehmens Shimano Europe, das erstmals vom 13. bis 17. Juli 2022 auf der Eurobike Messe in Frankfurt am Main präsentiert wurde, hat sich der Hamburger der Karl-Marx-Allee in Berlin und der Marble Arch in London angenommen.
Die Karl-Marx-Allee, das beliebte Einkaufsziel, wird heute vom Verkehr beherrscht. Was, wenn dem nicht so wäre? (Video: Jan Kamensky)
Fahrräder spielen in Kamenskys Animationen immer eine wichtige Rolle. Seine Social-Media-Accounts hiessen sogar einst «Utopia for Bicyclists». In einem Interview mit dem Online-Magazin Krautreporter führte er seine Faszination für das «in seiner Genialität unübertroffene Fortbewegungsmittel» aus.
«Es ist emissionsfrei in seiner Anwendung, es nimmt wenig Platz ein, es lässt sich vielseitig einsetzen, es fördert nicht nur die Gesundheit der Fahrenden, sondern auch jener, die sich nicht damit fortbewegen – und zu guter Letzt macht das Radfahren oftmals grosse Freude. Diese Eigenschaften haben sowohl einen positiven Effekt auf Zu-Fuss-Gehende als auch auf die Umwelt. Darum ist die Utopie der Radfahrenden gleichbedeutend mit einer Utopie für Zu-Fuss-Gehende sowie aller anderen Menschen auf unseren Strassen und daneben.»
Kamenskys Vision zeigt, wie der Platz um den Marble Arch als eine Erweiterung des Hyde Parks aussehen könnte. (Video: Jan Kamensky)
Die Idee für animierte Utopien kam Kamensky während der Pandemie. «Eine Strasse ohne Autos ist wie ein weißes Blatt Papier, das es zu bemalen gilt», sagte er gegenüber Krautreporter. Er sieht sich in dieser Hinsicht als eine Art Übersetzer, der die theoretische Erkenntnis in die Sprache der Bilder überträgt und zur Reflexion über unsere Wirklichkeit einlädt. «Veränderung beginnt auch in der Art und Weise, wie wir unsere Welt sehen. Die Utopie ist dabei hilfreich. Sie bricht mit unseren Gewohnheiten. Sie bringt uns dazu, die Gegenwart mit anderen Augen zu sehen, und sie hilft uns, unser Handeln zu bestimmen.», erläutert der Grafiker.
Momentan sind 13 Prozent der Europäer bereit, ganz auf das Auto zu verzichten, wie Untersuchungen der Boston Consulting Group ergeben haben. Gemäss Untersuchungen des Europäischen Radfahrerverbands ECF ist aufgrund der Pandemie in Berlin die Zahl der Radfahrenden um 59 Prozent und in London um 119 Prozent angestiegen. Shimano nimmt das zum Ansporn, um mit Experten, Bewohnerinnen, Politikern, Städteplanerinnen und anderen interessierten Parteien ins Gespräch zu kommen. Future Cities soll dazu anregen, grösser zu denken, wenn es darum geht, Städte zu verändern.

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