Post macht Velohändlern zu schaffen

Derzeit blüht der Onlinehandel. Auch Velohändler nutzen den Versandweg, um ihre Kunden weiterhin bedienen zu können. Doch nun kontingentiert die Post ihre Paketsendungen. Und auch andernorts läuft nicht alles rund.

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Laurens van Rooijen
07.04.2020

Die Corona-Pandemie verändert das Einkaufsverhalten rasant und lässt die Kassen von Onlineanbietern klingeln: Statt sich in einen Supermarkt zu wagen, kaufen viele lieber im Netz ein und lassen sich die Waren nach Hause liefern.

Bei zahlreichen Produkten bleibt den Konsumenten nach der Schliessung grosser Teile des Detailhandels gar kein anderer Weg. Das hat in den vergangenen Wochen zu einer starken Zunahme der Bestellungen und Paketlieferungen geführt – und nicht nur Online-Shops, sondern auch die Zustelldienste an ihre Limiten gebracht. Darum hat die Schweizer Post nun für die Osterwoche eine Paketkontingentierung eingeführt.

LagerhalleMit der Investition in das Autostore-Lagerhaltungssystem konnte der Schweizer Shimano-Importeur Fuchs-Movesa die Abläufe weiter optimieren und so die Anzahl der verschickten Pakete erhöhen und die Lieferzeiten verkürzen.

Es drohen Engpässe

Bei seiner Restriktion unterscheidet das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) aber nicht zwischen systemrelevanten Betrieben wie Velo-Werkstätten und rein konsumorientiertem Onlinehändlern wie Amazon, Digitec oder Zalando.

Darum ist diese Kontingentierung für den Velohandel besonders problematisch. Denn nun drohen Engpässe bei der Ersatzteilversorgung. Als einer der grossen Vertriebsakteure hat Fuchs-Movesa trotz höherer Versandkosten stets an der Zusammenarbeit mit der Post festgehalten. Für diese Treue wird Fuchs-Movesa nun quasi bestraft.

Pakete stehen zum Versand bereit.Bis zu 1200 Pakete kann Fuchs-Movesa an einem Arbeitstag rüsten und versenden. Nun droht die Auslieferung wegen der Paketkontingentierung bei der Post zu leiden.

Entsprechend enttäuscht ist Geschäftsführer Richard Merz über den Entscheid des UVEK: «Von einem Tag auf den anderen müssen wir die Anzahl der täglich verschickten Sendungen von 1200 Paketen auf 600 halbieren. Damit setzt das UVEK die Ersatzteilversorgung von 1700 Velohändlern aufs Spiel, die ja eigentlich vom Bundesrat den Auftrag erhalten haben, die Mobilität der Bevölkerung auch während der Covid-19-Notmassnahmen sicherzustellen.»

Eine Konzentration auf den Binnenmarkt hätte der Post laut Richard Merz eine Kontingentierung erspart und wäre vielen heimischen KMUs zugutegekommen. Der Schweizer Shimano-Importeur Fuchs-Movesa hat nun die Zusammenarbeit mit der Post zurückgefahren. Stattdessen werden Sendungen mit DHL und nach Ostern auch mit Planzer ausgeliefert.

Thomas ErnstMit innovativen Ideen versucht Thomas Ernst von Velo Zürich, das Serviceniveau für seine Kundschaft zu halten. Die Zürcher Behörden sind dabei nicht eben hilfreich.

Keine Sonntagsarbeit

Merz und die Fuchs-Movesa AG sind nicht die Einzigen, die sich über die unflexible Haltung von Regierung und Ämtern ärgern. Der Zürcher Velohändler Thomas Ernst, der mit seinen Corona-Velo-Fenstern von sich reden gemacht hatte, beantragte beim Zürcher Amt für Wirtschaft und Arbeit vorübergehende Sonntagsarbeit.

Damit wollte er die hohe Arbeitslast mit dem ohnehin schon geschrumpften Team im Zweischichtbetrieb besser auf alle Wochentage verteilen. Die Angestellten wären einverstanden gewesen, und Ernst hätte am Sonntag den üblichen Lohnzuschlag gezahlt.

Doch das Amt lehnte das Gesuch mit der Begründung ab, das Arbeitsgesetz und die dazugehörigen Verordnungen gälten grundsätzlich auch während der ausserordentlichen Lage unverändert weiter.

Fotos: ZVG

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