Pilotversuch für Luxusveloständer

Seit dem letzten Herbst gibt es an den Bahnhöfen Luzern und Uster neue gebührenpflichtige Veloständer. Das Angebot ist schlau, allerdings wird es bis jetzt kaum genutzt.

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Julie Nielsen
25.02.2020

Im Oktober 2019 hat die Luzerner Firma Smartmo in Zusammenarbeit mit den SBB als Pilotversuch erste – laut Angaben des Unternehmens diebstahlsichere – Veloständer an den Bahnhöfen Uster und Luzern platziert. Dieses Jahr sollen weitere der digitalen Veloständer mit abschliessbarer Helmbox und Stromanschluss für das Aufladen von E-Bike-Akkus am Hauptbahnhof Zürich, dem Bahnhof Stadelhofen und in Solothurn dazukommen.

Das Konzept ist relativ einfach: Die an bester Lage platzierten Veloständer können via App reserviert, bedient und bezahlt werden. Für die erste Stunde kostet die Nutzung etwa 65 Rappen und für jede weitere Stunde kommen fünf Rappen dazu. Auch kann man sich mit anderen Benutzern verlinken und so sein Velo problemlos mit Freunden teilen.

In die Station integriert sind die sogenannte Helmbox mit genügend Platz für einen gewöhnlichen Velohelm und ein Stromanschluss. Wer viel mit dem E-Bike fährt, hat somit die Möglichkeit, den Akku während des Parkierens ohne zusätzliche Kosten an der Station aufzuladen. Die SBB will mit dieser Innovation zusammen mit dem Jungunternehmen einen Anreiz schaffen, den Weg zum Bahnhof mit dem Velo zurückzulegen.

Die kostenpflichtigen Veloständer stehen aber auch in der Kritik, weil sie genau dort stehen, wo am meisten Platz für Velos benötigt wird. Auch Pro Velo Luzern äussert die Besorgnis, es könne dadurch eine Zweiklassengesellschaft unter Velofahrern geben: Die, die es sich leisten können, ihr Velo direkt beim Bahnhof auf einem vorab reservierten Veloständer abzustellen, und die, die ihr Velo halt viel weiter weg abstellen müssen.

Auch stellt sich die Frage, ob das Angebot einem Bedürfnis entspricht, bzw. ob Velofahrende bereit sind, Parkgebühren zu bezahlen. Die Velostation direkt beim Hauptbahnhof Zürich ist Beispielsweise nicht annähernd so gut ausgelastet wie erwartet. Dafür stapeln sich die Drahtesel an anderen, gebührenfreien Stellen rund um den Bahnhof. Smartmo hat ähnliche Probleme. Statt der erhofften 70 Prozent sind die im Herbst eingeführten Veloständer in Luzern durchschnittlich nur zu zwanzig Prozent ausgelastet.

Der Pilotversuch wird abschliessend von den SBB und Smartmo ausgewertet. Je nach Ergebnis werden die Veloständer wieder abgebaut oder sollen als ergänzendes Angebot bestehen bleiben.

 

Bild: ZVG

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