Niederdruck gegen Vollmatsch

Auf dem Zürcher Idaplatz steht eine der schweizweit fünf Velowaschanlagen von «stationB». Wie gut es sich dort putzt, zeigt ein Putz-Besuch nach dem matschigen Trail.

Aline Künzler

Aline Kuenzler, Autorin (aline.kuenzler@velogisch.ch)
News, Test, 13.05.2024

Zuerst neugierig, später eher genervt, wird man beim Veloputz auf dem Idaplazt beäugt. Die Putzstation von «stationb» fällt auf. Erst optisch, schliesslich misst der mintgrüne Blechkasten fast vier Meter in der Länge.

Sobald die Putzstation in Betrieb genommen wird, ist sie aber auch akustisch präsent. Das Velo wird sauber, was aber auch für die Gäste der umliegenden Bars und Kaffees nicht zu überhören ist.

Schweizweites Netzwerk wird angestrebt

Nicht nur auf dem Idaplatz, sondern auch bei der Zürcher Saalsporthalle, an den Bahnhöfen in  Wald ZH und Brig sowie in Uster steht eine «Station b». Diese Velowaschanlagen sind jeweils bei einem Standortpartner platziert, werden aber von der Firma «Station b» betrieben und gewartet. Ziel sei es denn, «ein schweizweites Netzwerk von Fahrradwaschanlagen in städtischen und ländlichen Gebieten aufzubauen».

Vierstufiges Putzen

Trotz allem Service muss auch bei der «station b» selbst geputzt werden. Dies erfolgt gemäss der Anleitung auf dem Anlagegehäuse in vier Schritten: «Rinse», «Clean», «Rinse», «Dry», also Vorspülen, Putzen, Abspülen und zum Schluss Trocknen. Dafür stehen eine Wasserpistole mit Niederdruck, eine Schaubürste und eine Druckluftpistole zur Verfügung.

Der Wasserstrahl aus der Druckpistole reicht, um frischen Matsch leicht zu entfernen. Für getrockneten Schmutz muss aber auch mit der Schaumbürste kräftig gerieben werden. Letztere ist eher klobig gebaut, sodass nicht alle Teile am Velo dafür zugänglich sind. Gleichzeitig stösst man mit der grossen Bürste aus Hartplastik leicht am Rahmen an. Es empfiehlt sich also, einen eigenen Schwamm oder Lappen mitzubringen, um das Velo umfänglich und schonend zu reinigen.

Die Schaum- und Wassermenge ist aber ausreichend für eine saubere Velowäsche. Ganz frisch  wirkt das Putzwasser aber nicht mehr, wird es doch in der Wanne unter dem Velo aufgefangen und wieder verwendet. Dies ist sicher umweltschonend, lässt aber insbesondere die Bürste nicht besonders gut riechen.

1 Franken pro Minute

Um zwischen den verschiedenen Putzmodi zu wechseln, muss der entsprechende Knopf nahe der Halterung gedrückt werden. Dies macht man am besten rasch, denn jede Minute kostet. Sobald ein Zahlmittel hinterlegt ist, wird pro Minute ein Franken verrechnet. Ob diese Zeit pausiert werden kann, erschliesst sich einem aus den Instruktionen auf dem Display nicht. Bezahlen kann man kontaktlos mit Karte oder per Twint. Das Test-Putzen des wenig dreckigen Velos hat sechs Franken gekostet.

Ergonomisches Putzen

Im Gegensatz dazu ist eine Autowaschanlage leicht günstiger. Für vier Franken kann man dort im Selbstbedienungsbereich das Velo sauber abspritzen. Dies ist günstiger, aber weniger bequem als bei der «Station b».

Die Velowaschanlage verfügt nämlich über ein erhöhtes Podest, auf welches das Velo über eine kleine Rampe hochgeschoben wird. Oben angelangt wird das Zweirad mit einer Kunststoffratsche an Lenker oder Sattelstütze befestigt. Die Räder stehen in Halterung im  Postestboden, was dem Velo sicheren Halt gibt. Die Befestigung kann von Hand mit Hilfe von zwei Kunststoffschrauben einfach angepasst werden.

Diese Positionierung auf dem Postest ermöglicht sehr ergonomisches Putzen. Ein kleiner Tritt auf beiden Seiten des Podestes macht das Velo überall gut zugänglich. Ohne Bücken kann auch unter dem Tretlager geputzt werden. Kleines Manko an der Konstruktion ist der einseitige Anschluss der Putzaufsätze. Soll auf der linken Seite der Station geputzt werde, muss der Druckluft- oder Wasserschlauch über oder hinter dem Velo durchgezogen werden.

Nach erneutem «Rinse» ist das Velo sauber, die Waschstation tut ihren Dienst. Mit «Station b» können Velos an zentraler Lage und ergonomisch wie wohl kaum sonst wo geputzt werden. Die Platzierung der Anlage mitten im Quartier ist praktisch für Bikerinnen und ein Hingucker, aber gerade am Sonntagnachmittag nicht für alle Kaffeetrinker rundherum angenehm.

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