Aline Kuenzler,
Autorin
(aline.kuenzler@velojournal.ch)
News,
20.08.2025
Ausgefallene Produktnamen in der Velobranche sind keineswegs zufällig gewählt. Velojournal geht besonders kryptischen Beispielen auf den Grund.
Aline Kuenzler,
Autorin
(aline.kuenzler@velojournal.ch)
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20.08.2025
Charakter erhalten Reifen von Schwalbe nicht nur durch ihr Profil, sondern auch durch ihre Benennung. (Bild: zvg)
Wer das erste Mal in einem Velofachgeschäft steht oder im Online-Shop stöbert, kann meinen, versehentlich in ein Treffen für Kryptographen oder Chemiker geraten zu sein. Reifen mit der Bezeichnung «Kryptotal» oder «Argotal», ein Komplettvelo namens «Nuroad C:62 Pro» oder Bremsschuhe «BR4600 R50T2» werden angepriesen. Klingt wie Passwörter, die selbst der Geheimdienst nicht knacken könnte.
Aber keine Sorge: Hinter diesem scheinbaren Fachchinesisch steckt Methode und Kreativität. Oft hilft das Verständnis der Produktnamen sogar beim einfacheren Identifizieren des passenden Ersatzteils. Velojournal geht besonders ausgefallenen Produktbezeichnungen auf den Grund.
Besonders eingängig sind die Produktnamen des deutschen Reifenherstellers Schwalbe. Dort werden Pneus nicht einfach nach nüchternen Zahlen benannt. «Für uns sind unsere Reifen mehr als Produkte, sondern Persönlichkeiten», wie Schwalbe auf Anfrage erklärt. Ein Reifen bekommt also einen Namen, der seinen «Charakter» widerspiegeln soll. So ist der «Dirty Dan» der ausgewiesene Matschspezialist, während «Hans Dampf» als Allrounder gilt.
Laut Schwalbe entstehen diese Namen in kreativen Runden, stets mit dem Hintergrund, dass der Name auch zum Produkt passen muss. Wer einmal durch knöcheltiefen Matsch gerollt ist, versteht sofort, warum ein Reifen wie der «Dirty Dan» niemals «Sunny Steve» heissen könnte.
Ganz anders klingt es bei Produkten von Shimano, wo die Bremsbeläge eine Sprache sprechen, die eher an Sudoku erinnert. Doch auch hier steckt Logik drin, wie der Geschäftsführer des Grossisten Nusshold in Zürich erklärt: Der «BRM530» zum Beispiel bedeutet nichts anderes als: «Brake», «Mountainbike-Serie», Modellnummer «530».
Die Bezeichnung «S70T» wiederum verrät uns: «S» wie Shimano, 70 Millimeter Belagslänge und «T» für mittelharte Gummimischung für Alufelgen. Auch den absoluten Zungenbrecher «BR4600 R50T2» kann der Fachmann erklären. Dabei handelt es sich nicht um eine Raumschiffbezeichnung, sondern um Bremsbeläge für Rennvelos aus der Shimano-«Tiagra 4600»-Gruppe. Das Modell ist für die Strasse geeignet, daher kommt das «R» wie «Road», ist 50 Millimeter lang und wie das «T» angibt, bestehend aus mittelharter Allround-Gummimischung. Klingt kompliziert, ist aber praktisch. Wer die Codes kennt, bestellt nie mehr aus Versehen Mountainbike-Beläge fürs Rennvelo.
Beim Reifenhersteller Continental hören sich Produktbezeichnungen weniger kryptisch, sondern eher chemisch an. Was die Pneus mit den Namen «Xynotal», «Argotal» oder «Kryptotal-R» gemeinsam haben, ist einerseits die Endung «-tal». Gemäss Auskunft des Herstellers ist dies bei allen neuen Mountainbike-Reifen der Fall und eine Hommage an Continen-tal.
Andererseits versteckt sich in jedem der Namen ein chemisches Element, das den Einsatzbereich des Reifens widerspiegelt: Das Edelgas Krypton führt zu «Kryptotal», einem Reifen für gemischte Bedingungen, Argon benennt den Reifen «Argotal» für loses Terrain und das Element Xenon ist Namensgeber für den «Xynotal» für felsige Strecken. Das nachgestellte «-R» hinter den Reifennamen bezeichnet ihren spezifischen Einsatzzweck als Hinterradreifen. Wer also ein «Kryptotal R» sieht, weiss: Ein Reifen für gemischte Bedingungen, hinten montiert.
Bei den Bikes selbst geht die Namenspoesie noch einen Schritt weiter. Rose etwa nennt sein Gravelbike «Backroad AL Apex XPLR». «Backroad» verrät, dass das Bike für Nebenwege und Schotterpisten gemacht ist. «AL» bedeutet, dass der Rahmen aus Aluminium besteht, «Apex» steht für die verbaute Sram-Schaltgruppe und «XPLR» schließlich für die spezielle 1x12-Schaltung. Klingt kompliziert, ist aber nichts anderes als eine schnelle Produktbeschreibung.
Ähnlich verhält es sich bei Cube. Dort heisst das Gravelbike «Nuroad C:62 Pro». «Nuroad» ist die Symbiose aus New und Road, neuem Terrain und Strasse. «C:62» steht für einen speziellen Carbon-Mix mit 62 Prozent Hightech-Fasern, der im Rahmen verbaut ist. «Pro» bedeutet schlicht: Fertig ausgestattet, alles dran, alles drin. Der Name signalisiert, dass es sich hier um ein hochwertiges, einsatzbereites Carbon-Gravelbike handelt.
Wer den Code einmal knackt, merkt also bald: Produktnamen sind keineswegs zufällig gewählt. Manche Namen erzählen Geschichten, andere sind nüchterne Bestellnummern. Die absolute Lieblingsbezeichnung der Autorin wird von Price für das diesjährige Gravebike verwendet: «Alu Gravel 2025». Derart simple Produktnamen erleichtern das Schreiben über technische Themen ungemein. Die Firma TST-GPR, welche Price vertreibt, nimmt schmunzelnd dazu Stellung: «Wir werden oft dafür kritisiert, bei den Modellnamen wenig kreativ zu sein». Schliesslich sollten aber alle, auch jene, die diesen Beitrag nicht lesen, wissen, um was für ein Velo es sich beim entsprechenden Modell handelt. So entstünden die Produktnamen meist ohne grosses Kopfzerbrechen und nach dem Motto «stupid and simple».

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