M-Way verliert das M

In der Schweiz kennt jeder die Migros. Der Detailhandelsgigant verkauft in seinen SportXX-, Bike-World und M-Way-Filialen auch Velos. Nun hat der Migros Genossenschaftsbund angekündigt, das Portfolio zu bereinigen. Darum werde für M-Way ein Käufer gesucht.

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Laurens van Rooijen
03.07.2019

Gottlieb Duttweiler gründete die Migros, um die Marktmacht von grossen Anbietern und Kartellen im Schweizer Detailhandel zu brechen. Heute ist das Unternehmen längst selbst zu einem Giganten geworden. Weil die Migros genossenschaftlich organisiert ist, muss sie keine Gewinne an Aktionäre ausschütten – und verfügt daher über eine volle Kriegskasse.

Diese hat der Migros Genossenschaftsbund in den vergangenen Jahren für den Kauf von Immobilien an bester Lage eingesetzt, aber auch in weitere Geschäftsfelder expandiert und so diversifiziert. Zuletzt erfolgte im vergangenen Jahr mit Bike World der viel beachtete Eintritt in den Markt mit hochwertigen Velos. Unter dem neuen Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen kommt es nun zu einem markanten Strategiewechsel, der vergangene Woche per Pressemitteilung verkündet wurde.

M-Way ShopIn weniger als zehn Jahren hat M-Way ein Netz von 28 Filialen hochgezogen, die meisten davon in der Deutschschweiz.

Konzentration aufs Kerngeschäft

Konkret will die Migros-Gruppe wieder verstärkt in ihr strategisches Kerngeschäft sowie den Onlinehandel investieren. Damit ist ein Fokus auf die Bereiche Lebensmittel, Fachmärkte und eigene Industriebetriebe sowie das Geschäft mit der Gesundheit verbunden. Die Migros reagiert auf die durch den Markteintritt von Aldi und Lidl verschärfte Konkurrenz im Lebensmittelhandel.

Während die etablierten Fachmärkte Do it + Garden, OBI, Melectronics, Micasa, SportXX und auch Bike World beibehalten werden, ist das Migros-Management im Zuge der regelmässig durchgeführten Portfolio-Prüfung zum Schluss gekommen, dass sich verschiedene Tochterunternehmen im Non-Food Bereich unter neuen Eigentümern besser entwickeln dürften. Ausser Globus, Interio und Depot trifft dieser Befund laut Pressemitteilung auch auf M-Way zu.

M-Way Shop LausanneVon Anfang an setzte M-Way voll auf E-Bikes, bekam jedoch gerade im sportlichen Segment zuletzt interne Konkurrenz durch Bike World.

Käufer für M-Way gesucht

Diese erst 2010 gegründete Migros-Tochter, die sich auf den Verkauf von E-Bikes und Zubehör spezialisiert, hat sich zu einem erwachsenen Unternehmen entwickelt und verfügt aktuell über 28 Filialen. Von diesen dürften aber längst nicht alle kostendeckend wirtschaften. Insider berichten, dass Mitarbeiter von M-Way zuletzt unter erheblichem Druck standen, Umsatz zu generieren.

Zudem hat M-Way immer stark auf den Verkauf fokussiert und den Aftersales-Service weitgehend ausgelagert, was für Kundinnen und Kunden zu Wartezeiten führte – gerade bei E-Bikes ein Problem. Auch den Margendruck bekam M-Way wie die ganze Branche zu spüren.

Laut Migros-Chef Zumbrunnen sei man mit dem Verkauf aber nicht in Eile. In Frage kämen nur Interessenten, die M-Way weiterentwickeln wollen. Der in der Romandie stark positionierte Filialist Velo Land wäre daher wohl eine nahe liegende Lösung.

 

Fotos: Cyclinfo

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