Nie ist die Luft so klar und frisch wie im Winter. Nie sonst teilt man den Wald höchstens mit Fuchs und Reh. Nie sonst hupen vorbeifahrende Autos am Berg und zeigen statt dem Stinkefinger den Bravodaumen. Wintertrainings sind Erlebnisfahrten.
Warum Training draussen im Winter subjektiv so gut tut, kann die Wissenschaft erklären: Nur an der Sonne bilden wir Vitamin D. Forscher gehen heute davon aus, dass ein Vitamin-D-Mangel nicht nur in die Winterdepression führen kann, sondern auch die sportliche Leistung beeinträchtigt.
Eine britische Studie zeigt, dass Outdoor-Sport im Winter den Stress reduziert. Auch wird unser Immunsystem in der kalten Luft – entgegen der landläufigen Meinung – gestärkt.
In einer Studie der Uni Frankfurt waren die Ganzjahres-Radfahrerinnen im Schnitt zwei Tage pro Jahr weniger krank als Velofahrende, die ausschliesslich im Sommer unterwegs waren.
Aber klar, man kann sich schrecklich kalte Zehen holen. Im besten Fall. Im schlechtesten einen üblen Infekt, weil man trotz Husten oder gar Fieber trainiert hat. Das sollte man tunlichst vermeiden.
Damit Sie sicher und gesund durch den Winter radeln können, stellen wir die zehn wichtigsten Tipps zum Training im Winter vor.

10 Tipps
Sichtbar sein
Immer mehr Radprofis trainieren im Winter auch am Tag mit Licht. Wenn alles grau ist, wird man mit Licht früher und besser gesehen. Auch farbige Kleidung hilft. Reflektorstreifen nützen leider nur nachts. Darum: bunt statt schwarz im Winter.
Zwiebelprinzip: nein, aber ...
Isolierende, wind- und wasserabweisende Jacken, zwei Schichten in einer sozusagen, laufen dem Zwiebelprinzip den Rang ab. Sie bieten besseren Tragekomfort und besseres Klima als ein Thermotrikot plus Windjacke. Für Fuss und Hand bleibt das Zwiebelprinzip ein Segen: dünne Handschuhe und Socken aus Merinowolle als erste Schicht, darüber dicke, warme Teile.
Netz auf die Haut
Es gibt kaum etwas Unangenehmeres im Winter als Kleider, die schweissnass auf der Haut kleben. Ein Netzunterhemd lässt dieses Gefühl gar nie aufkommen. Die Netzstruktur klebt nicht und erzeugt sogar ein isolierendes Luftpolster zwischen Haut und Tricot.
Das Alleskönner-Tuch
Die Halskrause ist ein Tausendsassa. Sie schützt den Hals, hochgezogen den Mund, noch höher gezogen gar Nase und Ohren.
Sohlen isolieren
Mit Aluminium beschichtete Innensohlen aus dem Schuhgeschäft isolieren genau dort, wo Überschuhe oft nicht so gut schützen: an der Sohle, wo mit den Schuhplatten auch noch fiese Kältebrücken montiert sind. Selbst Winterschuhe werden
so noch wärmer.
Schaf am Fuss
Wintersocken von Fahrradspezialisten sind okay. Aber richtig warm sind Wintersocken aus dem Outdoor-Shop. Dick, flauschig und aus Merinowolle.
Weg von der Strasse
Liegen Schnee und Eis auf der Strasse, wechselt man besser auf Waldwege – sofern man das nicht eh schon getan hat. Mountainbike, Cyclocross-Rad oder Gravelbike bieten tolle Abwechslung inklusive Technikschulung.
Warm von innen
Moderne Thermosflaschen halten unterdessen ganz passabel warm. Ein warmes Getränk unterwegs wärmt wunderbar von innen.
Minischutzblech
Die kleinen Steckschutzbleche für unter den Sattel sind praktisch und bewirken erstaunlich viel. Nie mehr ein nasser Hintern.
Salz abspülen
Nach der Winterausfahrt sollte man so rasch als möglich das Streusalz vom Velo spülen, um Schäden zu vermeiden. Entweder mit sanftem Wasserstrahl oder mit dem Schwamm.
Illustration: Céline Endras







