Fahrtwind für Senioren

Mit «Radeln ohne Alter» bringen Rikscha-Piloten die ältere Generation wieder an ihre Lieblingsplätze. Die Ausflugsfahrten erlauben den Senioren, wieder aktiver am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Julie Nielsen, Redaktorin (julie.nielsen@velojournal.ch)
News, 25.09.2019

Seit dem Frühling 2016 erobern die Rikschas von «Radeln ohne Alter» die unterschiedlichsten Ecken der Schweiz. Vor allem in Graubünden ist das Angebot beliebt. Doch auch in weiteren Kantonen hat das Konzept bereits Fuss gefasst.

Die Idee entstand in Kopenhagen. Auf seinem täglichen Arbeitsweg bemerkte der «Radeln ohne Alter»-Initiant Ole Kassow einen alten Mann, der jeden morgen auf einer Bank sass. Er kam mit dem Mann ins Gespräch und erfuhr, dass dieser früher viel Velo gefahren war. Doch mit zunehmendem Alter musste er das Rad im Keller stehen lassen, weil Beine und Augen nicht mehr mitmachten.

Kassow hörte viele ähnliche Geschichten von älteren Menschen, die das Radeln aufgeben mussten, weil sie Angst hatten, sich zu verletzen. Diese Geschichten über die Freude am Fahrradfahren und die Sehnsucht nach Freiheit und Mobilität brachten ihn auf eine Idee.

Velofahren bringt frischen Wind in den Alltag

Er mietete eine Rikscha, fuhr bei einem Altersheim vor und bot eine Stadtrundfahrt für die Bewohner an. Die Idee schlug sofort ein und das Feedback aus dem Altersheim war grossartig. ­­Die positiven Rückmeldungen ermunterten Ole Kassow bei der Kopenhagener Stadtverwaltung anzufragen, ob sie dem Altersheim eine Rikscha sponsern würde. Dort war man von der Idee dermassen begeistert, dass die Stadt nicht nur eine, sondern gleich fünf speziell auf die Bedürfnisse von Senioren zugeschnittene Rikschas für fünf verschiedene Altersheime zur Verfügung stellte. So wurde «Radeln ohne Alter» geboren. Rasch hat sich «Radeln ohne Alter» über Europa in die USA bis nach Australien und Indonesien ausgebreitet.

Bestechende Idee

Das Konzept greift auch in der Schweiz. Die Rikschas sind mit einem Motor ausgestattet, der es ermöglicht, auch durch die weniger flachen Gegenden des Bündnerlands zu pedalieren. Im Bergkanton nehmen bereits neun Altersheime an «Radeln ohne Alter» teil.

Doch nicht nur im Bündnerland, sondern auch in den Städten kommen immer mehr Alterszentren hinzu. Die Idee besticht auch durch ihre Einfachheit: Freiwillige Rikschapiloten bieten Senioren die Gelegenheit, frische Luft zu schnuppern, Bekannte zu grüssen und für einen kleinen Schwatz einfach kurz einen Zwischenstopp zu machen.

Zukünftige Rikschapiloten und interessierte Altersinstitutionen finden hier weitere Informationen.

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