Die zwei Seiten des Coronavirus

Das Coronavirus und die vom Bund verordneten Massnahmen haben Folgen für die Velobranche. Jedoch nicht nur negative. Die Schweizerische Fachstelle Velo und E-Bike hat sich umgehört.

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Laurens von Roojien
13.03.2020

Von Italien aus macht sich das auch als Covid-19 oder Sars-nCov-2 bekannte, neuartige Coronavirus auch in der Schweiz breit. Die Fallzahlen steigen seit rund zehn Tagen rasch an, und das Bundesamt für Gesundheitswesen (BAG) kommuniziert täglich Verhaltentipps und neue Einschränkungen. Aber die Wirtschaft in der Schweiz läuft mit wenigen Ausnahmen wie dem Tourismus, der Gastronomie und Kulturveranstaltern wie gewohnt. Pendler müssen darum nach wie vor von ihrem Wohn- zum Arbeitsort und zurück gelangen. Aus Angst vor einer Ansteckung im Pendlerstrom hat der öffentliche Verkehr an Attraktivität verloren. Für nicht allzu lange Strecken bieten sich Velo und E-Bike als Alternative an.

Inzwischen zählt das BAG in der Schweiz über 800 Angesteckte mit dem neuartigen Virus, verteilt über 23 Kantone. Dadurch sind vor allem Publikumsevents infrage gestellt.

Hier sieht die  Schweizerische Fachstelle Velo und E-Bike (SFVE) eine Chance für die Branche: Selbst wenn nicht alle Pendler ein neues Velo oder E-Bike kaufen werden, dürften viele ihr Gefährt in die Werkstatt bringen, um es für Pendelfahrten in Schuss zu bringen. Die Lager der meisten Importeure sind nach dem starken Abverkauf im vergangenen Jahr und in Erwartung einer anhaltend hohen Nachfrage dieses Frühjahr gut bestückt. Die Folgen von Fertigungsausfällen in Fernost sind aktuell schwierig abzuschätzen und werden sich erst in einigen Wochen wirklich bemerkbar machen.

Ab Mitte Jahr könnte es aber durchaus zu Engpässen bei der Versorgung mit Teilen und nachbestellten Velos und E-Bikes aus China und Südostasien kommen, wie der Direktor des Schweizer Velovertriebs «Intercycle» Walter Schärli einräumt: «Eine Beurteilung der Liefersituation ab Mitte Jahr ist derzeit noch sehr schwierig. Die Fahrradhersteller in China haben ihre Arbeit inzwischen zwar wieder aufgenommen. Doch wegen der Reisebeschränkungen ihrer Mitarbeiter produzieren die Fabriken erst mit Teilauslastung. Bestellungen, die erst nach dem Chinese New Year Ende Januar hätten produziert werden sollen, dürften daher mit deutlicher Verspätung ausgeliefert werden.»

Noch klemmt es in China bei der Produktion, die mangels Arbeitern in vielen Fabriken noch nicht auf vollen Touren läuft. Der nächste Flaschenhals droht bei den Transportkapazitäten auf den Ozeanen.

Zudem kann die chinesische Exportwirtschaft die Produktionsausfälle aus dem Februar nicht einfach durch doppelte Schichten aufholen: Wegen der begrenzten Transportkapazitäten auf dem Seeweg würde dies zu einem Flaschenhals in der Logistik führen. Besser sieht es zurzeit für Importeure italienischer Marken aus, wie der Geschäftsführer von «Certa Sports» Andreas Betschart sagt: «Während das soziale Leben in der Öffentlichkeit zum Erliegen gekommen ist, konnten wir im Geschäftsverkehr mit Italien bisher keine nennenswerten Probleme feststellen.» Dagegen versuchte Rahmenbauer Robert Stolz in den vergangenen beiden Wochen vergeblich, seine Kontakte beim Rohrhersteller Columbus zu erreichen.

 

 

Bilder: ZVG

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