Fabian Baumann,
Redaktor
(fabian.baumann@velojournal.ch)
22.07.2024
Die Velonummer als verpflichtendes Kennzeichen für jedes Fahrrad in der Schweiz kennen viele Personen heute nur noch vom Hörensagen. Dabei blickt die Nummer auf eine gut 120-jährige bewegte Geschichte zurück.
Fabian Baumann,
Redaktor
(fabian.baumann@velojournal.ch)
22.07.2024
Einst ein Muss an jedem Velo, heute Sammlerstücke: Velonummer der Gemeinde St. Moritz aus dem Jahr 1914 und Fahrradkennzeichen des Kantons Appenzell Ausserrhoden des Jahres 1947. (Fotos: velonummern.ch)
Die Velonummer als «Fahrradkennzeichen» hat eine lange Geschichte in der Schweiz. Sie beginnt in den 1890er-Jahren und endet 2011. Am 12. Oktober verabschiedet der Bundesrat Änderungen des Strassenverkehrsgesetzes.
Damit einher geht die Abschaffung der Velovignetten. Seither sind Kennzeichen am Fahrrad in der Schweiz – mit Ausnahme der gelben Nummer für schnelle E-Bikes – Geschichte.
Noch mehr Geschichte ereignete sich in den gut 120 Jahren, in denen es für Velos in der Schweiz ein Kennzeichen gab. Detailliert aufgearbeitet, nachgezeichnet und mit unzähligen Quellen belegt ist das in «Die Geschichte der Schweizer Fahrradkennzeichen 1892-2011».
Die umfassende Publikation ist für alle Interessierten frei zugänglich. Aufgrund des schieren Umfangs von mehr als 300 Seiten ist das Dokument weniger als Lektüre und vielmehr als spannendes Nachschlagewerk zu verstehen.
Darin zu finden ist allerhand Spannendes. So legen die Autoren dar, warum die Velonummer für sie während fast 80 Jahren «mit Abstand das schweizerischste aller offiziellen Dinge» war.
Die Begründung: Zwischen 1893 und 1970 war die Velonummer das am meisten herausgegebene offizielle Kennzeichen. Noch im Jahr 1960 kamen auf 485'233 Personenwagen (mit Autokennzeichen) 1'786'092 Fahrräder mit Velonummer. Erst 1970 vermochte das Automobil das Fahrrad mengenmässig zu überholen.
Mit der Polizeiverordnung der Stadt Zürich vom 20. Juni 1893 wurden Velonummern als Kennzeichen zur Pflicht. (Foto: velonummern.ch)
Beim Lesen des Dokuments erfährt man auch, wie sich der Zweck der Nummer mit der Zeit änderte. Am Anfang stand die Identifikation der Velofahrerin oder des Velofahrers im Vordergrund.
Die vom aufkommenden Radverkehr ausgehende Gefahr sollte eingedämmt, unflätige Velocipedisten zur Rechenschaft gezogen werden können. Aus diesem Grund musste etwa die Nummer in Zürich «nach vorne an der Steuerung des Fahrrads deutlich sichtbar» angebracht werden, wie es in der Polizeiverordnung der Stadt von 1893 heisst.
Später wandelt sich die Bedeutung des Fahrradkennzeichens als Kontrollschild. Und spätestens mit dem Wegfall der Aluschilder und der Herausgabe von Velovignetten in Form von kleinen Aufklebern wird die Velonummer in der Schweiz 1989 zum reinen Versicherungsnachweis.

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