Der Kreisverkehr läuft nicht für alle rund

Eine Analyse der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) zeigt aufs Neue: Um die Sicherheit von Velofahrenden in Kreiseln zu erhöhen, braucht es vermehrt separate Fahrradinfrastruktur. Die Niederlande weisen den Weg.

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Céline Schwarz, Autor (celine.schwarz@velojournal.ch)
News, 02.08.2022

Die Verkehrssicherheit von Velofahrenden im Kreisverkehr ist ein Dauerbrenner. Während der Knotenpunkt für Motorisierte gegenüber einer Ampelkreuzung mehr Sicherheit und meist auch einen verbesserten Verkehrsfluss bedeutet, gestaltet sich die Verkehrssituation für Velofahrende generell schwierig. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) geht dem Problem in einer neu erschienenen Analyse nach.

Autoeinfahrt als Hauptursache

Zwischen 2017 und 2021 wurden in Schweizer Kreiseln rund 4400 Unfälle gezählt. In mehr als 40 Prozent der registrierten Unfälle war ein Velo oder ein E-Bike involviert – der Anteil liegt damit um sieben Prozent höher als an anderen Verzweigungen.

In 83 Prozent dieser Fälle kollidierten die zirkulierenden Zweiradfahrenden mit motorisierten Fahrzeugen, die in den Kreisel einfuhren. Besonders brisant: In nur drei von zehn Fällen ist die Kollision auf eine Vortrittsmissachtung der Velofahrenden zurückzuführen.

Sensibilisierungsmassnahmen

Die meisten Kollisionen passieren demnach, weil die Motorfahrzeuglenkenden die Velos bei der Einfahrt übersehen. Indem sich Velo- und E-Bike-Fahrende in der Mitte der Fahrspur positionieren, tragen sie dazu bei, gut erkannt werden. Gleichzeitig müssen Autolenkende ihre Wahrnehmung weiter schärfen, schreibt die BfU. Sie betont aber auch: Es ist kaum möglich, alle von Motorfahrzeuglenkenden verursachten Kollisionen im Kreisel durch verhaltensorientierte Massnahmen zu verhindern, da die Unfälle stark mit menschlichen Leistungsgrenzen zusammenhängen.

Infrastrukturanpassungen

Fahrassistenzsysteme sind vielversprechende Hilfsmittel. In verschiedenen internationalen Studien wurde zudem untersucht, welche Gestaltungsmerkmale und verkehrstechnischen Rahmenbedingungen von Kreiseln für den Veloverkehr sicherheitsfördernd sind. Die BfU fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen: «Kreisel, die über eine hohe Velosicherheit verfügen, weisen ein geringes Motorfahrzeugvolumen und tiefe Geschwindigkeiten auf. Sie sind einspurig, nicht gross und sie verfügen über eine breite und hohe Mittelinsel.»

Spezialkreisverkehre

Eine durchdachte Gestaltung des Kreisels ist also entscheidend. Im Idealfall erhalten Velos und E-Bikes sogar eine eigene Kreiselinfrastruktur. Insbesondere bei mehrspurigen Kreiseln und bei einer Fahrbahnbreite von mehr als 5.5 Metern sei eine separate Veloführung angezeigt, schreibt die BfU.

Nach diesem Prinzip gehen auch die Niederlande vor. Bei den verbreiteten «Holland-Kreisverkehren» werden Radfahrende und Autofahrende strikte voneinander getrennt. Das Modell verringert den Kurvenradius und damit auch die Geschwindigkeiten der Motorisierten. Und: Die Autos fahren gerade auf den Radweg zu – der «Tote Winkel» entfällt.

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