Die Fahrradindustrie setzt Standards im Rahmenbau mit dem Einsatz von Hydroforming; Tragbarkeit bis Federung werden dank modernster Technologie direkt ins Rahmendesign integriert. Was können Erbauerinnen und Erbauer von Einzelstücken dieser scheinbaren Überlegenheit heute überhaupt noch entgegenstellen?
Am 11. Bike Lovers Contest im Rahmen des Urban Bike Festivals haben ein Dutzend Fahrradentwickler und Rahmenbauer ihren ganzen Hirnschmalz und ihr handwerkliches Können zusammengenommen, um den diesjährigen Motto «Handwerk 2.0: Craft reloaded» gerecht zu werden – darunter reputierte Namen und Stammgäste aus der Handmade-Szene wie Yago Diaz, Wim Kolb, Mathias Scherer, Röbi Stolz oder Patrik Widmer.
Handwerkskunst
Mit fortschrittlichen Verfahren Einzelstücke fertigen, was die Industrie nicht wagt oder alte Handwerkstechniken frisch interpretieren – entsprechend dem grossen Spielraum, den dieses Thema liess, fanden sich im diesjährigen Wettbewerb Fahrräder unterschiedlichster Ansätze: Lasergeschnittene Inox-Rohre, 3-D-gedruckte Muffen, Holz mit E-Antrieb aber auch rohe, ungeschminkte Lötstellen an einem bösen Dragsterbike oder ein abgewetztes 20-jähriges Ruchti-Bike, das mit neuen Teilen wortgetreu «reloaded» wurde.
Leichtgewicht gewinnt Gold
Die Jury verleiht die goldene BLC-Trophäe an Ralf Holleis‘ «VRZ 2», ein ganze 4 Kilogramm leichtes Bahnrad. Es vereinigt neue Entwurfs- und Produktionsmethoden mit traditioneller Optik und Handwerk: Custom-Carbonrohre sind mit 3-D-gedruckten Titanmuffen in barocker Ornamentik verklebt.
Silber geht an Mathias Scherers «Jan» – ein durch und durch personalisiertes Titan-Allroad-Bike, bei dem keine Schraube sichtbar bleibt. Bei Mathias Scherrer steht Handwerk für den Ansatz, konsequent alles selbst zu bauen. Bronze erhält Martin Schlimbachs «Elwood» – ein E-Bike, dessen grossvolumiger, CNC-gefräster Rahmen aus Nussbaumholz mit dem Raumbedarf eines Elektroantriebs perfekt harmoniert. Das vom Sturm entwurzelte Nussbaumholz wurde zu einem nachhaltigen Transportmittel. Etwas unglücklich, dass mit Christian Kunz‘ Gravelbike auch noch ein Holzbike zum Publikumsgewinner erkoren wurde, zum wiederholten Male. Demgegenüber blieb ein ganz aktueller Trend, nämlich Cargo, unberücksichtigt, obwohl mit dem «Bonjohn» von Frank Patitz solch ein Modell in hochwertiger technischer und gestalterischer Ausführung im Wettbewerb stand. So sehr der Bike Lovers Contest ein geschätzter und wertvoller Kontrapunkt des Urban Bike Festivals darstellt, so zeigt sich eben immer wieder, dass er von aktuellen Entwicklungen des urbanen Alltagsbikes zuweilen etwas entrückt ist. Fotos: Sabrina Stäubli, studio-perspektiv.com / Peter Hummel
Ein Leichtgewicht aus Carbon und Titan: Das «VRZ 2» von Ralf Holleis.Ein Titan gewinnt Silber

Nussbaumholz gewinnt Bronze

Publikum mag nachwachsende Rohstoffe
Holz steht hoch in der Gunst des Bike-Lovers-Contest Publikums: Nach 2017 und 2018 gewinnt erneut ein Velo mit Holzrahmen den Publikumspreis.Cargotrend bleibt aussen vor
Cargobikes liegen im Trend. Für dieses Bike hat es am Contest aber nicht zu einem Preis gereicht.







