Cargovelos gemeinsam nutzen

Als Eltern haben sie sich lange mit dem Lastenvelo-Sharing beschäftigt. Dabei haben die Autorin und der Autor praktische Erfahrungen gesammelt – in letzter Zeit sogar ganz ohne Auto –, die sie nun gerne teilen.

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Nan Gao, Frank Richter
11.09.2020

Lastenvelos werden in der Schweiz immer populärer. Wurden vor drei Jahren noch weniger als 400 verkauft, so stieg die Anzahl 2018 und 2019 auf jeweils mehr als 1500 Stück. Betrachtet man den gesamten Fahrradmarkt, spielen Lastenvelos zwar eine untergeordnete Rolle. Trotz allem ist die Vervierfachung der jährlichen Verkaufszahlen beachtlich.

Carvelo2go, das Sharing-Programm der Mobilitätsakademie des TCS, hat wohl dazu beigetragen. Wir wollten als sogenannter Host eines der Carvelo2go-Lastenräder betreuen. In der Zeit, in der es nicht vermietet worden wäre, hätten wir es selbst benutzen wollen. Aber der erste Versuch schlug fehl.

Da wir das Lastenvelo über einen lokalen Sponsor hätten finanzieren lassen müssen, lag das Projekt zunächst auf Eis. Unterdessen feierte unser Sohn seinen ersten Geburtstag, und die Schwester kündigte sich bereits an. Deshalb sahen wir uns nach einer raschen Lösung für den Kindertransport um. Ein komfortabler und robuster Anhänger war rasch gefunden und wurde, kombiniert mit unserem Elektrovelo, zum Transportmittel für die Kinder.

FamilientransportkutscheWas eignet sich besser für Familien? Lastenvelo oder E-Bike mit Anhänger?

Gemeinde zieht mit

Die Carvelo2go-Sponsoren-Suche war aber nicht umsonst. Sie rief unsere Gemeinde auf den Plan. Ein Jahr später schrieb Sarnen 2000 Franken für die private Anschaffung eines Cargobikes aus. Einzige Bedingung: Das Lastenrad müsse auch anderen Interessenten zur Mitnutzung zur Verfügung gestellt werden.

Das Angebot sagte uns zu. So wurden wir mithilfe des lokalen Velohändlers, der uns für ein Vorführbike ein attraktives Leasing­angebot machte, Halter eines E-Lastenrads. Die Strategie der Mobilitätsakademie, Cargobikes via Carvelo2go einem breiten Nutzerkreis zugänglich zu machen, ist gut. Die private Anschaffung eines solchen Gefährts lohnt sich aber nur für die wenigsten Familien. So haben wir rasch gemerkt: 99 Prozent unserer Alltagsfahrten – zum Einkaufen oder Ausflüge mit den Kindern – können wir problemlos mit E-Bike und Anhänger erledigen. Die geteilte Nutzung eines Lastenvelos ist für uns darum ideal.

Türöffner Öffentlicher Kalender

Dafür eignet sich Carvelo2go leider nur bedingt. Das Sharing-Angebot wurde als Dienstleistung für Gewerbetreibende konzipiert. Die daraus resultierenden Kostenstrukturen sind nicht mit den Möglichkeiten und Bedürfnissen privater Halter kompatibel. Unsere monatlichen Leasing- Fixkosten liegen deutlich unter 100 Franken, bei Carvelo2go wäre der finanzielle Aufwand höher.

Wäre Carvelo2go in der Lage, interessierten privaten Haltern ähnliche Konditionen zu bieten, stünde einer rasanten Verbreitung des Angebots nichts mehr im Wege. Die gute Nachricht: Der Carvelo2go-Überbau ist zum lokalen Teilen eines Lastenrads nicht essenziell. Wer ein Cargobike mit anderen Personen teilen will, braucht keine zentrale Support­infrastruktur. Ein öffentlich zugänglicher Kalender im Internet für die Verwaltung von Reservationen reicht aus. Auch eine simple Website zur Präsentation des Angebots lässt sich heute mit wenigen Klicks kostenlos erstellen. Unsere Seite, sarnen-teilt.ch, dokumentiert dies.

Ähnlich wie für das Angebot der Mobilitätsakademie gilt aber auch für private Anbieter: Der Aufwand der Nutzerinnen für die Abholung und das Zurückbringen des Carbobikes ist in den meisten Fällen zu gross, um ein regelmässiges Ausleihen, etwa für wöchentliche Fahrten zum Supermarkt, attraktiv zu machen.

WocheneinkaufFür den Wocheneinkauf brauchts kein Auto.

Durch die stärkere Vernetzung mit anderen Mobilitätsangeboten liessen sich die Nutzungsquoten erhöhen. Mit dem Schlagwort «Carvelo», also Auto­ersatz, könnte man dort, wo nach Autos zum Teilen in der Nähe gesucht wird, auch Velos finden. Zukunftsweisende Siedlungsprojekte verknüpfen heute bereits nachhaltige Wohn- und Mobilitätslösungen. Anstatt privater Autostellplätze gibt es Sharing-Angebote. In solchen Überbauungen bietet sich das Teilen von Lastenvelos geradezu an. Der ideale Standort für ein solches Gefährt ist eine Siedlung, in der viele Familien mit Kindern leben.

Unser Fazit

Die Variante E-Bike und Anhänger ist deutlich günstiger als ein E-Lastenvelo. Die Anschaffung kann sich bei intensivem Gebrauch und allfälliger Kombination mit einem Sharing-Angebot aber durchaus lohnen. Was noch fehlt, sind günstige, auf Familien zugeschnittene Leasingangebote. Das Portal bike-finanzierung.ch vermittelt Darlehen für den Fahrraderwerb. Gemäss unseren positiven Erfahrungen empfehlen wir, den lokalen Velohändler direkt anzusprechen.

-> sarnen-teilt.ch



Was spricht für ein Lastenvelo?


Sicherheit

Nan Gao, Frank Richter: «Bei Cargobikes hat man seine Kinder immer direkt im Blick, kann mit ihnen unkompliziert kommunizieren und muss sich nicht davor fürchten, dass man den Anhänger verliert oder, dass er umkippt. Bei steilen Abfahrten kommen Anhänger relativ rasch an die Grenze ihrer Belastbarkeit und man hat teilweise Mühe, das Gespann spurtreu bei einer sicheren Geschwindigkeit von nicht mehr als 25 km/h zu halten. Cargobikes stecken steile Berge (auf und ab) problemlos weg und man fühlt sich auch bei einer Abfahrt mit 40 km/h noch sicher.»

Fahrspass

«Mit einem E-Cargo Velo bewegt man sich souverän und agil auf der Strasse. Es macht ausgesprochenen Spass, gut beladen im (Velo)verkehr mitzuschwimmen.»

Head-Turning-Faktor

«Auch wenn es langsam mehr werden, sind Cargovelos noch immer ein exotischer Blickfang und ziehen Aufmerksamkeit auf sich. Lastenfahrräder signalisieren Sensibilität für die Umwelt und werden mehr und mehr zum grünen <Fashion Statement>, nicht nur für die Hipstergeneration.»

Diebstahlschutz

«Einen modular aufgebauten Kinderanhänger bei längerem Parkieren sicher vor Dieben zu schützen, ist nicht ganz einfach. Das gute Stück lässt sich in Sekunden in seine Einzelteile zerlegen. Beim Cargobike reicht bereits das fest eingebaute Speichenschloss, um die meisten Diebe abzuschrecken. Ein Wegtragen des Gefährts ist kaum möglich.»

Robustheit

«Bis auf eine nach 2000 km notwendige Erneuerung der Bremsbeläge hatte unser Cargobike bisher keinen Wartungs- und Reparaturbedarf.»

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