Laurens van Rooijen, Fabian Baumann
News,
01.03.2022
Die EU lässt E-Bikes von der Kette. Auf Drängen der Light Electric Vehicle Association (Leva-EU) dürfen künftig im EU-Raum auch Pedelecs ohne Kette zulassungsfrei in Verkehr gesetzt werden.
Laurens van Rooijen, Fabian Baumann
News,
01.03.2022
Beim «Footloose» gibt es zwischen Pedalen und Hinterrad keine Kette, keinen Zahnriemen und keine Kardanwelle, sondern ein Stromkabel. (Foto: ZVG)
Die überwiegende Mehrheit aller Pedelecs – in der Schweiz E-Bikes genannt – ist mit einer Kette oder einem Zahnriemen ausgerüstet. Es gibt aber auch Exoten unter den Elektrovelos, mit speziellen Antrieben. So etwa das «Footloose» von Mando: Bei diesem kompakten E-Bike tritt man in einen Generator, der darauf den erzeugten Strom ohne Kette an den Motor in der Hinterrad-Nabe schickt.
Und es gibt noch weitere Pedelecs, die auf alternative Antriebe setzen wie etwa die im Spritzguss-Verfahren hergestellten «Mocci Magic Ride»-Sharing- und Flottenbikes der CIP Group. Zu erwähnen ist ferner auch das von Heinzmann und Schaeffler gemeinsam entwickelte «Free Drive System».
Die europäische Lobby-Organisation Light Electric Vehicle Association (LEVA-EU) hat sich darum bei der EU-Kommission für ein Anpassung der Vorschriften stark gemacht.
Viele der Bauteile des futuristischen «Mocci Magic Ride» werden im Spritzgussverfahren hergestellt. Dieses Velo hat einen Hilfantrieb, aber weder Kette noch Zahnriemen. (Foto: ZVG)
Der Auslöser war dabei, dass einige Velohändler in Deutschland, die E-Bikes ohne Kette anboten, im Jahr 2018 vom Kraftfahrtbundesamt aufgefordert wurden, diese Produkte umgehend aus dem Sortiment zu nehmen oder eine Busse von 5000 Euro zu riskieren. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur unterstützte die Einschätzung des Amtes.
Anders sah es der Verband LEVA-EU: Wichtig für die Regulierung sei die erzeugte Bewegungsenergie, die von der Art der Kraftübertragung unabhängig sei. Beim «Series Hybrid»-Antrieb erzeugt ein Generator beim Treten Energie, die dann durch Motoren auf die Strasse gebracht wird. Für Cargobikes mit mehr als zwei Rädern oder körperlich eingeschränkte Menschen erscheint dieser Ansatz besonders vorteilhaft.
Bei grossem Radstand oder mehr als zwei Rädern spielen Hilfsantriebe ohne Antriebsstrang wie das «Free Drive System» ihre Stärken voll aus. (Foto: Laurens van Rooijen)
Ein erstes Treffen zwischen LEVA-EU und der EU-Kommission war 2018 offenbar noch erfolglos. Ende des letzten Jahres erreichte der Verband dann sein Ziel, wie LEVA-EU kürzlich mitteilte. Man erklärte zusammen mit zwölf betroffenen Verbandsmitgliedern die technischen Aspekte des Antriebs. Darauf legte die EU-Kommission am 17. Februar in einem Treffen mit den Mitgliedsstaaten die erneuerte Verordnung 168/2013 vor.
Ob die Anforderungen an EPACs (Electrically Power Assisted Cycle) erfüllt sind, ist nun unabhängig davon, ob eine Kette verbaut ist. LEVA-EU sieht mit dieser Entscheidung eine grosse Stolperfalle für die potenziellen Kunden und Kundinnen sowie für Investitionen in die Räder mit Hybridantrieb beseitigt.

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