Es ist das Schreckensszenario vieler Velofahrender. Ein Auto oder schlimmer, ein Lastwagen, übersieht einem beim Abbiegen, weil man sich im toten Winkel befindet. Solche Unfälle passieren immer wieder. Oft liegt die Schuld beim abbiegenden Lenker des Motorfahrzeugs. Das ist ein schwacher Trost. Für Velofahrende oder Fussgänger endet ein Zusammenstoss mit einem Motorfahrzeug nicht selten verheerend.
Martin Budde will das ändern. Der Deutsche hat mit «Bikeflash» ein neues Verkehrswarnsystem entwickelt. Es kann als zusätzliche Warneinrichtung an Kreuzungen installiert werden. Mit Wärmesensoren an einer Stange überwacht «Bikeflash», ob sich eine Velo fahrende oder zu Fuss gehende Person in einer zuvor definierten Erkennungszone befindet.
Wird jemand auf dem Velo erkannt – die Sensoren sollen laut dem Entwickler innert Sekundenbruchteilen reagieren –, werden vier Leuchtbügel aktiviert. Diese blinken und sind während des ganzen Abbiegevorgangs sichtbar: erst im Sichtbereich der Frontscheibe, dann im Beifahrerfenster und schliesslich im Rückspiegel. Zudem sind die Leuchtbügel auf unterschiedlichen Höhen angebracht. Hoch sitzende Lastwagenlenker sollen sie damit genau so im Blickfeld haben wie Autofahrerinnen.
Bikeflash zeigt dem LKW an, dass sich ein Velo im toten Winkel befindet.
Das von Martin Budde entwickelte System warnt nicht nur, sondern bietet auch eine tatsächliche Schutzfunktion. Da «Bikeflash» fest in der Strasse verankert wird, haben Velofahrende und Fussänger daneben eine sichere Position. Oder wie es Budde ausdrückt: «Vor allem Lkw-Fahrer müssen jetzt die Kurve sauber ausfahren, sodass die Schleppachse nicht mehr durch das Schneiden der Kurve zur Gefahr wird.»
Der deutsche Entwickler hofft, für sein System nun Abnehmer zu finden. Nach mehreren Jahren Entwicklungszeit und intensiver Testphase wird «Bikeflash» seit Anfang Jahr europaweit vertrieben.
Martin Budde will mit Bikeflash den Veloverkehr sicherer machen.
Ein Einsatz in der Schweiz ist unter den geltenden Bestimmungen allerdings nicht möglich. «Bikeflash» sei ein im Strassenverkehrsrecht nicht vorgesehenes Lichtsignal, heisst es dazu beim Bundesamt für Strassen Astra. Die Verwendung im Rahmen eines wissenschaftlich begleiteten Versuchs zu bewilligen, wäre zwar grundsätzlich denkbar, erklärt Raphael Kraemer, Fachbereichsleiter der Abteilung Strassenverkehr gegenüber Velojournal.
Kraemer fügt aber an: «Das Astra steht solchen zusätzlichen Blinklichtanlagen aber skeptisch gegenüber, da sie die Wirkung von bestehenden Signalen, Lichtsignalen und Markierungen herabsetzen und zudem ablenkend wirken können.»
Nicht nur die Gesetzeslage in der Schweiz ist für «Bikeflash» hinderlich. Auch die Situation auf der Strasse präsentiert sich anders als im nördlichen Nachbarland.
Heiko Ciceri, Kommunikationsverantwortlicher der Dienstabteilung Verkehr der Stadt Zürich sagt auf Anfrage dazu: «In Deutschland hat man häufig einen von der Fahrbahn abgetrennten Radweg. Bei uns hingegen haben wir – insbesondere in Städten – einen Radstreifen.» Um das System zu installieren, sei aber zwingend ein Trägermast notwendig. Dieser könne bei Radstreifen nicht aufgestellt werden, da er auf der Fahrbahn stehen würde, führt Ciceri weiter aus.
Weitere Informationen
Sicherheitsreport im Strassenverkehr
bike-flash.com
Fotos: bikeflash







