Rund die Hälfte aller Velofahrenden in der Schweiz tragen einen Helm. Sie tun das freiwillig. Denn das Gesetz kennt keine Helmpflicht – mit Ausnahme des Fahrens mit schnellen E-Bikes. Beobachtungen der Beratungsstelle für Unfallverhütung BfU zeigen, dass die Helmtragequote seit Jahren ansteigt.
Drei von vier Kindern tragen einen Helm
Besonders stark gestiegen ist die Helmquote bei Kindern und Jugendlichen. Trug vor 20 Jahren lediglich ein Drittel der bis 14-Jährigen einen Velohelm, sind heute dreiviertel der Kinder mit Helm unterwegs. Damit ist diese Altersgruppe absoluter Spitzenreiter, was das Helmtragen betrifft.
Der BfU ist das zu wenig. Sie fordert ein schweizweites Velohelmobligatorium für Kinder bis 14 Jahre. Jedes vierte Kind trägt «beim Velofahren keinen Helm und hat so bei einem Sturz oder einer Kollision ein deutlich höheres Risiko für Kopf- und Hirnverletzungen», schreibt die BfU in einer Medienmitteilung.
Die Beratungsstelle begründet den Ruf nach einem neuen Gesetz mit dem Verletzungsrisiko. Dieses sei bei jüngeren Kindern «überdurchschnittlich hoch». Ein Grund dafür sei der überproportional grössere und schwerere Kopf und die im Verhältnis dazu noch schwächer ausgebildete Kopf- und Nackenmuskulatur. Zudem seien die Schädelknochen von Kindern noch weich und somit verletzlicher. Bereits 2006 brachte die BfU die Helmpflicht aufs politische Parkett. Zuvor wurde die Idee auch im Rahmen des Verkehrssicherheitsprogramms des Bundes, «via sicura», diskutiert. Die zuständige Expertengruppe liess dann aber davon ab. Und auch die Forderung der BfU fand keine Mehrheiten. Dass die Beratungsstelle für Unfallverhütung das Helmobligatorium für Kinder nun wieder auf den Tisch bringt, stösst bei Pro Velo auf wenig Verständnis. Man befürworte das freiwillige Tragen des Velohelmes, sei jedoch gegen ein Helmobligatorium, heisst beim Interessenverband. «Die Eltern müssen selbst entscheiden, ob ihre Kinder einen Helm tragen sollen oder nicht. Meine Kinder trugen immer einen Helm beim Velofahren, deshalb braucht es kein Obligatorium», sagt Präsident und Nationalrat Matthias Aebischer. «Eine Reglementierung greift zu stark in die Verantwortung der Eltern ein», ergänzt Claudia Bucher, Kommunikationsverantwortliche bei Pro Velo. Ein Helmobligatorium würde sich zudem negativ auf die Anzahl Velofahrender auswirken, ist Bucher überzeugt. Das zeigten verschiedene Studien aus Ländern, die eine Helmpflicht kennen. «Nachweislich ist Velofahren jedoch sicherer, je mehr Personen auf der Strasse radeln», sagt Claudia Bucher. Das Helmtragen alleine verhindere hingegen keine Unfälle. Foto: ZVG / Grafik: BfU
Dass die Helmtragequote Schwankungen unterliegt, zeigt der Blick auf die Langzeitstatistik der BfU. Die Tendenz zeigt aber klar nach oben.Hohes Verletzungsrisiko
Pro Velo ist kritisch







