Aus für deutschen Solarveloweg

In November 2018 wurde in Erftstadt der erste Solar-Veloweg Deutschlands eröffnet. Knapp ein Jahr später muss der Radweg zurückgebaut werden. Stadt und Herstellerfirma liegen im Clinch.

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30.10.2019

In Erftstadt bei Köln wurde im November 2018 ein spezieller Radweg eingeweiht. Der Veloweg ist auf einer 90 Meter langen Strecke mit Fotovoltaik-Modulen belegt. Eine rund 200 Quadratmeter grosse Solarfläche sollte im Jahr bis zu 12 Megawattstunden Strom erzeugen.

Entsprechend positiv gestimmt zeigte sich die deutsche Bundesumweltministerin Svenja Schulze bei der Eröffnung der Teststrecke: «Mit dem Solarradweg setzen wir auf eine innovative Technologie, die zugleich Strom erzeugen und im Winter das Eis abtauen kann, um ein sicheres Radfahren zu ermöglichen.»

Euphorie ist verflogen

Weniger als zwölf Monate später macht sich in Erftstadt Ernüchterung breit. Die Stadt hat dem Hersteller des Solarradweges den Auftrag entzogen und ihn zum Rückbau aufgefordert. Bereits im März dieses Jahres hätten sich schwerwiegende Mängel an der Anlage gezeigt, heisst es in einer Medienmitteilung.

Am Solarveloweg sei es zu Schwelbränden gekommen. In deren Folge wurde die Teststrecke aus Sicherheitsgründen gesperrt und seither nicht wieder in Betrieb genommen. Man habe der Herstellerfirma eine Frist zur Mängelbeseitigung gegeben, schreibt Erftstadt.

Diese sei mehrfach verlängert worden. «Nachdem die letztmalige Frist verstrichen ist, wurde der Hersteller zum Rückbau seiner Leistungen bis zum 25. Oktober aufgefordert, damit auch die Öffnung der Wegestrecke wieder möglich wird.»

Solmove wehrt sich

Der Hersteller des Solarradwegs, das deutsche Start-up Solmove, will von einem Rückbau allerdings nichts wissen. Der Radweg habe eine halbe Million Euro gekostet. «Das reissen wir nicht einfach ab», sagte der Geschäftsführer der Firma, Donald Müller-Judex gegenüber der «NZZ».

Im Gespräch mit der Zeitung äusserte er sich auch zur Frist für die Mängelbehebung. Diese sei viel zu kurz gewesen. Alleine die Prüfungen durch den TÜV hätten Monate gedauert.

Die Zukunft des ersten deutschen Solarvelowegs ist offen. Die Erftstädter Stadtverwaltung verweist auf ein laufendes gerichtliches Verfahren mit Solmove und will zum Radweg keine Stellung mehr nehmen. Der Solarradweg sei jedoch nur ein Teil eines Gesamtprojekts, mit dem die Mobilität in der Region verbessert werden soll.

Foto: EnergieAgentur.NRW, Meike Nordmeyer

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