Gratisparkplätze für Autos sind häufiger als Veloabstellplätze

Wer in der Schweiz Auto fährt, findet am Ziel häufiger einen Gratisparkplatz als Velofahrende einen Abstellplatz. Auch bei Wohngebäuden besteht Nachholbedarf, zeigen zwei Studien der Universität Lausanne.

Aline Nusshold, Autorin (aline.kuenzler@velojournal.ch)
News, 13.10.2026

Sichere Velowege allein reichen nicht aus, um den Veloverkehr zu fördern. Ebenso wichtig ist die Frage, wo das Velo vor und nach der Fahrt abgestellt werden kann. Wie gut die Schweiz diesbezüglich aufgestellt ist, hat die Forschungsstelle OUVEMA der Universität Lausanne untersucht. Die Ergebnisse wurden in zwei wissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht, auf die das Forum Velostationen Schweiz Anfang Oktober aufmerksam gemacht hat. Die Untersuchungen entstanden im Rahmen eines vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützten Forschungsprojekts.

Kostenlose Autoparkplätze deutlich häufiger

Die erste Studie «Bicycle and Free Car Parking Availability at Trip Destinations: A Sustainable Mobility Test for Parking» (2025) vergleicht die Verfügbarkeit von Veloabstellplätzen mit jener von kostenlosen Autoparkplätzen an verschiedenen Fahrtzielen. Grundlage bilden Daten des Schweizer Mikrozensus Mobilität und Verkehr 2021 mit rund 4100 Velo- und 42'500 Auto-Teilstrecken.
Das Resultat ist deutlich: Bei 76,2 Prozent der untersuchten Velofahrten war am Ziel ein Veloabstellplatz vorhanden. Bei Autofahrten stand hingegen in 90,9 Prozent der Fälle ein kostenloser Parkplatz zur Verfügung. Die Forschenden sehen darin ein Ungleichgewicht zulasten des Veloverkehrs.
Allerdings bestehen grosse Unterschiede je nach Fahrtziel. Besonders gut schneiden Bildungseinrichtungen ab: Bei 96,9 Prozent der Velofahrten dorthin waren Abstellplätze vorhanden. Auch Arbeitsplätze sind mit 88,8 Prozent vergleichsweise gut mit Veloabstellplätzen ausgestattet. Deutlich schlechter sieht es bei Parkplätzen für Velos an Fahrzielen für Dienstleistungen (57,9 Prozent) und Freizeitaktivitäten (64,5 Prozent) aus. Die können gemäss dem Mikrozensus beispielsweise ein Arztbesuch oder ein Restaurantbesuch sein.

Auch zu Hause fehlt es an geeigneten Abstellplätzen

Eine zweite wissenschaftliche Veröffentlichung in «Transportation Research Part A: Policy and Practice» (2026) richtet den Blick auf die Veloparkierung bei Schweizer Privathaushalten. Dabei geht es nicht nur darum, ob ein Abstellplatz vorhanden ist, sondern auch um dessen Qualität. Gerade für schwere und teure E-Bikes sind gut zugängliche, wettergeschützte und sichere Abstellmöglichkeiten wichtig.

Die Ergebnisse zeigen, dass solche hochwertigen Abstellplätze selten sind. Die Wahrscheinlichkeit, über einen gut zugänglichen, überdachten und gesicherten Platz in einem abschliessbaren Raum zu verfügen, liegt sogar unter jener, ein E-Bike zu besitzen. Besonders gross ist der Nachholbedarf bei bestehenden Wohngebäuden in Gebieten, in denen das Velofahren bisher wenig verbreitet war.Während Vorgaben bei Neubauten Verbesserungen ermöglichen, stellt die Nachrüstung bestehender Gebäude eine grössere Herausforderung dar. Als mögliche Lösung nennen die Forschenden abschliessbare Veloboxen am Strassenrand.

Veloförderung beginnt vor der Haustür

Die beiden Studien machen deutlich: Wer den Veloverkehr fördern will, muss nicht nur um den rollenden, sondern auch um den stehenden Verkehr kümmern. Nicht nur sichere Wege schaffen, sondern auch für geeignete Abstellmöglichkeiten sorgen, zu Hause, am Arbeitsplatz und unterwegs.Allerdings weisen die Forschenden auch auf Grenzen ihrer Daten hin. So wurden lediglich tatsächlich durchgeführte Fahrten erfasst. Ob Menschen wegen fehlender Abstellmöglichkeiten ganz auf eine Velo- oder Autofahrt verzichten, bleibt offen.

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