Fabian Baumann,
Redaktor
(fabian.baumann@velojournal.ch)
Szene,
Kultur,
06.03.2026
Im Mai wird in Zürich ein fast vergessenes Handwerk ins Licht gerückt. Das «Velobauer Kollektiv» lädt zur Messe «Beyond Normal Cycling». Ein Wochenende im Zeichen von Stahl, Schweissperlen und lokaler Wertschöpfung.
Fabian Baumann,
Redaktor
(fabian.baumann@velojournal.ch)
Szene,
Kultur,
06.03.2026
Die Kunst des Rahmenbaus hat in der Schweiz Tradition. Auf Velos von Allegro, Cilo, Mondia oder Tigra wurden Alpenpässe bezwungen und Tour-de-Suisse-Etappen gewonnen, lange bevor das erste Carbon-Layup aus dem Ofen kam. Doch mit der Abwanderung der Produktion nach Asien drohte das hiesige Know-how zu verschwinden. Nun zeigt sich: Das Feuer ist nie ganz erloschen. Eine Szene aus Idealisten und Tüftlerinnen hat sich der Austauschbarkeit von Velos verweigert und trägt das Erbe der handwerklichen Präzision weiter.
Am Wochenende vom 9. und 10. Mai 2026 wird das Zürcher Binz-Quartier zum Treffpunkt für Individualistinnen und Individualisten. Wo früher Industrie den Takt angab, verwandelt das «Velobauer Kollektiv» eine Werkhalle in einen Showroom für Massarbeit. Das Ziel des Zürcher Zusammenschlusses: Raus aus der Nische, rein ins Bewusstsein der breiteren Velo-Öffentlichkeit.
An den Ständen stehen keine Veloverkäufer mit Hochglanzbroschüren. Hier stehen die Macherinnen und Macher selbst. Es sind deren Hände, die Rohre sägen, löten und feilen – und fachkundig in einen Velorahmen verwandeln. Den Besucherinnen und Besuchern bietet sich die Chance, tief in die Materie einzutauchen und Fragen zu stellen: Warum fährt sich ein Stahlrahmen auf Langstrecken komfortabler? Wie beeinflusst der Lenkwinkel die Agilität im Stadtverkehr? Und wieso ist Titan mehr als nur ein teures Edelmetall? An diesem Wochenende wird gefachsimpelt, erklärt und philosophiert.
Für die Veranstalter ist die Messe mehr als Nostalgie – sie sehen darin einen «hochaktuellen Gegenentwurf zur globalen Überproduktion». Während Massenware oft auf Halde produziert und später mit hohen Rabatten in den Markt gedrückt werde, entstünden hier Unikate auf Bestellung. Das schone Ressourcen und verbessere die Ökobilanz durch kurze Transportwege und einen bewussten Kaufentscheid, heisst es beim «Velobauer Kollektiv».
Abgerundet wird das Wochenende durch ein Rahmenprogramm, das den Community-Gedanken unterstreicht: Geplant sind gemeinsame «Rides» sowie Workshops zu den Techniken des Rahmenbaus. Wer Persönlichkeit auf zwei Rädern sucht und wissen will, wessen Schweiss im eigenen Oberrohr steckt, sollte sich dieses Datum dick im Kalender anstreichen. Die Schweizer Velo-Tradition gehört nicht ins Museum – sie ist lebendig, innovativ und fährt sich besser denn je.
Messe für handgefertigte Velorahmen aus der Schweiz
Wann: Samstag, 9. Mai, und Sonntag, 10. Mai 2026
Wo: Grubenstrasse 27, 8045 Zürich (ÖV: S10 bis Binz oder Tram 13 bis Laubegg)
Wer: 15 Schweizer Rahmenbauer, organisiert vom «Velobauer Kollektiv»
Das gibt es: Ausstellung, Tech-Talks, Community-Rides und Workshops

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