Bunte Radsport-Action

«To the Fore» zeigt grossartig inszenierten Radsport und erzählt die Geschichte von drei jungen Velorennfahrern. Sie träumen von einem Vertrag in der höchsten Profikategorie. Für dieses Ziel würden sie alles tun.

Bruno Angeli, Autor (info@bruno-angeli.ch)
Film, 20.11.2020

Die drei Radsporttalente Chou Ming (Eddie Peng), Qiu Tian (Shawn Dou) und Zheng Ji-won (Choi Si-won) fahren für Radiant, ein UCI-Continental-Team aus Taiwan. Die Equipe harmoniert. Doch als sich die Geldgeber zurückziehen, wird die Mannschaft aufgelöst. Die Nachwuchssportler gehen von nun an getrennte Wege. Was sie eint, ist der Wunsch, als Profis in die höchste Kategorie des Strassenradsports aufzusteigen. Dafür müssen sie Resultate vorweisen. Denn nur Siege zählen auf dem Weg zum Radprofi. Chou Ming und Qiu Tian sind aber nicht nur auf dem Sattel Rivalen. Beide sind in die Rennfahrerin Huang Shi Yao (Wang Luodan) verliebt.

Spektakuläre Szenen

Gedreht wurde «To the Fore» grösstenteils in Taiwan. Aber auch in Korea, Hongkong und auf dem chinesischen Festland standen die Akteure vor der Kamera. Dazu kommen Aufnahmen aus Italien und der Schweiz. Die Filmmacher legten Wert auf stimmige Aufnahmen. So sollen allein für die Dreharbeiten in den Übersee-Locations mehr als 100 Millionen Hongkong-Dollar (rund 12 Millionen Franken) ausgegeben worden sein. Einer der spektakulärsten Drehorte war die Tengger-Wüste in der Inneren Mongolei. Es war Winter, und die Darsteller mussten stundenlang im kalten Wüstenklima auf ihren Rennvelos pedalieren. Es habe aber trotzdem Spass gemacht, sagte der Hauptdarsteller Eddie Peng: «Die Wüstenlandschaft ist atemberaubend.»

Die harte Arbeit hat sich teilweise gelohnt. Der Film belohnt die Zuschauer mit visuellen Highlights. Ein Höhepunkt wurde in Korea gedreht. Hier sehen wir, wie Qui Tian spektakuläre Keirin-Bahnrennen bestreitet. Leider ist die eigentliche Geschichte von «To the Fore» – der Werdegang dreier Radsporttalente – etwas verworren und die angedachte Liebesgeschichte misslungen. Die abwechselnden Techtelmechtel sollen für etwas Abwechslung im sonst bestens durchorches­trierten Rennbetrieb sorgen. Doch es «funkt» nicht zwischen den Akteuren. Sehenswert bleibt der Film wegen der mit viel Einsatz von Filmcrew und Darstellern gedrehten Actionszenen auf dem Rennvelo und der gelungenen Einstellungen.

Regisseur mit Fahrrad-Faible

Der «To the Fore»-Regisseur Dante Lam (der 2013 auch das Boxerdrama «Unbeatable» drehte) ist ein Radsportfan. Anlässlich der Pressekonferenz zur Filmpremiere vor fünf Jahren sagte er: «Ich bereite mich seit 15 Jahren auf diesen Film vor. Ich wollte eigentlich der Hauptdarsteller sein. Aber jetzt ist es besser, Regie zu führen.» Führt man sich vor Augen, wie viele Kilometer für den Film abgestrampelt wurden, kann man dem 55-jährigen Lam nur zustimmen. Die Akteure legten während der Dreharbeiten mehr als 110 000 Kilometer im Sattel zurück. Für die Hauptakteure kamen keine Stunt-Doubles zum Einsatz. Und es kam auch zu Stürzen, wie man im Abspann sehen kann.

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To the Fore

Spielfilm, Hongkong, China 2015

Regie und Story: Dante Lam
Drehbuch: Dante Lam, Lam Fung, Silver Hau
Darsteller: Chou Ming (Eddie Peng), Qiu Tian (Shawn Dou), Huang Shi Yao (Wang Luodan), Zheng Ji-won (Choi Si-won), Coach (Andres Lien), Simon (Carlos Chan), Chen Yi-Qiao (Nana Ouyang) u.a.
Technischer Berater Pro-Cycling World Tour: Mauro Gianetti
Sprache: Kantonesisch (Untertitel in Deutsch)
Bemerkungen: Auf der Streaming-Plattform Netflix zu sehen.

Im Abspann von «To the Fore» wird der Film all jenen gewidmet, die für ihre Träume kämpfen. Als Radsporttalent einen Platz in einem professionellen Team zu finden, ist kein leichtes Unterfangen; die Möglichkeiten sind beschränkt. Die höchsten Kategorien im professionellen Strassenradsport sind die UCI World Tour (derzeit 19 Teams), danach folgen die UCI Pro Tour (aktuell 19 Teams) und das grosse Feld der UCI Continental Tour (aktuell 170 Teams).