«Hub Line»: Boschs erster Heckantrieb - mit Fahrtest!

Auf die Saison 2027 erweitert Bosch eBike Systems das Öko-System um einige interessante Bausteine und lanciert einen kompakten, preiswerten Hinterrad-Motor. Unser Technik-Redaktor ging damit auf Testfahrt, auch am Berg.

Marius Graber, Redaktor (marius.graber@velojournal.ch)
E-Bike, News, 26.06.2026

Jahrelang stand Bosch eBike Systems für Mittelmotoren, aber auf die nächste Saison hin wird das Motoren-Portfolio um einen Nabenmotor erweitert. Das mag zunächst erstaunen, doch Bosch will einen minimalistischen, leichten Motor für stylische, urbane Bikes lancieren. Mit nur rund 100 mm Durchmesser verschwindet der Motor ohne weiteres zwischen Bremsscheibe und Kassette.

Mit einem Gewicht von 2.3 kg erleichtert der Nabenmotor ausserdem den Bau leichter, agiler E-Bikes. Zudem ermöglicht es es Bosch eBike Systems Herstellern mit dem neuen Heckmotor, E-Bikes mit einem Antrieb aus Deutscher Fertigung für unter EUR 2500.- anzubieten. 


Für urbane Mobilität entwickelt, liefert der «Hub Line»-Nabenmotor 45 Nm Drehmoment, und die Spitzenleistung liegt bei 400 W. Der Motor wird über einen Bewegungssensor am Tretlager gesteuert, ergänzt um einen Geschwindigkeits- und Beschleunigungs-Sensor. Das «Hub Line»-System kommt ausgesprochen schlank daher, und das liegt nicht nur an den kompakten Abmessungen vom neuen Nabenmotor.

Klein und praktisch

Der Motor lässt sich über eine Steckverbindung einfach von der Stromversorgung trennen, und die Motoreinheit kann sehr einfach aus dem Nabengehäuse entnommen werden. So lässt sich im Service-Fall in der Werkstatt nur die Motoreinheit austauschen, während das Laufrad von den Service-Arbeiten nicht betroffen ist.

Over-the-Air-Updates erfolgen dank dem Connect Module ebenso über das Smartphone und die «eBike Flow»-App wie die Kontrolle intelligenter Funktionen wie Diebstahlschutz, Navigation und Personalisierung. Natürlich lässt sich die «Hub Line» auch mit der elektronischen Schaltlösung «eShift» kombinieren, nicht aber mit ABS-Technologie.

Wie schlägt sich die «Hub Line» im Fahrttest? 

Der Praxistest von Technik-Redaktor Marius Graber bietet Einblicke: Im Fahrbetrieb zeigt der Motor eine spritzige und zugleich feinfühlige Unterstützung. Diese setzt beim Losfahren sofort ein, gibt viel Schub und beschleunigt stark, was im städtischen stop-and-go-Verkehr angenehm ist. Das tiefe Gewicht – das komplette System bleibt unter 5 kg – sorgt für eine sehr agiles, leichtes Fahrgefühl.  Dabei reagiert der Motor trotz des Fehlens eines Kraftsensors überraschend sensibel. In den hohen Unterstützungsstufen wird er jedoch – anders als von den Mittelmotoren gewohnt – manchmal etwas ungestüm, zum Beispiel bei kleinen Pedalbewegungen oder wenn man in einer Fussgängerzone mit etwas weniger Kraft weiterfahren möchte.

Wenn man zu treten aufhört, schiebt der nicht komplett lautlose «Hub Line»-Motor noch etwas länger nach, als man es von dem Mittelmotoren her gewohnt ist. Sehr gut hat auf der Testfahrt die automatische «Cues»-Kettenschaltung von Shimano zusammen mit der «Hub Line» funktioniert. Die Schaltvorgänge gehen überraschend sanft von der Hand, und nur selten hatte der Tester das Bedürfnis, manuell eingreifen zu müssen. 

18-Prozent-Steigung und 1000 Höhenmeter

Der «Hub Line»-Motor ist für urbane Gebiete mit kurzen Steigungen konzipiert. Dennoch fuhr Marius Graber damit auch einen veritablen Bergtest. Dies, weil Nabenmotoren konstruktionsbedingt weniger gute Klettereigenschaften nachgesagt werden. Doch der neue Bosch Motor schlug sich ganz wacker: Das rund 800 Meter lange Steilstück mit bis zu 18 Prozent Steigung parierte der Hilfsantrieb problemlos: Der «Hub Line»-Motor entfaltet die 400 Watt Spitzenleistung und liess die Geschwindigkeit nie unter 10 km/h abfallen.

Da Nabenmotoren, insbesondere die Kompakten, bei längeren Anstiegen zum Überhitzen neigen, testete Marius Graber den Motor auch auf einer 11 km langen Bergstrecke, die sich über fast 1,000 Höhenmeter von Luzern Richtung Pilatus hochwindet. Auch hier zeigte sich der Motor unbeeindruckt. Dank seiner grossen Unterstützungskraft lag die Durchschnittsgeschwindigkeit bei über 17 km/h.

Einzig bei einem Steilstück ganz am Schluss schwächelte der Motor: Als die Geschwindigkeit unter 10km/h fiel, nahm die Unterstützungskraft kurzzeitig spürbar stark ab. Sobald die Steigung jedoch wieder etwas moderater und die Fahrgeschwindigkeit höher wurde, legte die Unterstützung wieder zu. Am Ziel auf 1400 Meter über Meer hatte der Akku noch eine Restkapazität vom 13 Prozent.