Speichenlos unterwegs

Das schwedische Start-up Noll will das E-Bike neu erfinden. Das Elektrovelo «Go» verzichtet auf Speichen und Naben, setzt auf zwei Radmotoren und sorgt damit für einen futuristischen Auftritt. Doch wie funktioniert das?

Julie Nielsen, Redaktorin (julie.nielsen@velojournal.ch)
News, 08.06.2026

Auf den ersten Blick wirkt das Noll «Go» wie ein Velo aus einem Science-Fiction-Film. Die Räder kommen ohne sichtbare Speichen und ohne klassische Nabe aus. Stattdessen rotiert der Reifen auf einem grossen Ringlager am äusseren Rand des Rades. Die feststehende Konstruktion ist direkt mit dem Rahmen verbunden. Solche nabenlosen Räder sind technisch anspruchsvoll und bislang vor allem von Konzeptfahrzeugen, die technische Möglichkeiten demonstrieren bekannt.

Zwei Motoren statt einer Kette

Auch beim Antrieb geht Noll eigene Wege. Das E-Bike verfügt über je einen Motor im Vorder- und Hinterrad. Die Unterstützung erfolgt bis 25 km/h und wird elektronisch gesteuert. Die Pedale sind zwar mit dem Antrieb verbunden, die Kraftübertragung erfolgt jedoch nicht auf klassische Weise über Kette und Ritzel. Vielmehr liefert das System Impulse für die Motorsteuerung. Noll spricht von einem Dual-Drive-System mit Traktionskontrolle, welches die Kraftverteilung automatisch regelt.

Mehr Design als Revolution?

Neben den nabenlosen Rädern setzt das «Go» auf weitere Besonderheiten: regenerative Bremsen, die bei jedem Bremsvorgang den Akku laden, GPS-Ortung sowie einen per USB-C aufladbaren Akku. In den grossen Rädern sind sogar Staufächer versteckt. Das Velo richtet sich klar an designaffine Pendlerinnen und Pendler, die etwas Aussergewöhnliches suchen.

Das Konzept ist nicht neu

Das Noll Go ist nicht das erste E-Bike mit speichenlosen Rädern. Bereits andere Hersteller haben ähnliche Konzepte vorgestellt. Das «Topsecret Urban E-Bike» und das «Oohbike» sorgten in den vergangenen Jahren für Aufsehen, schafften den Durchbruch jedoch nicht. Am bekanntesten ist das «Reevo» E-Bike, das nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne weit hinter den Erwartungen zurückblieb.

Ob sich das Konzept beim Noll langfristig bewährt, bleibt offen. Als Blickfang dürfte das futuristische Velo jedoch auf Schweizer Velowegen für Gesprächsstoff sorgen.

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