Pro & Kontra: Klickpedale

Klicksysteme verbinden Schuh und Pedal. Optimal für die Kraftübertragung ist das Klickpedal gemäss Ex-Profi Kilian Frankiny. Die Velokurierin Suse Koch hingegen findet das System in ihrem Arbeitsalltag wenig flexibel.

Aline Kuenzler, Autorin (aline.kuenzler@velojournal.ch)
News, 15.07.2026

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Pro: «Man hat mehr von der eigenen Leistung.»

Ich bin mit Klickpedalen gross geworden. Bereits als Zehnjähriger im Veloclub gehörten sie für mich selbstverständlich dazu. An meine erste Fahrt mit den Platten an den Schuhsohlen kann ich mich gar nicht erinnern. 

Bis 2022 durfte ich unter anderem am Giro d’Italia und an der Vuelta a España teilnehmen. Auch nach meiner Karriere als Profi bleibt das Velo ein wichtiger Teil in meinem Alltag, und ich sitze fast täglich auf dem Velo. Sei es auf dem Arbeitsweg in Naters oder bei einer Trainingsrunde. Auf dem Rennvelo sowie auf dem Mountainbike fahre ich mit Klickschuhen. Der grösste Vorteil ist für mich die gesteigerte Effizienz des Pedalierens durch die Verbindung von Fuss und Pedal. Man drückt nicht nur auf das Pedal, sondern kann auch an diesem ziehen. So hat man mehr von seiner eigenen Leistung. Ein- bis zweimal pro Jahr nehme ich an Volksrennen teil, etwa bei Chasing Cancellara quer durch die Schweiz. Dabei stehen für mich nicht Resultate im Vordergrund, sondern der Spass und das Erlebnis im Team. 

Trotzdem schätze ich auf solch langen Fahrten das direkte Fahrgefühl und die Effizienz, die Klickpedale bieten. Wer sich Klickschuhe anschaffen will, sollte sich nicht abschrecken lassen. Am Anfang kann es durchaus zu einem kleinen Unfall kommen, wenn man beispielsweise an der Ampel vergisst, den Klickmechanismus auszulösen. Das gehört dazu und passiert meist im Stillstand, weshalb diese Stürze oft folgenlos sind. 

Wichtig ist, den Kopf bei der Sache zu haben und aufmerksam zu bleiben. Das Klicken wird aber rasch zur Routine, und man denkt bald gar nicht mehr darüber nach. Für Einsteiger können MTB-Klickpedale sinnvoll sein, weil die Schuhe beim Gehen oft angenehmer sind und die Pedalschuhplatten kleiner sind als bei Rennvelo-Systemen. Auch für Velofahrer, die Fotostopps oder Kaffeepausen machen, bietet sich das Mountainbike-System mit Metallplatten an der Sohle an. 

Es lohnt sich, verschiedene Varianten auszuprobieren und ein Schuhmodell zu finden, in dem man sich wohlfühlt. Ich selbst fahre das ganze Jahr mit denselben Schuhen und nutze im Winter Überschuhe für die Isolation. Für mich überwiegen die Vorteile. Klickschuhe vermitteln ein sicheres Fahrgefühl. Wer regelmässig Rennvelo oder Mountainbike fährt, sollte ihnen eine Chance geben. Hat man sich daran gewöhnt, möchte man kaum mehr darauf verzichten.

Kontra: «Entscheidend ist, dass man sich wohlfühlt.»

Seit über vierzig Jahren fahre ich Velo. In meinem privaten Alltag und beruflich als Velokurierin in der Stadt Zürich. Derzeit sitze ich rund 18 Stunden pro Woche für die Genossenschaft Veloblitz im Sattel. Dabei pedaliere ich stets ohne Klickschuhe. Dies ist allerdings keine Grundsatzentscheidung gegen das Klicksystem. Für meinen Arbeitsalltag hat sich das Fahren mit normalen Schuhen einfach bewährt. Klickschuhe habe ich in meiner Freizeit ausprobiert und bin dabei direkt gestürzt. Seither nehme ich mir immer wieder vor, es noch einmal zu versuchen. Bis heute ist es aber nicht dazu gekommen. 

Generell feile ich beim Velofahren nicht ständig am Material. Der grösste Vorteil von normalen Pedalen ist für mich die Bewegungsfreiheit. Als Velokurierin steige ich ständig ab, gehe Treppen hoch, laufe mit Sendungen durch Gebäude oder muss in hektischen Situationen schnell reagieren. Da möchte ich nicht darüber nachdenken müssen, ob ich rechtzeitig aus dem Pedal komme oder ob meine Schuhe auf dem rutschigen Parkettboden der Kundin halten. Mit normalen Schuhen bin ich flexibel, fühle mich wohl und kann mich frei bewegen. 

Dazu kommt die freie Schuhwahl. Je nach Wetter ziehe ich an, was gerade sinnvoll ist. Im Winter können das dicke Wanderschuhe sein, im Sommer leichte Turnschuhe. Ich muss keine speziellen Veloschuhe besitzen, was insbesondere in einem Berufsalltag mit vielen Stunden auf dem Velo und nicht selten durchnässten Schuhen praktisch ist. Natürlich haben Klickschuhe ihre Berechtigung. Wer lange sportliche Ausfahrten macht oder auf maximale Effizienz Wert legt, kann von der festen Verbindung zwischen Fuss und Pedal profitieren. Für meinen Einsatzbereich überwiegen jedoch die Vorteile von flachen Pedalen und normalen Schuhen. 

Mein Rat an alle, die häufig und sportlich ohne Klickschuhe unterwegs sind: sich nicht zu viele Gedanken machen. Bequeme Schuhe mit einer griffigen Sohle reichen oft völlig aus. Entscheidend ist, dass man sich wohlfühlt. Die zusätzlichen Watt, die man sich durch das Klicksystem holen kann, erscheinen mir in meinem Alltag und für viele Hobbyfahrer vernachlässigbar. Deshalb fahre ich weiterhin ohne Klickschuhe. Nicht aus Prinzip, sondern weil es zu meinem Alltag passt und seit Jahren zuverlässig funktioniert.

 

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