Ausprobiert: Tour de Suisse «Gravel»

Das «Gravel» von Tour de Suisse soll das spielerische Fahrverhalten eines Mountainbikes mit der Spritzigkeit eines Rennrads kombinieren. Ist das Vorhaben gelungen? Wir machten den Test.

Fabian Baumann, Redaktor (fabian.baumann@velojournal.ch)
Ausprobiert, 12.06.2021

Das «Gravel» macht einen positiven Eindruck. Zur aufgeräumten Optik trägt bei, dass Tour de Suisse die Kabelführungen des Velos konsequent ins Rahmeninnere verlegt hat. Auch der Rahmen des Bikes ist eine Wohltat fürs Auge: Auf den ersten Blick meint man, ein Carbonvelo vor sich zu haben. Doch es ist aus Aluminium gefertigt.

Die Schweissnähte sind sauber geschliffen, und der Rahmen ist hochwertig lackiert. Er wurde so konzipiert, dass er für den Einsatz im Alltag oder auf Reisen mit Schutzblechen und Gepäckträger ausgestattet werden kann. Entsprechend fällt die Geometrie nicht extrem sportlich und aggressiv aus. Man soll sich auch auf langen Fahrten auf dem Rad wohlfühlen. Wer gerne Bikepacking-Abenteuer unternimmt, findet am Velo zusätzliche Bidonhalterösen unten am Tretlager sowie seitlich an der Gabel.

Der nächste Blickfang am «Gravel» sind die Reifen. Ab Werk rollt es auf Semislick-Pneus von WTB. Deren profillose Lauffläche sorgt für geringen Rollwiderstand auf Asphalt. Am Rand sind die Reifen profiliert, wodurch sie auch auf losem Untergrund – Schotter und Kies – guten Grip finden. Tour de Suisse hat sein Gravel-Modell mit 27,5-Zoll-Laufrädern von DT Swiss ausgestattet. Wer möchte, kann auch 28-Zoll-Räder einbauen lassen.

Angetrieben wird das Bike von einer Gravel-spezifischen Schaltung. Verbaut ist die «GRX 800» von Shimano. Und auch die Scheibenbremsen stammen aus der «GRX 800»-Gruppe. Zu erwähnen ist, dass das «Gravel» auf einen 1x11-Antrieb ausgelegt ist. Der linke Brems-Schalt-Hebel dient nicht zum Bedienen eines Umwerfers. Stattdessen lässt er die optional erhältliche, absenkbare Sattelstütze ein- und ausfahren.

Das «Gravel» rollt angenehm und flink. Das Fahrverhalten auf der Strasse ist jenem eines klassischen Randonneur-Rads ähnlich. Richtig viel Spass macht das Bike aber abseits der Strasse. Die voluminösen Pneus schlucken Bodenunebenheiten und kleinere Schlaglöcher. Zudem finden sie auf Kies guten Halt. Wenn es auf einem Pfad oder Trail mal steil nach unten führt, spielt die absenkbare Sattelstütze ihren Vorteil aus. Im Nu ist der Sattel unten und man kann sein Gewicht nach hinten verlagern. Zurück auf dem Kiesweg ist der Sattel ebenso rasch wieder in seiner Ausgangsposition.

Das «Gravel» hat sich als tolles und vielfältiges Velo gezeigt. Wer Wert auf ein breites Einsatzspektrum sowie hochwertige Verarbeitung und Ausstattung legt, ist mit diesem Modell gut beraten. Das Gangspektrum ist recht breit, die meisten Anstiege lassen sich mit dem 1x11-Antrieb gut meistern. Wenn es aber sehr steil wird, braucht man dicke Waden. Das gilt umso mehr für Kletterpartien auf losem Untergrund, wo der Wiegetritt keine Option ist, weil man Gefahr läuft, dass die Reifen den Halt verlieren.

Tour de Suisse «Gravel», Shimano «GRX 800» 1×11-Gang, ab Fr. 2899.–

Getestet: Auf einer 50-Kilometer-Runde mit wechselndem Untergrund.

+ Vielseitiges Bike

+ Absenkbare Sattelstütze in der Grundausstattung

- Gangspektrum für steile Anstiege auf Kies oder Schotter nicht optimal

www.tds-velo.ch