Zwei Traditionsfirmen rüsten sich

Mit Komenda und TdS Rad wollen zwei traditionsreiche Familienunternehmen künftig enger zusammenspannen. Mit dem neu gegründeten Label «Schweizer Velo» sollen die Velofertigung und die Branche gestärkt werden.

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Pete Mijnssen, Laurens van Rooijen
31.03.2022

Für die Lancierung luden beide Firmen rund hundert Gäste zur Begrüssung in die Alpa-Werke nach Sirnach. In den altehrwürdigen Hallen wurde ihnen ein Blick in die Montage der Cresta-, Ibex- und Bergstrom-Räder gewährt. Danach ging es weiter zum modernen Sitz von Tour de Suisse nach Kreuzlingen.

Dass mit Komenda und TdS Rad nun zwei Familienunternehmen auf eine engere Kooperation setzen, die in einem ähnlichen Kundensegment tätig sind, ist an sich schon bemerkenswert. Beide sind als Vertriebsakteure wie als Anbieter eigener, nach Kundenwunsch individualisierbarer Velos am Markt aktiv. So agieren beide Unternehmen zwar als Mitbewerber, sehen sich aber auch gemeinsamen Herausforderungen eines immer offensiver werdenden Markts gegenüber.

Darum schlossen sie sich mit Innosuisse, der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung, und der Fachhochschule OST kurz. Dort gleiste Samuel Böhni vom Institut für Innovation, Design und Engineering das Projekt auf. Rasch wurde klar, dass man sich über Qualität sowie Kompetenz und Service auch nach dem Verkauf von Online-Mitbewerbern abgrenzen und bei Konsumentinnen und Konsumenten profilieren will. Und dass die Digitalisierung viele Synergieeffekte bietet.

Dass mit Komenda und TdS Rad nun zwei Familienunternehmen auf eine engere Kooperation setzen, die in einem ähnlichen Kundensegment tätig sind, ist an sich schon bemerkenswert.

Komenda-Geschäftsführer Dirk Kurek legte sich im Eingangsreferat leidenschaftlich für den Standort und Werkplatz Schweiz ins Zeug – und für den Velofachhandel. Fast schon physisch spürbar waren seine Worte über die Entwicklung der letzten 20 Jahre. Vom hochpreisigen und fast abgeschotteten Schweizer Markt und seinem Fachhandel zu heute. Er verwies auf Schweizer und deutsche Traditionsmarken wie Cilo, Mondia, Villiger, Kettler, Herkules, Winora, Staiger – alle verschwunden oder aufgekauft.

Inzwischen gewinnen Direktversender wie Canyon und Rose Bikes auch hierzulande zunehmend Marktanteile, und Decathlon drängt mit einem breiten Sortiment ins Land. Als Reaktion darauf beginnen auch klassische Fachhandelsmarken wie einst Specialized mit der direkten Belieferung von Endverbrauchern. Hinzu kommt, dass viele Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz ihre traditionelle Zurückhaltung gegenüber Online-Einkäufen in den beiden Pandemiejahren überwunden haben.

Ein Label als Qualitätsversprechen

Das Label «Schweizer Velo» soll nun Abhilfe schaffen. Eine zentrale Rolle spielen dabei die aktuell rund 1700 Velofachhändler . Denn angesichts gewachsener Ansprüche und komplizierter Technik ist Kompetenz bei individueller Beratung wie in der Werkstatt so gefragt wie nie zuvor.

In Kooperation mit dem Fachhandel wollen Komenda und TdS Rad ein Modell mit jährlichen Abonnementsgebühren einführen, das für Fr. 119.90 pro Jahr ausser einer Diebstahl- und Vollkaskoversicherung auch einen Pannenservice und die Stellung eines Ersatzbikes im Schadensfall beinhalten soll. Damit soll dem gestiegenen materiellen Wert von Velos im Zuge der Elektrifizierung und deren wichtiger Rolle für die Mobilität der Kundschaft Rechnung getragen werden.

In Kooperation mit dem Fachhandel wollen Komenda und TdS Rad ein Modell mit jährlichen Abonnementsgebühren einführen.

Auch bei der Digitalisierung wird eine vermehrte Kooperation angestrebt – unter den beiden Herstellern, aber auch zwischen den Fachhändlern, die mit diesen kooperieren. So sieht das Modell der «verlängerten Ladentheke» mehr Transparenz über die Lagerbestände vor, um das Wunschvelo an den Mann oder die Frau zu bringen. Auch Erkenntnisse über die Vorlieben und Gewohnheiten der Kundschaft sollen vermehrt geteilt werden, um den Vorteil als lokale Akteure mit Kenntnis des hiesigen Marktes noch konsequenter ausspielen zu können. Mittelfristig schliessen Komenda und TdS Rad auch eine Kooperation bei der Montage von Kundenvelos nicht aus.