Graveln: Gemeinsam geht es besser

Das Gravelbike eröffnet etliche Möglichkeiten. Viele Männer suchen dabei die sportliche Herausforderung. Für unsere Autorin steht es für das Erlebnis unter Gleichgesinnten. Und dort heisst es: Es warten alle auf alle.

no-image

Mari Schoch
News, 15.07.2026

Lesen ohne Abo.

Zahlen Sie nur, was Sie lesen!

Mit tiun erhalten Sie unbeschränkten Zugriff auf alle Velojournal-Premium-Inhalte. Dabei zahlen Sie nur, solange Sie lesen.

  • Alle Premium-Artikel
  • Zugang zum E-Paper
  • Flexibles zahlen

Sie haben bereits ein Velojournal-Abo? Hier einloggen

Vor sechs Jahren entschied ich mich für mein erstes Gravelbike. Ein Canyon «Grail AL 6» wars, Farbe Solid Silver, Grösse XXS. 2026 ist nun das Jahr der Upgrades: neues Kettenblatt für eine bessere Übersetzung den Berg hoch und einen richtigen Gravel-Lenker für mehr Kontrolle bei technischen und sehr langen Strecken. Wie kam es dazu? 

Lange liebäugelte ich damit, mir ein Rennvelo zu kaufen. Wegen den Drop-Down-Lenkern die schon sehr schnittig aussehen. Gleichzeitig blieb ich skeptisch, da mein zusammengebastelter Cityflitzer mit den schmalen Pneus ungewohnt holprig zu fahren war. Das Aufkommen der Gravelbikes erlöste mich aus meinem Dilemma: Die Möglichkeit, mit einem schnellen Velo auch durch den Wald fahren zu können, hat mich vollends überzeugt.

Selbst gemachte Bikepacking-Taschen aus Not 

Immer öfter fuhr ich im Alltag oder kombinierte den Besuch von Freundinnen und Freunden mit ÖV und Velo. Der aufkommende Bikepacking-Trend liess mich eine erste Übernachtungstour mit pragmatisch befestigten Packsäcken unternehmen. Für mich war klar: Ein gut aussehendes Bikepacking-Setup muss her. Und da ich von Anfang an wusste, dass ich für meinen kleinen Rahmen keine perfekt passende Tasche finden würde, baute ich meine allererste selbst. 

Was ich im Taschenprototyping bei Freitag gelernt hatte, habe ich mit meiner neu aufflammenden Leidenschaft auf zwei Rädern kombiniert. Mittlerweile ist daraus eine ganze Taschenkollektion geworden, und es kommen immer wieder neue Modelle dazu. Mein Gravelbike ist also auch zu meinem Alltagsvelo geworden, und so fahre ich oft in Zürich herum und lege dank meiner Wohnung in Witikon auch einiges an Höhenmetern zurück. 

Dazu kommen spontane Ausfahrten in den Wald und mehrtägige Touren allein hinzu. So habe ich die Unabhängigkeit entdeckte, die mir das Unterwegssein mit dem Velo ermöglicht.

Meine damaligen Mitbewohnerinnen führten mich in die Themen Wasserversorgung unterwegs, R-Wert bei Isomatten und Solo-Touren ein. Bald kam der Austausch mit Gravel-Fahrerinnen dazu. Während Ausfahrten in der Gruppe erfuhr ich direkt, welche Touren sie machten oder an welchen Events sie teilnahmen. Es war für mich wichtig, mich persönlich auszutauschen, da sie von ihren Erfolgen im gleichen Zug auch von ihren Bedenken berichten – und wie sie sie überwinden konnten.

Kaffee ist wichtiger als Speed 

Für gemeinsame Fahrten gehe ich gerne an spezielle Events, wo ich mich teils früh im Voraus anmelde. Beispiele sind Overnighter von den *Flinta-Gravel-Clubs Gravel Sisters oder Gravelle Club, Festivals wie Pedaleo in Neuchâtel oder Las Ciclistas im Engadin. Dieses Jahr nahm ich erstmals an einer Ultracycling Challenge teil, dem Züri Escape. Ich möchte wieder an einem ähnlichen Event teilnehmen und frage herum, welche Anlässe vom Spirit her passen würden. Zum Beispiel das Lost Dot 101 wäre spannend. Das ist ein unsupported Ultra-Distance-Rennen für Flinta-Personen. 

Ich fühle mich in solchen Gruppen aufgehoben, weil ich nicht so tun muss, als ob ich immer stark sei, sondern jederzeit Fragen stellen kann und auch Unsicherheiten offen ansprechen darf. Besonders hilfreich ist es für mich, wenn ich von anderen höre, wie sie mit schwierigen Situationen umgehen oder sich unterwegs organisieren. Entscheidend ist für mich nicht, wer genau dabei ist, sondern sondern der Raum, in dem unterschiedliche Bedürfnisse, Erfahrungen und Zugänge Platz haben. Ich habe von Ride Outs gehört, wo es anscheinend wichtig ist, schnell zu sein. Für mich ist eine Tempoangabe bei Einladungen eher suspekt, weil mein Verständnis von Leistung unterwegs ein anderes ist: in Bewegung sein, die Natur erfahren und für kühles frisches Wasser am Brunnen anhalten. Wenn bei einer Einladung hingegen steht «Wir warten auf alle» und «Wir machen unterwegs einen Kaffee- oder Glace-Stopp», finde ich das sehr ansprechend. 

Gezielt unter Gleichgesinnten

So geniesse ich es, gezielt unter Gleichgesinnten zu fahren. Es ist ein gemeinschaftliches Erlebnis, es wird geredet, geschwitzt und gelacht. In Pausen wird untereinander abgecheckt, wie sehr alle noch motiviert sind, es wird gesnackt, und dann gehts weiter. Ich treffe bei solchen Events immer wieder neue Gesichter und komme mit Inspiration, Bestärkung und einem guten Gefühl zurück. Gerade Gravel-Fahren ist so vielfältig: geteerte Strassen über Single Trails, Essen im Restaurant oder vom Gaskocher, Übernachten im Hotel oder Zelt. Meine Wegbegleiterinnen und -begleiter haben mir geholfen, vielfältiger Velo zu fahren und gleichzeitig herauszufinden, was für mich persönlich passt. 

* Flinta ist ein Akronym für Frauen, Lesben, Inter*, Nicht-binäre, Trans- und Agender-Personen.

Empfohlene Artikel

Empfohlene Artikel

News

«Argon GX GPI»: Dieses Gravelbike kommt ohne Kettenschaltung aus

«Gravel Austria»: Die schönsten Routen zwischen Alpen und Donau

Ein Mann mit Carohemd sitzt auf dem Oberrohr eines Gravelbikes.
News

«Arid Alloy»: Mondraker erweitert die Gravel-Palette