Wie Zürich die Langstrasse vom Verkehr befreien will

Die Stadt Zürich setzt ein weiteres Puzzlestück ihrer Velostrategie um. Bis im November 2023 soll die Langstrasse vom Durchgangsverkehr befreit werden. Doch die Stadt verspricht mehr, als sie einhält.

Fabian Baumann, Redaktor (fabian.baumann@velojournal.ch)
Kommentar, 08.11.2022

Die Langstrasse ist eine zentrale – wenn nicht sogar die zentrale – Veloverbindung zwischen den Zürcher Stadtkreisen 4 und 5.

Doch es gibt ein Problem: Sie ist nicht durchgängig in beiden Richtungen befahrbar. Zumindest nicht nach den geltenden Verkehrsregeln. Um eine Lösung, die auch das Velo einbezieht, wird seit bald dreissig Jahren gerungen.

Weniger Autos an der Langstrasse …

Doch das soll sich nun endlich ändern, verspricht das federführende Tiefbauamt.  «Mit einer neuen Verkehrsführung und Tempo 30 verbessert sich die Situation der Velofahrenden und des öffentlichen Verkehrs», heisst es in einer Medienmitteilung vom 7. November.

Das angekündigte Projekt nennt sich «Autoarme Langstrasse» und sieht vor, dass tagsüber nur Busse, Taxis und Velos die Langstrasse auf der Kreis-4-Seite befahren dürfen. Die separate Busspur wird aufgehoben und die Strasse ist künftig in beiden Richtungen befahrbar.

Nachts, genauer zwischen 22 und 5:30 Uhr, darf die Strasse auch mit Autos befahren werden. Bis im November 2023 soll das Projekt umgesetzt sein.

«Die Velofahrenden dürfen gespannt sein, ob dieses Versprechen eingehalten wird.»

… ist ein grosses Versprechen

«Wichtig aus Sicht Veloverkehr ist die Legalisierung der beiden Fahrtrichtungen für den Veloverkehr und damit die Umsetzung des Richtplaneintrags», sagt Yvonne Ehrensberger.

Die Geschäftsleiterin von Pro Velo Zürich gibt aber zu bedenken, dass sich mit dem neuen Verkehrsregime im Kreis 5 nichts ändern wird. «Zwischen Limmatplatz und Langstrassenunterführung sind keine Massnahmen gegen den motorisierten Individualverkehr geplant. Somit bleibt die Situation voraussichtlich beim Status quo».

Will heissen: Jeden Tag Stau und besonders morgens und abends kaum ein Durchkommen mit dem Velo.

Mehr Platz für den Velo und Fussverkehr?

Von einer «Befreiung» der Langstrasse vom motorisierten Durchgangsverkehr bleibt damit nicht viel übrig.

Der motorisierte Individualverkehr wird tagsüber von einem kleinen Strassenabschnitt (zwischen der Brauer- und Dienerstrasse) von der Langstrasse verbannt und umgeleitet. Überall sonst wird die Langstrasse aber in beiden Richtungen für den motorisierten Individualverkehr geöffnet.

«Mehr Platz für den Velo- und Fussverkehr, weniger Autos an der Langstrasse – diese Ziele erreichen wir mit dem Projekt», wird Stadträtin Simone Brander in der Medienmitteilung des Tiefbauamts zitiert.

Die Velofahrenden dürfen gespannt sein, ob dieses Versprechen eingehalten wird. Bis jetzt scheint es eher so, als ob der Berg eine Maus geboren hätte.

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