Vom Velofan zur Planerin

Monika Hungerbühler befasst sich seit über dreissig Jahren mit Architektur und Veloplanung. Der Wechsel von der Lobby- zur Planerseite ist vor allem ein Gewinn.

Pete Mijnssen ist Chefredaktor des Velojournals.

Pete Mijnssen, Chefredaktor (pete.mijnssen@velojournal.ch)
Blog, 17.05.2024

Als junge Architektin und begeisterte Velofahrerin zog ich 1991 nach Zürich und begann, in der IG Velo Architektur- und Quartierrundfahrten per Velo durchzuführen und Velotouren zu organisieren. 2004 packte ich die Chance und startete als Planerin bei Pro Velo Kanton Zürich.

Es folgten zwölf Jahre intensiver Auseinandersetzung mit Verkehrsprojekten, bei denen es viel zu «meckern» gab, aber auch zunehmend die Chance, aktiv mitzuwirken. Daneben gaben wir zusammen mit Pro Velo Schweiz und dem Velojournal sechs Velotourenführer heraus. Ich konnte so Hobby und Beruf vereinen. Nach einem Abstecher in die Architektur bin ich nun seit fünf Jahren als «richtige» Verkehrsplanerin tätig.

«Es hat sich ein gemeinsames Verständnis etabliert, dass Veloinfra­strukturen für alle von 8 bis 80 gebaut werden – nur so lässt sich der Anteil des Veloverkehrs steigern.»

Monika Hungerbühler

Dieser Perspektivenwechsel bedeutet für mich ein klares Rollenverständnis – man kann nicht Lobbyistin und Planerin gleichzeitig sein, aber es ist sehr hilfreich, beides zu kennen.

Veloweggesetz als Chance und Herausforderung

Mit dem Veloweggesetz hat der Veloverkehr viel Schub erhalten. Die Fristen bis Ende 2027 für die Planung und bis 2042 für die Umsetzung guter Netze sind kurz und eine grosse Herausforderung. Die Kantone haben dies erkannt, und Büros, welche sich mit Veloplanungen auskennen, werden mit Arbeit geflutet.

Die grösste Herausforderung liegt darin, gute Projekte auch umzusetzen. Es gilt, Tausende von Schwachstellen zu beheben. Die Projekte haben einen grossen Abstimmungsbedarf hinsichtlich Unterhalt, Begrünungen, Anliegen des ÖV, Fussverkehr. Stand in der Vergangenheit meist das Velo hinten an, ändert sich das nun.

Wir schlagen deshalb auch immer wieder den Abbau von Autospuren und Ähnliches vor. Die Entscheidungen liegen bei Verwaltungen und Politik. Für die Kantone und Städte liegt die Herausforderung in der Beschaffung der nötigen finanziellen Mittel und im Bereitstellen von Ressourcen. Und es braucht natürlich Mut für innovative Lösungen.

Das Tempo und die E-Bikes

Es hat sich ein gemeinsames Verständnis etabliert, dass Veloinfra­strukturen für alle von 8 bis 80 gebaut werden – nur so lässt sich der Anteil des Veloverkehrs steigern. Ist die Sicherheit für die Schwächsten gewährleistet, passt es für alle. Das Thema der schnellen E-Bikes ist im Moment sehr präsent. Wir begegnen bei Planungen häufig solchen Ängsten. Wenn die Rad­wege gemäss neuen Velostandards ausgebaut sind, dann sind durchaus auch höhere Geschwindigkeiten möglich, ohne die Sicherheit zu gefährden.

«Das Thema der schnellen E-Bikes ist im Moment sehr präsent. Wir begegnen bei Planungen häufig solchen Ängsten. Wenn die Rad­wege gemäss neuen Velostandards ausgebaut sind, dann sind durchaus auch höhere Geschwindigkeiten möglich, ohne die Sicherheit zu gefährden.»

Bei Velostrassen haben die Anforderungen der Personen zu Fuss, gerade auch bei Schulen, ein grosses Gewicht. Von Velofahrenden wird dort erwartet, rücksichtsvoll zu fahren. Ob am Velo ein Motor ist oder nicht, spielt da keine Rolle. Ich finde es schade, wenn die E-Bike-Diskussion so im Vordergrund steht. Hingegen streben wir bei Planungen primär einen hohen Fahrfluss an – ständige Stopps bei Kreuzungen, übermässig lange Wartezeiten an Lichtsignalanlagen, verwinkelte Führungen und so weiter sollten vermieden werden.

Monika Hungerbühler (60) ist Architektin und hat einen CAS-Abschluss in Nachhaltiger Mobilität.

Von 2004 bis 2016 war sie Leiterin Planung und Infrastruktur bei Pro Velo Kanton Zürich.

Aktuell ist sie Teamleiterin beim Planungsbüro Lajo AG und befasst sich schwerpunktmässig mit Veloplanungen.  

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