Auftakt der Tour de France: Warum uns das Spektakel so fasziniert

Am Samstag startete die Tour de France zum 113. Mal. Dabei sind Ingenieurskunst und künstliche Intelligenz so präsent wie nie. Im Kern bleibt die wichtigste Rundfahrt des Radsports aber zutiefst menschlich.

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Frederic Härri, Redaktor (frederic.haerri@velojournal.ch)
News, Sport, 04.07.2026

Alles ist im Wandel. Davon ist auch die Tour de France nicht ausgenommen. Die 113. Ausgabe der bedeutendsten Rundfahrt des Radsports ist von Technik geprägt wie nie zuvor. 

Natürlich: Vorderhand geht es erneut um Grundsätzliches. Nämlich um die Frage, wie und ob die Konkurrenz die beiden Dominatoren Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard ernsthaft wird herausfordern können. Der Slowene Pogacar und der Däne Vingegaard haben die sechs letzten Austragungen allesamt im Duell unter sich ausgemacht. 2020, 2021 sowie 2024 und 2025 holte Pogacar den Gesamtsieg, 2022 und 2023 war es Vingegaard, der am Ende der letzten Etappe das gelbe Trikot des Gesamtführenden verteidigen konnte.

Nichts wird dem Zufall überlassen

Im Feilschen um die entscheidenden Vorteile überlassen die Profi-Teams heuer nichts mehr dem Zufall. Die Rennräder sind bis zur letzten Konsequenz auf Aerodynamik getrimmt. Möglichst elegant und widerstandslos soll die Luft die Rahmen umfliessen. Das äussert sich unter anderem darin, dass in Pogacars Gefährt – ein Rad der Marke Colnago – ein markanter Knick unterhalb des Sattels auszumachen ist. Optimiert sind die futuristisch anmutenden Velos auch an anderen Stellen. Etwa sucht man an Vingegaards «Cervélo S5» vergeblich nach einem Lenkervorbau im klassischen Sinne. Vielmehr klafft im Cockpit ein markantes Loch, um den Luftwiderstand auf ein Minimum zu reduzieren.

Auch bei den Fahrern selbst hat sich einiges verändert. Alles wird heutzutage vermessen, mit Daten erfasst, die Athleten sind durchleuchtet wie nie zuvor. Das geht von geläufigen Wattwerten über die Ernährung bis hin zum Sauerstoffumsatz oder der Körpertemperatur. Den Rennställen kommt auch der Einsatz von künstlicher Intelligenz zu Gute. Im Optimierungswettbewerb sind damit keine Grenzen mehr gesetzt. 

Gleichwohl lässt sich auch mit den besten Ingenieuren und Datenspezialisten allein keine Rundfahrt gewinnen. Im Kern geht es bei der Tour de France noch immer um das, was bereits für die erste Austragung 1903 gegolten hatte: um Schweiss, Schmerz und Hingabe. 

Der Radsport ist zugänglich

Die «Grande Boucle», die grosse Schleife, wie sie im Volksmund heisst, ist auch im Jahr 2026 ein zutiefst menschliches Spektakel. Eines, das sich von anderen Mega-Events wie der zeitgleich stattfindenden Fussball-Weltmeisterschaft wohltuend durch seine Zugänglichkeit abhebt. Der Radsport ist nahbarer als andere massentaugliche Weltsportarten. 

Begünstigt wird das durch die Tatsache, dass Fans ihren Idolen kostenfrei am Streckenrand bei der Durchfahrt zujubeln können. 21 Etappen. Ein Peloton, das sich durch malerische Landschaften schlängelt und die mythische Alpe d’Huez hochquält. Jene Faszination wird auch in diesem Jahr wieder ihren Zauber entfalten.

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