Vom Winde verweht

Nun liegen sie wieder herum, die Veloleichen: umgeworfen vom letzten Sturm, achtlos zurückgelassen, am Strassenrand, in Hecken, Rabatten, halb auf der Strasse, oder auch einfach an Gartengeländern abgestellt. Oft ohne Schloss. Wem gehören diese meist intakten Vehikel, die da langsam vor sich hinrosten? Welche Geschichten würden sie erzählen, wenn sie könnten? Geschichten von wohlstandsverwahrlosten ZeitgenossInnen, die ihren zweirädrigen Gefährten einen Sommer und einen schönen, sonnigen Herbst lang gebrauchten und dann achtlos liegengelassen haben? Oder erzählen sie die Geschichte einer Sommer-Fahrradliebe – eine Geschichte, die dem kalten, harten Winter nicht standhielt?
Nur gerade mal 1,6 Prozent der als gestohlen gemeldeten Velos werden in der Schweiz wiedergefunden, steht im aktuellen velojournal. Das ist erschreckend wenig. Wenn ich an die Rostlauben denke, die ich täglich passiere, habe ich den Eindruck, viele wollen ihren «Göppel» auch gar nicht wieder zurück. Ausser mir: Seit mein Velo im letzten November geklaut wurde, halte ich immer Ausschau, ob es irgendwo wieder hervorkommt. Es war zwar nicht mehr das Neuste, aber nach acht Jahren hatten wir uns perfekt aufeinander abgestimmt. Aber da bin ich wohl nur etwas altmodisch und sentimental. Wahrscheinlich ist das nur ein Frage der richtigen Einstellung zum Konsum.

© 2011 velojournalImpressum