
Mit den Scooterbikes reagiert die
Veloindustrie auf das Bedürfnis nach komfortablem, entspanntem und
genussreichem Fahren. Cannondale will damit, gemäss Marketing-Mann
Frank Malter, «Menschen auf das Velo bringen, die noch nicht oder lange
nicht mehr Rad gefahren sind». Eine löbliche Absicht, nachdem sich die
Velohersteller bis anhin fast ausschliesslich darauf konzentriert
hatten, einander ein paar Marktanteile abzujagen.
Wer sportlich und schnell unterwegs sein will, sitzt hier aber auf dem
falschen Dampfer: Dafür gibt es die schnellen Liegeräder oder das
Rennvelo. Geniessen ist das Motto bei den Scooterbikes. Die Sitzhaltung
ist entspannt und lässt den Blick in die Ferne schweifen. Sobald man
einmal auf einem solchen Bike Platz genommen hat, hat mans nicht mehr
so eilig und geniesst gerne das Leben und die Fahrt.


Das
«Stadt-Freizeit-Tour»-Velo
Beste
Stadtfahrrad-Eigenschaften erreichen die Scooterbikes durch die hohe
und aufrechte Sitzposition. Man sitzt mindestens auf dem Niveau der
Autofahrer und hat so einen guten Überblick. Das Giant «EZB»
(auszusprechen als izibi, was auf Englisch «leicht sein» bedeutet) und
das riese-müller «Equinox» sehen ihr primäres Einsatzgebiet denn auch
in der City. Doch die relaxte Haltung macht das Velo natürlich auch für
Freizeit und Touren attraktiv. Während sich das «Cannondale» aufgrund
seines bescheidenen Zubehörangebots fast ausschliesslich für
Freizeitfahrten eignet, sind «Spirit», «bikeE» und das «V200» (siehe
Tabelle) richtige Alleskönner. Auf Touren geniesst man den guten
Ausblick erst recht.
Nicht von ungefähr kommt, dass das «Equinox»
von riese-müller das AGR-Gütesiegel (= Aktion gesunder Rücken) bekommen
hat. Die aufrechte Sitzposition zusammen mit der Federung minimieren
die Belastungen der Wirbelsäule wie sonst bei keinem anderen Velotyp.
Fast bei allen Modellen lässt sich auch der Lenker einfach und schnell
in die gewünschte Position bringen. Wer ein Velo für seine
Rückenprobleme sucht, sollte ein Scooterbike ausprobieren. Nebenbei:
Die einfache Verstellbarkeit machen die Velos auch zum idealen
Familiengefährt. Mit ein, zwei Handgriffen lassen sie sich für Menschen
von der Grösse zwischen 1,50 und 2 Meter einstellen.
«Kann ich damit fahren?», lautet oft die Frage, wenn sich jemand zum
ersten Mal auf ein Scooterbike setzt. Die Antwort ist jeweils nach
einigen Pedalumdrehungen klar. So ungewöhnlich das Erscheinungsbild
auch ist, so leicht gewöhnt man sich ans Fahren: Die relativ aufrechte
Sitzposition und der hohe Lenker brauchen nur wenig Umgewöhnung. Dies
deckt sich mit den Erfahrungen an der Expo.02 mit dem FLUX «V200»
(siehe Kasten). Allerdings werden auf dem Scooterbike ganz andere
Muskelgruppen gebraucht als auf dem Normalvelo. Bis sich diese
aufgebaut haben, muss man mit ca. 1000 km Einfahrzeit rechnen.
Über die kleinen Räder sollte man sich keine Gedanken machen: Dank
angepasster Übersetzung fährt sich damit bestens. Zudem machen sie die
Gefährte kompakt und damit wendig, und sie sind insgesamt nicht länger
als ein normales Velo. Dank Federung rollen sie gut über Hindernisse.
Hier erweist sich die für den Komfort eher unwichtige Federung am
Vorderrad des «Cannondales» und des «Spirit» als sehr angenehm. Bei der
Schaltung brauchen Scooterbikes ein breites Übersetzungsspektrum sowie
die Möglichkeit, auch im Stand zu schalten. Damit drängt sich eine
Naben- oder kombinierte Ketten-Nabenschaltung auf, wie dies der Sram
DualDrive bietet.
Fazit
Scooterbikes sind mehr als nur ein Gag oder die hilflose Suche eines
Velofahrers nach Harley-Feeling. Sie erlauben ein komfortables,
rückenschonendes und genussreiches Gleiten. Die Fahrzeuggattung hat die
Bastlerecke längst verlassen. Professionell entwickelte Produkte sind
auf dem Markt. Dabei verblüffen «Giant» und «bikeE» durch den niedrigen
Preis, «Cannondale» durch sein exzellentes Federverhalten und «Equinox»
von riese und müller durch seine konsequente Stadttauglichkeit. Am
ausgereiftesten sind die Modelle der traditionellen Liegeradhersteller
FLUX und HP Velotechnik. Sie überzeugen durch die konsequente
Detailarbeit, die Auswahl an Optionen und das ausgewogene Fahrverhalten.

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Viele wollten es ausprobieren Zur
Expo.02 Veloflotte gehörte auch das Scooterbike FLUX V200. velojournal
erkundigte sich bei Patrik Mathys, Leiter der Bike-Stationen, nach der
Resonanz auf die Scooterbikes. |