Szene

Velotaxis erobern die Schweiz

Nach dem Vorbild von Berlin setzt sich das Velotaxi mit Elektromotor nun auch in der Schweiz durch. Erste Standorte sind Biel, Wil und St. Gallen. Die Fahrzeuge werden von Unternehmen finanziert und als Werbeflächen genutzt, die Fahrer können 90 Prozent der Einnahmen behalten. Andreas Kneubühler


In Berlin gehören sie seit mehr als fünf Jahren zum Alltagsbild: Rund 80 Velotaxis befördern jeweils maximal zwei Fahrgäste durch die deutsche Hauptstadt. Inzwischen gibt es die nach dem Vorbild der asiatischen Rikschas konstruierten dreirädrigen Velotaxis auch in deutschen Grossstädten wie Köln oder Düsseldorf – und seit diesem Frühjahr auch in der Schweiz. Die Romanshorner Pedaline AG ist mit den Erfindern des Velotaxis in Berlin eine Kooperation eingegangen. Die Idee für den Einsatz der umweltfreundlichen Dreiräder sei im Vorfeld der Expo entstanden, erklärt Pedaline-Geschäftsführer Dave Huber. Das Fahrzeug wurde allerdings für die hiesigen Bedürfnisse etwas modifiziert: Die in der Schweiz eingesetzten Velotaxis sind mit einem Elektromotor ausgerüstet.


Pedaline-Taxis an der Expo
Seit Mai verkehren Pedaline-Taxis an den Expo-Standorten Biel und Murten. «Zwei Drittel der Fahrten wurden von Bewohnern der Stadt und nicht von Expobesuchern gebucht», bilanziert Huber für Biel. Deshalb sei auch geplant, das Angebot nach der Landesausstellung weiterzuführen. Sonst ist das Gefährt bisher vor allem in der Ostschweiz zu sehen: Seit Juni steht ein Velotaxi am Bahnhof Wil bereit. Partner von Pedaline sind hier die Regionalbahnen, die sich in der neuen Firma «Thurbo» zusammengeschlossen haben. Im kommenden Jahr sollen weitere vierzig Standplätze entlang der «Thurbo»-Bahnlinien dazukommen. Ein weiteres Dreiradtaxi wird in Kesswil (TG) angeboten und als Tourismusattraktion teilweise von der Gemeinde bezahlt. Mitte August startete im St.Galler Einkaufszentrum «Neumarkt» ein zweiwöchiger Versuch mit den Velotaxis, die die Kunden samt Einkaufstaschen gratis zu ihren Parkplätzen bringen.
Die dreirädrigen Fahrzeuge werden aber nicht nur als Taxis eingesetzt: Im thurgauischen Güttingen können die dreirädrigen Fahrzeuge auch gemietet werden. «Das ist unsere Erfindung», betont Huber. Weitere Mietplätze sollen folgen. Das Interesse am neuartigen Gefährt scheint quer durch die Schweiz vorhanden. In den Städten Basel, Genf, St.Gallen und Zürich sind weitere Standorte geplant. «Die Verhandlungen laufen», freut sich Huber.
Nach dem Konzept der Pedaline AG soll sich das Geschäft mit den Velotaxis selber finanzieren. Die Firma übernimmt die Verhandlungen mit Behörden, sucht Werbepartner, die das auffällige Velotaxi bezahlen und dafür auf der Verschalung Werbung machen dürfen. Die Taxis, deren Produktion rund 13 000 Franken pro Stück kostet, werden ausschliesslich vermietet. Zu den Interessenten gehören bisher Velokuriere oder Taxiunternehmen. Die Fahrer liefern 10 Prozent ihrer Tageseinnahmen an Pedaline ab. In Biel lägen die durchschnittlichen Erträge inklusive Trinkgeld ab 5500 Franken pro Fahrzeug und Monat, erklärt Huber. Allerdings seien die Velotaxis dort 23 Stunden pro Tag im Einsatz.

Velotaxi

Die Pedaline-Velotaxis gelten wegen des batteriebetriebenen Hilfsmotors als «dreirädrige Motorfahrzeuge». Wer eines steuern will, muss mindestens 18 Jahre alt sein, und eine Führerprüfung Kategorie F oder höher vorweisen. Das Gefährt besitzt 21 Gänge und kann dank des Elektromotors auch rückwärts fahren. Radwege dürfen mit dem Gefährt bisher nicht befahren werden. Eine Ausnahme ist der Thurgau. Dort erhielt Pedaline eine Sonderbewilligung. Vorläufig kann das halboffene Gefährt allerdings nur im Sommerhalbjahr betrieben werden. Eine Winterversion ist aber geplant. Interesse habe beispielsweise St. Moritz, erklärt Pedaline-Geschäftsführer Dave Huber.

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