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Transportvelos – Workbikes – Pakfiets

Sie dienen als fahrende Werkstatt oder als Gelati-Stand, sie transportieren halbe Haushalte oder auch nur den Champagnerkühler als Bar-Velo. velojournal hat sich bei den Transportvelos, Workbikes und Pakfiets umgeschaut. René Hornung

Ein besonders luxuriöses Workbike: Das Sorbetto-Velo aus Zürich.

In den verkehrsfreien und engen Innenstädten sind die Transportvelos klar im Vorteil. In England gelten beispielsweise in den Fussgängerzonen für Workbikes keine Zufahrts-Sperrzeiten. Immer mehr Firmen nützen deshalb den Lasten-(Velo)Kurier. «Pick-up, drop-down», abgekürzt «pudo», hat sich als Markenzeichen der Velotransportkette in Grossbritannien etabliert. Hierzulande haben Transportvelos die guten Zeiten allerdings hinter sich. «Früher hatten wir pro Jahr bis zu einem Dutzend &Mac220;Long John&Mac221; verkauft. Heute sinds noch zwei bis drei», so der Basler Importeur Jörg Vitelli. Nur noch zwei klassische Lastvelo-Modelle führt er ein: Das «Bäckerrad» und den «Long John». «Öko-verträgliche Transporte werden hierzulande kaum mehr mit Velos erledigt», bedauert Jörg Vitelli die Entwicklung: «Mobility ist eine Konkurrenz zum Transportvelo geworden», stellt er fest.

So klein der Markt auch ist, so vielfältig ist die Modellpalette der Transportvelos: Es gibt sie zwei-, drei- oder gar vierrädrig, mit Ladeflächen vorne oder hinten, mit unterschiedlichen Antriebsarten, mit und ohne Hilfsmotor, mit unterschiedlicher Lenkkonstruktion und mit Nutzlasten zwischen 25 und gut 200 Kilo. Einer der Urtypen der Transportvelos ist das «Bäckerrad», in der Schweiz besser bekannt als Postvelo. Es wird vor allem in grösseren Unternehmen als internes Transportmittel eingesetzt. Allein in der Migros-eigenen Konservenfabrik im thurgauischen Bischofszell stehen 50 «Bäckerräder» im Einsatz. Hinten meist ein normal grosses 26-Zoll-Rad, vorne aber mit einem kleinen und damit stabileren 20-Zoll-Rad ausgerüstet, sind die Bäckerräder mit massiven Rahmen konstruiert und bringen schnell einmal 20 Kilo Eigengewicht auf die Waage. Transportiert werden die Lasten, die Post oder die Brötchen, auf einem Ständer oder in einem Korb über der Vorderachse. Auch bei 50 Kilo Zuladung lässt sich ein «Bäckerrad» dank seines Vorderradständers stabil aufstellen.

Die Nachfolger des Bäckerrades
Die modernisierte Ausführung eines «Bäckerrades» sind die Modelle «Filibus» und «Lorri» von Kemper Fahrradtechnik in Düsseldorf. Sie transportieren bis zu 40 Kilo Last. «Im Vergleich mit anderen Transportvelos ist man mit dem &Mac220;Filibus&Mac221; schnell», so Thomas Lösch. Der «Sattelschlepper» unter den zweirädrigen «Workbikes» ist ein anderer Klassiker. Der schon seit 1935 produzierte «Long John». Bis zu 100 Kilo übernimmt der «Tieflader» mit seinem Radstand von fast zwei Metern. Zwischen Lenkstange und kleinem Vorderrad liegt die Ladefläche. Die Vorderradachse liegt vor der Ladebrücke, 1,5 Meter vor dem Lenker und wird über Achsschenkel (Gestänge) gesteuert. Ein «Long John» ist dadurch nicht sehr wendig, aber dank seines tiefen Schwerpunktes hat er eine sehr gute Stabilität. Ausgerüstet ist er allerdings wie ein Klassiker, als 3-Gänger mit Rücktritt – und Handbremse! Nur die hydraulisch unterstützte vordere Trommelbremse zählt zum moderneren Equipment. Mit hohen Gewichten erfordert ein «Long John» viel Kraft – auch beim Abstellen auf den Ständer. Auf Wunsch können die Modelle auch mit einem Mountaindrive nachgerüstet werden.

Die Velorikscha als Vorbild: Transportvelos werden auch heute noch überall eingesetzt.

Drei Räder
«Für schwere Lasten empfiehlt sich ein Trike, ein Dreirad», so Hans Sonderegger in Hinwil («Haso’s»). Er ist der Schweizer Spezialist für dreirädrige Lastvelos. Doch auch er verkauft «höchstens ein Dutzend» der unterschiedlichsten Modelle pro Jahr. Den Klassiker, das holländische Pakfiets von «t'Mannatje», sieht man in der Schweiz allerdings nicht. Das Pakfiets hat vorne zwei Räder. Der ganze Vorbau mit der sargähnlichen, offenen hölzernen Ladekiste wird in den Kurven ausgeschwenkt. «Gewöhnungsbedürftig», betont Jörg Vitelli. Während die zweirädrigen Transportvelos kaum eine Umgewöhnung benötigen, muss auf den Dreirädern in den Kurven das Gewicht statt nach innen nach aussen verlagert werden, damit die Karre nicht kippt. Enge Kurven sind nur mit viel Armarbeit und ein bisschen Akrobatik zu fahren. Und besondere Übung erfordern die Dreiräder mit der Ladefläche und der Doppelspur hinten. Der breitere Teil des Gefährts liegt so nicht im Blickfeld, und rasch ist so ein Randstein oder ein parkiertes Auto touchiert. Neben diesem holländischen Klassiker werden von rund zwei Dutzend Herstellern andere dreirädrige Transportvelos mit unterschiedlichsten Konzepten gebaut. Die Gustav Werner-Stiftung im süddeutschen Reutlingen und Tübingen, ist eine Behinderteninstitution mit Velowerkstatt. Den «Gustav» – ein Drehschemellenker, bei dem der ganze Vorbau wie beim Pakfiets-Klassiker zum Steuern ausgeschwenkt wird – gibts in verschiedenen Grössen und Ausrüstungen, vorne serienmässig mit hydraulischen Trommelbremsen ausgerüstet. Auf das Hinterrad wirkt ein Rücktritt und die Übersetzungen besorgt eine Nabenschaltung.

Modell aus dem «Freistaat Christiania»
Einen anderen Dreiräder sieht man in der Schweiz verhältnismässig häufig: Die Modelle der Kopenhagener Manufaktur «Christiania». Entstanden in den wilden 70er Jahren im damaligen Stadtteil und «Freistaat Christiania», werden die Transportvelos heute anderswo in der Stadt Kopenhagen produziert. «Christiania»-Modelle gibts auch für den Kinder- oder den Behindertentransport, samt zahlreicher Extras. Bis zu 100 Kilo können hier zugeladen werden. Grössere Modelle bieten einem Rollstuhl Platz. Ein weiteres, in der Schweiz öfter verkauftes Transport-Trike ist das aus Finnland stammende «Trans 2000» von Helkama. Wer es ganz stabil braucht und über so viel Muskelkraft verfügt, um bis zu 200 Kilo Zusatzlast in Bewegung zu bringen, hält sich ans englische Traditions-Workbike, den «Pashley Loadster». In seinem Grundkonzept wird der Pashley seit den 20er Jahren gebaut. Mit drei 20-Zoll-Rädern ausgerüstet, verfügt er serienmässig allerdings auch nur über eine 3-Gang-Schaltung. Das reicht zwar für die britischen Postbeamten, die «Pashleys» fahren hierzulande aber kaum über den nächsten Hügel.
Zu Transportvelos lassen sich übrigens fast alle Mountainbikes mit den verlängerten Hinterbauten von «Xtracycle» umrüsten. Diese amerikanische Konstruktion macht unter anderem auch den Transport eines sperrigen Surfbretts hinter dem Sattel möglich.

Preise:
Bäckerräder ab Fr. 1795.–
Filibus ab Fr. 3800.–
Long John ab Fr. 2275.–
Gustav ab Fr. 3000.–

Übersicht:
www.workbike.org

Schweizer Transportvelo-Spezialisten:
Haso’s, Hinwil (www.haso-hinwil.ch)
Thomas Lösch, Schaffhausen (www.velowerk.ch)
Vitelli, Basel (www.vitelli.ch)

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