![]() |
|
Ein besonders luxuriöses Workbike: Das Sorbetto-Velo aus Zürich. |
So
klein der Markt auch ist, so vielfältig ist die Modellpalette der
Transportvelos: Es gibt sie zwei-, drei- oder gar vierrädrig, mit
Ladeflächen vorne oder hinten, mit unterschiedlichen Antriebsarten, mit
und ohne Hilfsmotor, mit unterschiedlicher Lenkkonstruktion und mit
Nutzlasten zwischen 25 und gut 200 Kilo. Einer der Urtypen der
Transportvelos ist das «Bäckerrad», in der Schweiz besser bekannt als
Postvelo. Es wird vor allem in grösseren Unternehmen als internes
Transportmittel eingesetzt. Allein in der Migros-eigenen
Konservenfabrik im thurgauischen Bischofszell stehen 50 «Bäckerräder»
im Einsatz. Hinten meist ein normal grosses 26-Zoll-Rad, vorne aber mit
einem kleinen und damit stabileren 20-Zoll-Rad ausgerüstet, sind die
Bäckerräder mit massiven Rahmen konstruiert und bringen schnell einmal
20 Kilo Eigengewicht auf die Waage. Transportiert werden die Lasten,
die Post oder die Brötchen, auf einem Ständer oder in einem Korb über
der Vorderachse. Auch bei 50 Kilo Zuladung lässt sich ein «Bäckerrad»
dank seines Vorderradständers stabil aufstellen.
Die Nachfolger des Bäckerrades
Die
modernisierte Ausführung eines «Bäckerrades» sind die Modelle «Filibus»
und «Lorri» von Kemper Fahrradtechnik in Düsseldorf. Sie transportieren
bis zu 40 Kilo Last. «Im Vergleich mit anderen Transportvelos ist man
mit dem &Mac220;Filibus&Mac221; schnell», so Thomas Lösch. Der
«Sattelschlepper» unter den zweirädrigen «Workbikes» ist ein anderer
Klassiker. Der schon seit 1935 produzierte «Long John». Bis zu 100 Kilo
übernimmt der «Tieflader» mit seinem Radstand von fast zwei Metern.
Zwischen Lenkstange und kleinem Vorderrad liegt die Ladefläche. Die
Vorderradachse liegt vor der Ladebrücke, 1,5 Meter vor dem Lenker und
wird über Achsschenkel (Gestänge) gesteuert. Ein «Long John» ist
dadurch nicht sehr wendig, aber dank seines tiefen Schwerpunktes hat er
eine sehr gute Stabilität. Ausgerüstet ist er allerdings wie ein
Klassiker, als 3-Gänger mit Rücktritt – und Handbremse! Nur die
hydraulisch unterstützte vordere Trommelbremse zählt zum moderneren
Equipment. Mit hohen Gewichten erfordert ein «Long John» viel Kraft –
auch beim Abstellen auf den Ständer. Auf Wunsch können die Modelle auch
mit einem Mountaindrive nachgerüstet werden.
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|
Die Velorikscha als Vorbild: Transportvelos werden auch heute noch überall eingesetzt. |
||
Drei Räder
«Für schwere Lasten empfiehlt sich ein Trike, ein Dreirad», so Hans
Sonderegger in Hinwil («Haso’s»). Er ist der Schweizer Spezialist für
dreirädrige Lastvelos. Doch auch er verkauft «höchstens ein Dutzend»
der unterschiedlichsten Modelle pro Jahr. Den Klassiker, das
holländische Pakfiets von «t'Mannatje», sieht man in der Schweiz
allerdings nicht. Das Pakfiets hat vorne zwei Räder. Der ganze Vorbau
mit der sargähnlichen, offenen hölzernen Ladekiste wird in den Kurven
ausgeschwenkt. «Gewöhnungsbedürftig», betont Jörg Vitelli. Während die
zweirädrigen Transportvelos kaum eine Umgewöhnung benötigen, muss auf
den Dreirädern in den Kurven das Gewicht statt nach innen nach aussen
verlagert werden, damit die Karre nicht kippt. Enge Kurven sind nur mit
viel Armarbeit und ein bisschen Akrobatik zu fahren. Und besondere
Übung erfordern die Dreiräder mit der Ladefläche und der Doppelspur
hinten. Der breitere Teil des Gefährts liegt so nicht im Blickfeld, und
rasch ist so ein Randstein oder ein parkiertes Auto touchiert. Neben
diesem holländischen Klassiker werden von rund zwei Dutzend Herstellern
andere dreirädrige Transportvelos mit unterschiedlichsten Konzepten
gebaut. Die Gustav Werner-Stiftung im süddeutschen Reutlingen und
Tübingen, ist eine Behinderteninstitution mit Velowerkstatt. Den
«Gustav» – ein Drehschemellenker, bei dem der ganze Vorbau wie beim
Pakfiets-Klassiker zum Steuern ausgeschwenkt wird – gibts in
verschiedenen Grössen und Ausrüstungen, vorne serienmässig mit
hydraulischen Trommelbremsen ausgerüstet. Auf das Hinterrad wirkt ein
Rücktritt und die Übersetzungen besorgt eine Nabenschaltung.
Modell aus dem «Freistaat
Christiania»
Einen anderen Dreiräder sieht man in der Schweiz verhältnismässig
häufig: Die Modelle der Kopenhagener Manufaktur «Christiania».
Entstanden in den wilden 70er Jahren im damaligen Stadtteil und
«Freistaat Christiania», werden die Transportvelos heute anderswo in
der Stadt Kopenhagen produziert. «Christiania»-Modelle gibts auch für
den Kinder- oder den Behindertentransport, samt zahlreicher Extras. Bis
zu 100 Kilo können hier zugeladen werden. Grössere Modelle bieten einem
Rollstuhl Platz. Ein weiteres, in der Schweiz öfter verkauftes
Transport-Trike ist das aus Finnland stammende «Trans 2000» von
Helkama. Wer es ganz stabil braucht und über so viel Muskelkraft
verfügt, um bis zu 200 Kilo Zusatzlast in Bewegung zu bringen, hält
sich ans englische Traditions-Workbike, den «Pashley Loadster». In
seinem Grundkonzept wird der Pashley seit den 20er Jahren gebaut. Mit
drei 20-Zoll-Rädern ausgerüstet, verfügt er serienmässig allerdings
auch nur über eine 3-Gang-Schaltung. Das reicht zwar für die britischen
Postbeamten, die «Pashleys» fahren hierzulande aber kaum über den
nächsten Hügel.
Zu Transportvelos lassen sich übrigens fast alle Mountainbikes mit den
verlängerten Hinterbauten von «Xtracycle» umrüsten. Diese amerikanische
Konstruktion macht unter anderem auch den Transport eines sperrigen
Surfbretts hinter dem Sattel möglich.
Preise:
Bäckerräder ab Fr. 1795.–
Filibus ab Fr. 3800.–
Long John ab Fr. 2275.–
Gustav ab Fr. 3000.–
Übersicht:
www.workbike.org
Schweizer Transportvelo-Spezialisten:
Haso’s, Hinwil (www.haso-hinwil.ch)
Thomas Lösch, Schaffhausen (www.velowerk.ch)
Vitelli, Basel (www.vitelli.ch)