Test

Handliche Mobilität

Sie sind klein, überall dabei, verstaut und kommen beim Fahren dennoch gross raus. Faltvelos finden zusammengelegt im Zugabteil, in der Yacht oder unter dem Schreibtisch Platz. Ausgeklappt bringen sie uns dorthin, wo Bus und Bahn oder der Verkehrsstau Schranken setzen. Marius Graber
Wo Flug, Zug-, Schiff- oder Autofahrt aufhören, beginnt oft das Mobilitätsproblem. Hier spielen Faltvelos ihren Vorteil gegenüber herkömmlichen Rädern aus, da sie zusammengelegt auf kleinstem Raum transportiert werden können. Moderne Faltvelos müssen scheinbar Gegensätzliches vereinbaren: ausgezeichnetes Fahrverhalten mit kompaktem Faltmass und geringem Gewicht. Dies gelingt den meisten aktuellen Modellen – in unterschiedlicher Weise – gut. Mit den Klapp(er)-Rädern und Minivelos der Sechzigerjahre verbindet die heutigen Faltvelos aber nicht mehr viel. Damals hatten Velos vor allem billig zu sein und in den Kofferraum des neu erstandenen Autos zu passen. Heute sind sie ein Tool für kombinierte Mobilität und Freizeitspass.


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Keine Angst vor kleinen Laufrädern
Um die Fahreigenschaften eines «normalen» Velos möglichst beizubehalten, konstruieren einige Hersteller Faltvelos mit normalgrossen 28’’- oder 26’’-Rädern. Das geht zu Lasten des Faltmasses. Dass grosse Räder nicht zwingend nötig sind, zeigen die gut konstruierten Kompakt-Faltvelos. Mit einer guten Federung und einer angepassten Übersetzung können die Nachteile der kleinen Räder ausgeglichen werden. Mehr noch: Räder in den Dimensionen 17’’-20’’ haben durchaus Vorteile! Sie sind leicht zu beschleunigen, machen das Fahrverhalten spritzig und wendig und halten das Velo kompakt.

Tipps zum Kauf

Machen Sie vor dem Kauf eine Testfahrt und checken Sie Übersetzungsbereich und Sitzposition. Nicht alle Faltvelos eignen sich für Grossgewachsene und Sitzriesen. Versuchen sie das Velo zu falten. Ob das Handling passt, zeigt sich erst beim selber probieren.
Die Faltvelos bestehen fast ausschliesslich aus Standardkomponenten, mit Ausnahme der Bereifung. Vergewissern Sie sich, dass diese Teile bei Ihrem Velohändler vorrätig sind. Am besten kaufen sie gleich einen Ersatzschlauch für unterwegs. Faltpedale sind nicht überall Standard, sie reduzieren aber das Packmass. Falls nicht vorhanden, lassen sie sich bei Bedarf nachrüsten.

Stadt- und Reisevelo
Wer denkt, Faltvelos wären nur etwas für Pendler, Camper und Bootsbesitzer, irrt: Viele Faltvelos wären auch ohne Faltmechanismen überzeugende Fahrradkonzepte. Z.B. Bernds oder Birdy haben perfekte Stadtvelo-Qualitäten: tiefer Einstieg, Fahrkomfort durch (Voll-)Federung, geringes Gewicht und kompakte Aussenmasse.
Ein Faltrad ist stets auch ein Reiserad: Es reist mit oder man reist mit ihm. Seit je her waren Reiseberichte von Bromptons, später BikeFriday oder Birdys zu lesen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Wo immer man will, kann die Reise einfach per Autostopp oder öV fortgesetzt werden. Anreiseproblematik im öV entsteht gar nicht erst und das Velo kann, vor Langfingern gut geschützt, sogar ins Hotelzimmer und Restaurant mitgenommen werden. So baut Riese-Müller mit dem Birdy grey ein echtes Expeditions-Faltvelo.
Aber auch für den sportlichen Einsatz eignen sich einige der Modelle ausgezeichnet: Das Dahon ZeroG machte auch beim sportlichen (wenn auch nicht extremen) Geländefahren gute Laune. Sehr leichtgewichtige Falter (wie gewisse Dahon- oder Birdy-Modelle) heizen auch sportliche Fahrer auf der Strasse tüchtig an.

Alte Garde gegen Newcomers
Wurde bis anhin der Faltvelomarkt durch die drei B’s beherrscht (Birdy, Bernds und Brompton, alle seit bald 10 Jahren produziert, was an den vielen pfiffigen Detaillösungen gut erkennbar ist), mischen nun Newcomers den Markt tüchtig auf: Grosse Firmen wie Giant besetzen ebenso die Nische, wie die Automobilindustrie (Prophylaxe gegen den Verkehrsinfarkt?). Eigens für den «Smart» wurde das «Tango Car Bicycle» entwickelt. Technisch und optisch ein echter Knaller, schade dass es nie auf den Markt kam. Angenehm überrascht hat auch Dahon, als ehemaliger Günstiganbieter setzt er vermehrt auf Qualität und steigt mit einem breiten, interessanten Angebot in die Faltoberliga auf.

Interessante Konzepte
Die Suche nach dem günstigen Verhältnis zwischen Fahrverhalten, Gewicht und Faltmass spornt die Entwickler offensichtlich an. An den Faltvelos ist eine Vielzahl an eigenständigen Lösungen und technischen Leckerbissen zu finden. Primus Brompton steht während des Zuklappens immer sturzsicher, arretiert sich am Ende von selbst und lässt sich dann auf Rollen am Gepäckträger schieben. Keine losen Teile, kein Werkzeug und garantiert keine schmutzigen Finger! Giant ertüftelte für das «Halfway» ein simpelst zu bedienendes, ultrasteifes Zentralgelenk. Weitere gelungene Lösungen: die angenehm zu fahrenden Frontfederungen beim BMW (Telelever-Technik) und beim «Birdy» (geschobene Schwinge). Ausserdem findet man die Einarmschwingen des Giant oder die cleveren Gepäcktaschen beim Brompton. Manch ein Faltvelo vertritt auch ohne Faltmechanismus ein höchst interessantes Velokonzept: z.B. das Bernds als Stadtvelo, die leichten Dahon-Modelle als Sportvelo, das BMW als komfortables Stadt- und Tourenvelo. Faltbarkeit wird nicht mehr zum Hauptmerkmal, sondern zum nützlichen Attribut. Die Entwicklung ist noch längst nicht am Ende, man kann also gespannt sein.

Weitere Faltvelomodelle:
www.bikefriday.com
www.rolandplastics.co.uk/plastics
www.urbansolutions.nl
www.montagueco.com
www.pacy-faltrad.de

Gratis im ÖV

Faltvelos reisen (zusammengefaltet) gratis im öV mit. Sie unterstehen dann dem Transportreglement (Handgepäck): Dieses muss – verpackt! – in der Gepäckablage oder unter/
zwischen den Sitzen untergebracht werden. Im TGV gilt die Maximalgrösse von 120 x 90 x 30 cm. Die Praxis zeigt, dass die meisten Kondukteure auch Faltvelos ohne Transporthülle akzeptieren.

Buchtipp: Gunnar Fehlau, Das Modul-Bike, Moby Dick Verlag, ISBN 3-89595-113-7.
Die allerneusten Modelle fehlen, trotzdem sehr interessant.

Internet-Tipps:
www.birdy-freund.de
www.klapprad.de
www.rainerzenz.de/faltrad

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