Dr. V. Love

Frage an Dr. V. Love

Sehr geehrter Dr. V. Love

Es fällt mir auf, dass in unserem Sprachraum immer mehr englische Wörter verwendet werden. Auch im velojournal stosse ich auf solche: z.B. biken, Slow Up, Human Powered Mobility, um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Gibt es dafür keine deutschen Ausdrücke, oder unterwerfen wir uns nach dem wirtschaftlichen nun auch hoffnungslos dem amerikanischen Sprachimperialismus?
Hank K. aus R.


Lieber Herr Krostock
Die Entwicklung unserer Muttersprache ist tatsächlich etwas beunruhigend. Die Menschen achten nicht mehr auf Sprache und Identität, verwässern diese zugunsten einer sterilen und in hohem Masse amorphen Weltkultur, die den gesuchten, spirituellen Halt gibt, nicht geben kann. Allerdings wäre es verfehlt, diese Entwicklung einfach nur amerikanischen Imperialismus zu nennen, da solche «Neuerungen» mindestens so sehr von den europäischen Konsumenten ausgehen wie von den USA. Gerade in Europa lechzt man ja nach dieser amerikanisierten Kultur.
Mit der wirtschaftlichen Dominanz der USA geht natürlich auch die sprachliche Dominanz des Englischen einher. Da die Globalisierung ein wirtschaftlich getriebenes Phänomen ist, globalisiert sich mit den Märkten auch die Kultur. Englische Ausdrücke klingen einfach moderner und dynamischer. Ich will gleich ihre Beispiele nehmen, um dies zu demonstrieren: «Slow Up Bodensee» tönt doch einfach viel besser als «Langsam den Bodensee hinauf». In Deutsch gleicht das doch einer RentnerInnen-Wanderung. Oder meine persönliche Kolumne: Stellen Sie sich vor, ich würde sie plötzlich «die Lebensstil-Kolumne von Doktor Velolieb» nennen. Wer würde solches lesen? Wer würde mich da noch ernst nehmen? Vielleicht Sie, Herr Krostock, aber glauben Sie mir, Sie befinden sich in der Minderheit. Der Homo Economicus (ich verwende bewusst diesen traditionellen Ausdruck) unterwirft sich bedingungslos dem wirtschaftlichen Zwang – nicht dem amerikanischen Imperialismus. Diesen Zwang hat schon Karl Marx als den stärksten, den es gibt, erkannt. Sie müssen schwimmen, sonst gehen Sie unter. Doch irgendwann werden sich die Menschen so desorientiert fühlen, dass sie sich wieder nach verlässlichen Werten sehnen werden. Dann werden wir zwei ein Glas Wein trinken und unsere deutschen Namen in die Welt hinausschreien.

Herzlichst, Ihr Dr. V. Love  

 
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