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Wer bezahlt, kommt schneller zum Zug

Das Velochaos auf dem Basler Centralbahnplatz hat ein Ende: Das erste unterirdische Veloparking der Schweiz ist in Betrieb und bietet Platz für 1100 Fahrräder in einem kostenpflichtigen und in einem Gratis-Teil. Die Velos werden rund um die Uhr bewacht. Mena Kost
Turnhallenmässig, «spacig», proper, nüchtern, hell, modern und ein bisschen steril. So beschreiben die ersten Benutzerinnen und Benutzer das neue Veloparking unter dem Basler Centralbahnplatz, das Ende Juni eröffnet wurde: Die hellblauen Wände und der ockerfarbene Boden machen einen freundlichen Eindruck, aus Lautsprechern rieselt leise Hitparadenmusik, und unzählige runde Deckenlampen beleuchten die beiden grossen Velo-Abstellräume, die mit einem geräumigen Gang verbunden sind. Der Velokeller ist mit dem Fahrrad über drei Rampen erreichbar: «Ziemlich steil und extrem rutschig – wahrscheinlich, weil es nass ist», lautet das Urteil von Eric Gremmelmaier, der bei der Abfahrt um ein Haar hingefallen wäre. Der Student muss auf den Zug und möchte seinen Drahtesel sicher im Trockenen unterbringen.


Nach drei Tagen schon halb voll
Objektleiter Dieter Steiner hat eine Erklärung für die Rutschpanne: «Wir haben Innenwände, Boden und aus Versehen auch die Rampe mit einem Graffitischutz besprüht.» Zusammen mit dem Regenwasser verwandelte dieser die Auffahrten in Rutschbahnen. «Wir werden uns aber noch heute darum kümmern und die Rampen mit heissem Wasser von der schmierigen Substanz befreien», verspricht Steiner. Danach werde der gerippte Rampenbelag auch bei Regenwetter keine Schwierigkeiten bereiten. Sicher unten angekommen, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man stellt sein Velo in das gut bewachte, kostenpflichtige Parking nahe den Gleisen oder in den 300 Meter weiter entfernten Gratisbereich. Beide Räume, sie bieten Platz für je über 500 Velos, sind schon wenige Tage nach der Eröffnung zur Hälfte besetzt. «Für die Anfangsphase sind wir gut belegt», bilanziert Steiner.

Service rund ums Zweirad

mek. Das Veloparking unter dem Basler Centralbahnplatz ist an 365 Tagen im Jahr geöffnet und bietet Platz für rund 1100 Zweiräder. Der elf Millionen Franken teure unterirdische Velokeller ist rund um die Uhr bewacht. Nachts von 1–5 Uhr kann nur der kostenpflichtige Teil betreten werden. Hier kostet ein Tagesticket einen Franken. Wochenkarten kosten 7, Monatstickets 12 und Jahreskarten 120 Franken.
Auch Schliessfächer (1.–/Tag) und abgeschlossene Veloboxen für besonders wertvolle Gefährte (5.–/Tag) können gemietet werden. Die Velostation wird von der Dienstleistungsfirma Sevis zusammen mit Rent-a-Bike betrieben. Velostation offeriert auch Reparaturen, kostenlose Ersatzvelos und verschiedenes Zubehör. Gratistankstellen für Elektrovelos, WC (50 Rappen) und Dusche (5 Franken) werden angeboten. Wer kein Velo hat, kann eins mieten: Countrybikes, Trottinetts und Elektrovelos stehen zur Auswahl.

Velo parken: «Schnell und einfach»
Wer nichts bezahlen will und den etwas längeren Weg zu den Zügen nicht scheut, stellt das Velo im Gratisbereich ab, der mit den gleichen Ständern ausgerüstet ist, wie der kostenpflichtige Teil. Hier schliesst gerade die Schülerin Meret Herzog ihr Velo ab. Sie findet es «zu kompliziert, ein Ticket zu lösen». Sie habe einen alten «Schrottgöppel», der nicht so schnell gestohlen werde. Ausserdem sei ja auch dieser Bereich mit Kameras überwacht.

Erich Fischer hingegen hat sein Zweirad für einen Franken pro Tag im geschützten, mit Drehtüren versehenen Bereich abgestellt. Das Veloparking funktioniert gleich wie ein Autoparking mit einem automatischen Zutrittssystem: das Velo auf die mit Sensoren versehene Matte schieben, auf den Knopf drücken. Das Ticket kommt aus dem Automaten und die Schranke öffnet sich. Das Velo kann parkiert werden. Bei der Ausfahrt wird das Billett am Kassenautomaten bar oder mit Cash-Card bezahlt. Erich Fischer ist zum ersten Mal hier und findet das Parking «echt luxuriös». Allerdings sollte ein Veloparking grundsätzlich gratis sein, so der Musiklehrer. Es sei nicht gerecht, dass sich der kostenpflichtige Teil näher bei den Gleisen befinde als die Gratisständer, findet er.
Nicht alle sind dieser Meinung: «Wenn ich schon zahle, dann will ich auch etwas dafür», so ein Benutzer, der jeden Tag von Basel nach Olten pendelt und bereits eine Jahreskarte für 120 Franken erstanden hat. Früher dauerte es immer lange, bis er sein Velo auf dem Bahnhofsplatz sicher geparkt hatte, «jetzt geht alles schnell und einfach.»

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