Test

Tretunterstützung

Manchmal sind Kinder zu gross für den Kinderanhänger und noch zu klein um die Gefahren des Strassenverkehrs und längere Touren alleine zu meistern. Für diesen Zweck gibt es inzwischen eine reiche Auswahl an Mitfahrmöglichkeiten mit eigenen Pedalen. velojournal stellt sie vor. Marius Graber
Am bekanntesten sind wohl die Trailerbikes (Windschatten, Anhängevelos oder wie sie sonst noch genannt werden) die – schnell an Mutters oder Vaters Velo angedockt – neue Mobilitäts-Horizonte eröffnen. Wenn sie sich zum Trailer einen Kindersitz montieren, können Mama oder Papa mit zwei Kindern auf Tour. Kombiniert mit einem Tandem passt da schon eine moderne Grossfamilie auf ein Gefährt.

Die Trailerbikes unterscheiden sich einerseits in ihrer Ausstattung. Mit Kettenschutz, Schutzblech, weit verstellbarem Sattel und Lenker und Signalfähnchen sollten sie schon ausgerüstet sein. Zudemlohnt sich eine Schaltung: Die Kinder können am Berg besser mithelfen und zappeln bei schneller Fahrt nicht ins Leere. Die 3-Gang Nabenschaltung erwies sich in der Praxis etwas unkomplizierter als die Kettenschaltungen.

Knackpunkt Befestigung
Der eigentliche Knackpunkt ist die Kupplung zum Erwachsenenfahrrad: sie entscheidet im Wesentlichen über das Fahrverhalten. Bei den Trailerbikes, die an den Sattelstützen befestigt werden, hat sich die (oft kopierte) Lösung von Funtrailer als sehr gut erwiesen: Das gross dimensionierte Kardangelenk läuft absolut spielfrei und wurde von der eigentlichen Kupplung getrennt. Kupplungen die zugleich als Gelenk dienen (z.B. beim Mustang) sind dagegen etwas mühsamer im Handling und schneiden punkto Fahrverhalten schlechter ab. Wer den Trailer an der Sattelstütze befestigt, sollte sich vergewissern, dass die Sattelstütze der zusätzlichen Belastung gewachsen ist. Am sichersten sind jene aus Stahl, gefährlich sind leichte Aluminium- oder Karbonstützen.
Bei den Trailerbikes, die am Gepäckträger befestigt werden, ist der Träger matchentscheidend. Das Add+bike von Höning erreichte mit dem supersteifen Spezialträger ein vorzügliches Fahrverhalten (und das simpelste Handling). Noch besser zum Fahren war dann einzig das zweispurige Trets, montiert an eine Kinderanhängerkupplung, ein richtiges Renngefährt.

Vorschriften
Von Gesetzes her gilt die Verbindung von Elternvelo und Trailerbike als tandemähnliches Fahrzeug. Daher braucht das Trailerbike keine eigene Vignette, dafür einen roten Rückstrahler nach hinten und gelbe an den Pedalen. Bei Dunkelheit gehört ein Rücklicht an den Trailer, velojournal -tipp: Diodenlicht mit Sensorautomatik. Für die TrailerfahrerInnen gibt es vom Gesetz her keine Altersbeschränkung.
Alternative Tandem
Eine gute Alternative zu den Trailerbikes sind Tandems. Sie sind vom Fahrverhalten den Trailern gegenüber überlegen, da Eltern und Kind näher beieinander sitzen ist ein kleiner Schwatz problemlos möglich. Ein normales Tandem kann per so genanntem KidyCrank (ein höher gesetztes Tretlager auf dem hinteren Platz) auf die Kindergrösse angepasst werden. Ältere Kinder passen allenfalls schon ohne KidyCrank auf die kleinste Tandem-Rahmengrösse. Die deutsche Firma Hase bietet mit dem Pino ein innovatives Stufentandem an. Auf dem vorderen Sitz mit Sicherheitsgurten fühlen sich besonders auch kleine Kinder sicher. Besonders vorteilhaft an einem Tandem ist die lange Nutzungsdauer, (es können von Kindern bis Erwachsene mitgeführt werden) was den höheren Anschaffungspreis rechtfertigt.



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Fazit
Das breite Spektrum von Möglichkeiten um ältere Kinder sicher durch die Stadt oder auf schon etwas grössere Touren mitzunehmen ist beeindruckend. Fast für jeden Gusto ist etwas Passendes dabei. Beim Fahren haben die Tandems und das Trets am meisten Spass gemacht.
Ärgerlich nur, dass aufgrund eines Passus im SVG (Strassenverkehrsgesetz), der für ganz andere Fälle eingeführt wurde, die Abschleppsysteme auf Schweizer Strassen nicht zugelassen sind. Sind sie so gut gefertigt wie das Follow-Me (siehe u.s. Artikel), stehen sie punkto Sicherheit den Trailerbikes in nichts hintennach, wie das BfU bestätigte. Das Astra (Bundesamt für Strassen) wäre wohl für eine Änderung der Verordnung zu haben, wird von sich aus aber nichts unternehmen, bis eine grössere Interessengruppe das Begehren stellt. Ein Fall für die IG Velo?

Trailerbike - Tipps

Auch wenn’s in den den Waden juckt: fahren sie mit Ihrem Kind nicht zu früh. Das Trailerbike erfordert vom Kind eine starke Präsenz. Besser man nutzt den Trailer auch noch wenn die Kinder älter werden: im Strassenverkehr ist der Trailer noch lange ein echtes Sicherheitsplus.

Vorausschauende, gemächliche und überlegte Fahrweise bewährt sich mit dem Trailer besonders. Kurven sollten nicht zu knapp gefahren werden, da die Spur des Trailers leicht von der des Zugfahrzeuges abweicht.

Sinnvollerweise trägt das Kind auch auf dem Trailerbike einen Helm (die Erwachsenen als gutes Vorbild sowieso auch!)

das Trailerbike gilt beim Transport im ÖV als Kindervelo, reist also gratis mit. Tandem’s mit KidyCrank zahlen (tandemclub.ch sei dank) nur den Tarif eines normalen Velos. Diese Regelungen sind allerdings den wenigsten Beamten bekannt.

Tun sie sich den Gefallen und kaufen sie zum Trailerbike einen Zweibeinständer. Abgehängt wird er sonst zum unselbständigen Unding. Tun Sie dem Kind den Gefallen und montieren sie am Zugvelo ein gutes Schutzblech, sonst kleckert jede Pfütze das Gesicht des Kindes voll.


Weitere Anbieter

Weitere Trailerbikes auf dem Schweizer Markt: Vantley, Schwinn, Dragon (bautypenähnlich dem FunTrailer), das Burley (sehr schön gemacht, ähnlich dem Windschatten) oder als Unikum das Wintibike ein Kindervelo welches sich in ein Trailerbike umfunktionieren lässt:
www.anhaengevelo.ch  

 


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