
Liebe Frau Gottelwart
Niemand kann Ihnen verübeln, dass Sie Ihr
Parfüm mögen. Sie müssen jedoch – im Sinne der intragesellschaftlichen
Solidarität – auch die Tatsache akzeptieren, dass es Cabriofahrer
ebenfalls lieben. Sie werden vielleicht überrascht sein, dass Ihr Umgang
mit dem Parfüm zwar auf freiem Willen basiert, während er bei den
Cabriofahrern von Zwang dominiert wird. Ein Cabriologie-Expertenteam hat
unter meiner Führung kürzlich bahnbrechende physiologische Forschungen
und Entdeckungen gemacht:
Anhand von Experimenten, welche wir mit
Rattenmännchen durchführten, die wir in eine offene Blechdose steckten,
fanden wir heraus, dass diese – heftiger als ihre Kollegen zu Fuss – auf
Parfüm in Kombination mit weiblichem Körpergeruch reagierten.
Körpergeruch wird bekanntlich von Hormonen produziert. Mit dem Parfüm
gehen die Hormone eine chemische Bindung ein. Das Blech zieht beide
Elemente an – dient sozusagen als Ballsaal. Das neu entstehende
Grossmolekül verbreitet sich im Gehirn und versperrt dort den für die
Gedankenübertragung zuständigen Botenstoffen den Weg. Die Konsequenz:
Cabriofahrer treffen unter dem Einfluss von Parfüm ihre Entscheidungen
nicht länger in der Hirn-, sondern vielmehr in der Lendengegend. Dies
erklärt deren aufdringliches Verhalten. Der gleiche Effekt konnte von
uns nicht beobachtet werden, als wir die Testsubjekte in eine
geschlossene Blechdose steckten. Der Blechmantel blockierte wohl die
Übertragung der Pheromone.
So kann ich Ihnen denn nur einen Rat
geben. Entweder Sie verzichten auf Ihr Parfüm oder aber sie vermeiden
die Strassen, auf denen die Cabriofahrer verkehren.
Herzlichst,
Ihr Dr. V. Love
Ihre Fragen an: Turn on JavaScript!" title="Frage an Dr. V. Love">Turn on JavaScript!