Szene

Verführung zum Velofahren

Das Geschäft «velowerk» im beschaulichen Schaffhausen ist ein Einmann-Betrieb. Hier werkelt und philosophiert Thomas Lösch. Ihm ist wichtig, dass man sich fürs Wesentliche genug Zeit nimmt. Seine Werkstattarbeit ist entsprechend präzis, und er gibt sein Wissen auch in Workshops weiter. Bruno Angeli
Thomas Lösch (1952) ist Nichtautofahrer. Doch ausgerechnet an der extrem stark frequentierten Fischhäuserstrasse im Munotstädtchen Schaffhausen befindet sich sein Fachgeschäft «velowerk». Doch es gibt einen Ausweg aus dem Verkehrschaos vor dem Laden. Dann nämlich, wenn man den Südeingang benutzt, um das Fachgeschäft zu betreten. Hier, am Rheinquai, verläuft eine Veloland-Route. Ein idyllisches Bild mit Schiffen im Wasser und Vögeln in der Luft. Und braucht der Tourist oder die Touristin im Fahrradschlauch mehr Luft, benützt man hier ganz unkompliziert die «velowerk»-Standpumpe. Wer nicht von Hand Luft pumpen will, wechselt einfach die Strassenseite und greift zur pneumatischen Druckluftpistole.

Velobau-Workshop
Ein guter Service ist Lösch wichtig. Bei ihm kann – eine Exklusivität von «velowerk» – ein Velobau-Workshop absolviert werden. Für tausend Franken, exklusive Komponenten, Material und Rahmen, baut man unter fachkundiger Anleitung sein eigenes Fahrrad zusammen. Ein einmaliges Erlebnis, das neben dem Lerneffekt vielleicht auch eine andere, engere Beziehung zum eigenen Fahrrad schafft.
Thomas Lösch sagt, er habe während des Studiums viel gelernt. Vor allem, dass man sich für das Wesentliche Zeit nehmen und die Dinge genau anschauen sollte. Zufällig kam er in eine Liegenschaft zu wohnen, in der eine Werkstatt leerstand. Der Verwalter überliess ihm diesen Raum. Thomas Lösch nahm dort sogleich die Arbeit auf und richtete eine Velowerkstatt ein. Bald kamen auch externe Aufträge dazu, und so war Lösch ab 1981 nur noch sporadisch an der Uni anzutreffen. Thomas Lösch: «Mir war es wichtig, nicht nur 'gescheit' zu denken und zu schwatzen, sondern auch etwas 'Gescheites' zu machen. Ich blühte auf».

Fragen an Thomas Lösch

Was sollte Ihrer Meinung nach am muskelbetriebenen Zweirad noch verbessert werden?
Der Antrieb, die Bremsen, der Komfort, die Sicherheit, und es sollte noch mehr Freude machen als jetzt schon.

Welches sind Ihre geschäftlichen Ziele für das laufende Jahr?
Das habe ich mir noch nicht überlegt. Ich bin aber zufrieden, wenn ich hier bleiben kann.

Und Ihre privaten Ziele?
Die gleichen.

Was bezwecken Sie mit Ihrem Web-Auftritt?
Ich möchte darauf hinweisen, dass es bessere Velos gibt, als man im Allgemeinen meint. Und ich versuche, die Leute ins «velowerk» zu locken.

Velo gegen das ökologische Schlamassel
Heute, mehr als zwanzig Jahre später an der Fischhäusertrasse 18a in Schaffhausen, lebt Lösch seine Philosophie vor. Beim Nordeingang zu seinem Fachgeschäft steht ein Lorri-Transportvelo. Damit beweist er fahrend, dass diese Vehikel auch benutzbar sind: «Mir geht es nicht nur ums Velo an sich. Mit dem Fahrrad sehe ich auch eine Möglichkeit, aus dem ökologischen Schlamassel herauszukommen».
Thomas Lösch beweist auch, dass er ein ausgezeichneter Fachmann ist. Seine «velowerk»-Methode der Velo-Pflegevorsorge wird leider selten gesehen. Auf Wunsch wird für jedes Lager ein Schmiernippel angebracht. Dazu muss Lösch an den zum Teil teuren Teilen den Bohrer ansetzen. Doch keine Angst, dieser Mann hat Erfahrung, und es lohnt sich. Ein solches Fahrrad kann in Zukunft auch mit dem Hochdruckreiniger gepflegt werden, was man sonst auf keinen Fall tun sollte. Nach dem Waschdurchgang muss nur noch mittels Fettpresse das eingedrungene Wasser herausgedrückt werden – und schon läuft jedes Lager wieder.
Der Lebensweg von Thomas Lösch scheint vorbestimmt gewesen zu sein. Als Student der Germanistik und Philosophie arbeitete er an seinem geistigen Vorwärtskommen. Heute arbeiten seine Hände und sein Verstand am raffiniertesten, faszinierendsten und sinnvollsten aller Fortbewegungsmittel – dem Fahrrad. Er setzt sich dafür ein, dass es noch besser, bequemer und überzeugender wird. «Ich möchte die Leute nicht bekehren, meine Methode ist eher die Verführung».

http://www.velowerk.ch/

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