
| Sanft statt
slow Hanspeter Guggenbühl Zum «Slow Up», dem autofreien Erlebnistag, soll ich etwas schreiben, wünscht der Redaktor. «Slow Up»? Das bedeute Langsamverkehr, belehrt er mich. Ich denke an den stockenden Kolonnenverkehr, der vor dem Bareggtunnel oder Brüttiseller Kreuz immer öfter zum Stillstand kommt. Schon wieder falsch: Es gehe um «Human Powered Mobility», altdeutsch: mit Muskeln angetriebene Bewegung. Um sanfte Mobilität also, die in der Praxis allerdings oft schneller ist als die grobe. Der allgemeinen Regel, wonach grobe Mobilität immer öfter gebremst wird, stehen die speziellen Exzesse gegenüber, die unter den Titeln «Verwilderung im Strassenverkehr», «Temporausch» oder «Mit 213 km/h in die Radarfalle» alljährlich und alltäglich in den Medien beschrieben werden. Seit 1988 hat sich die Zahl der – erwischten – «Temposünder» verdoppelt. 28'000 Fahrerinnen und Fahrer mussten 2001 den Ausweis abgeben, weil sie die zulässige Höchstgeschwindigkeit massiv überschritten hatten. Im Durchschnitt allerdings kommen die Bolzer kaum schneller ans Ziel als die konstanten Schleicher. Aber darum geht es auch nicht. Das Ziel ist der Weg: Temporausch ist ist eine Sucht, die aus der Droge Auto entsteht. Gegenüber dem Missbrauch von andern Drogen unterscheidet sich der automobile Temporausch allerdings in einem wesentlichen Punkt. Wer Heroin oder Kokain nur konsumiert, bleibt heute in der Regel straffrei. Hart bestraft werden hingegen die Rauschgift-Dealer. Bei der Autosucht verhält es sich gerade umgekehrt: Wer mit über 200 km/h durch die Landschaft brettert, riskiert eine saftige Strafe, während die Hersteller und Händler der über 200 Kilometer schnellen Karossen nicht nur straflos bleiben, sondern obendrein auch noch mit einer überdurchschnittlichen Handelsmarge belohnt werden. Das ist nicht nur absurd, sondern auch volkswirtschaftlich völlig ineffizient. Denn wenn der Staat generell verbieten würde, Fahrzeuge in Verkehr zu bringen, die schneller fahren können als die gesetzliche Höchstgeschwindigkeit, könnte sich die Öffentlichkeit Tausende von Blech- sowie andern Polizisten sparen und obendrein die Verkehrs- und Unfallkosten um Milliarden reduzieren. Eine «eingebaute» Geschwindigkeitslimite von maximal 120 km/h würde den groben Verkehr zwar kaum slower machen. Aber sanfter. Und den sanften sicherer. Viel sanfter und sicherer als ein gut gemeinter «Slow Up»-Tag pro Jahr. |
| Slow Up
Murtensee und Rollerparade Neuchâtel, 8./9. Juni 2002:
Die
30 Kilometer lange, durchwegs asphaltierte Slow-Up-Route um den
Murtensee am Sonntag 8. Juni ist die gleiche wie in den letzten beiden
Jahren. Alle tangierten Strassen bleiben von 10 bis 17 Uhr für den
motorisierten Verkehr gesperrt. Die Eröffnungszeremonie beginnt um
10.30 Uhr in Nant am Fusse des Vully. Es wird empfohlen, den See im
Uhrzeigersinn zu umrunden, also über Murten Richtung Avenches.
Schiffskurse verbinden Vully und Murten, sodass auch eine halbe Runde
absolviert werden kann. Unterwegs ist für Verpflegung und Unterhaltung
gesorgt. |