
Lieber Herr Frönsäckler
Ihre Anfrage hat meine Gehirnzellen aus
dem Winterschlaf gerüttelt. Es ist Frühling, und ich bin zurück in alter
Form. Zum Thema. Ich möchte Ihnen zwei Fragen stellen: Wem soll der
Staat denn das Geld für die Velofahrenden geben? Sehen Sie: Im Falle der
Swiss drückte der Staat die Milliarden in die Hände von Herrn Dosé,
einem kompetenten Technokraten, welcher es dann brav gemäss Hierarchie
verteilt. Er spricht für den ganzen Betrieb, was ihm Gewicht am
Verhandlungstisch gibt. Die Velofahrenden dagegen sind viel stärker
fragmentiert, ihr Organisationsgrad ist gering, und die Hierarchien sind
äusserst flach, im Gegensatz zur vertikalen Organisation der
Grossunternehmen.
Weshalb ist in diesem Falle plötzlich das Prinzip
auf den Kopf gestellt? Der Widerspruch ist nur scheinbar. Die
VerbraucherInnen verbrauchen. Diejenigen, welche nicht verbrauchen, sind
verdächtig, denn sie kasteien ihr Eigeninteresse und machen sich
Gedanken, welche sie sich als Zahnräder in einer gut geschmierten
Wirtschaftsmaschinerie schlicht und einfach nicht machen sollten. Auf
diese Weise verschwenden sie viel Energie ausserhalb des
Produktionsprozesses. Aber unsere Gesellschaft braucht Produktion. Ob
diese Produktion effizient ist, spielt keine Rolle, je mehr, desto
besser, lautet die Maxime. Den Leuten muss schmackhaft gemacht werden,
mehr zu verbrauchen. Werbung allein kann dies nicht regeln. Der Staat
hat hier die Hauptrolle zu spielen, und deshalb subventioniert er Swiss.
Ich weiss, Herr Frönsäckler, dies scheint alles sehr komplex und
unlogisch, doch was wissen wir schon von diesen Dingen? Tun wir also
das, was wir gut können, und überlassen wir den Rest den Experten.
Herzlichst,
Ihr Dr. V. Love
Ihre Fragen an: Turn on JavaScript!" title="Frage an Dr. V. Love">Turn on JavaScript!