Sport
«Ich siege gerne»
velojournal im Gespräch mit Barbara Blatter, der zur Zeit weltbesten Mountainbikerin. Sie trainiert gerade im sonnigen Kalifornien. Ehrgeiz sei ihr in die Wiege gelegt worden, meint die Sportlerin, und sie freut sich über jeden errungenen Sieg. Bruno Angeli
velojournal: Barbara Blatter,
Sie weilen gerade in Kalifornien. Geniessen Sie dort den Sonnenschein?
Barbara
Blatter: Ja, ich hatte eine sehr gute Zeit hier in Kalifornien. Viel
Sonne und angenehme Temperaturen, nur einen Regentag in drei Wochen und
manchmal mehr als 30 Grad. Das Training ist so viel einfacher und
angenehmer. Die Muskulatur arbeitet optimal, und die Erholung ist
besser, wenn man das Gemüt nach dem Training einfach gehen lassen kann,
mit einem Drink auf der Terrasse sitzen, die müden Beine ausstrecken und
die Sonne geniessen kann.
Stellt sich nach drei Jahren
Bike-Profi-Dasein sowas wie Routine ein?
Ich habe soeben meine vierte
Profi-Saison begonnen. Das letzte Jahr war wirklich mehr ein
Routinejahr. Darum habe ich diesen Winter alles ganz anders gemacht. Ich
bin zwei Monate nicht auf dem Velo gesessen, habe das Rennvelo von
August bis Februar nicht angefasst. Dafür trainierte ich
abwechslungsreich mittels Nordic-Walking, Jogging, Langlauf und
Inline-Skating. Dies verschaffte mir eine gute Motivation für das
Aufbautraining auch mit dem Bike. Für die Zukunft wünsche ich mir noch
ganz viele solche Veränderungen, sie bringen Abwechslung.
Sie
gelten als ehrgeizig und trainingsfleissig. Was treibt Sie an?
Ich
bin sehr pflichtbewusst. Darum trainiere ich genau nach meinem Plan. Der
Ehrgeiz ist mir in die Wiege gelegt worden. Ich kann mich sehr gut auf
ein Rennen hin konzentrieren und ich gewinne gerne!
Sie sind viel
unterwegs, haben während der Saison kaum Freizeit. Wie erholen Sie sich
bei so vielen Reisen und Rennen vom anhaltenden Stress?
Am liebsten
treffe ich meine Freunde und spreche mit ihnen eigentlich über alles in
der Welt. Dann verweile ich auch sehr gerne in meinem ruhigen Garten.
Ich freue mich über jedes Gewächs. Im Garten fühlt sich meine Seele
einfach wohl.
Sind Sie als Mountainbike-Fahrerin eigentlich auch
an der Fahrrad-Technik interessiert?
Eigentlich gar nicht. Ich bin
aber froh, dass es genug Leute gibt, welche dieses Interesse aufbringen.
Es ist unglaublich, was es immer wieder für Fortschritte gibt. Davon
kann ich selbstverständlich auch profitieren,
Was muss man denn
als Bike-Profi-Frau an seinem Bike selbst reparieren können?
Die
Bremsen, Plattfüsse, Schaltung (manchmal) und die Kette.
Wenn Sie
nicht Bike-Profi wären, was wäre dann Ihr Wunschberuf?
Ha! Diese
Frage habe ich mir schon oft gestellt. Eigentlich bin ich ja
Kindergärtnerin und wurde nur zufällig Bike-Profi. Das war überhaupt
nicht mein Ziel. Wenn die Zeit kommt, werde ich dann wieder etwas
anderes tun. Vielleicht Profi-Freizeitsportlerin. Bis jetzt hat sich in
meinem Leben immer die richtige Türe geöffnet. Es braucht manchmal nur
etwas Geduld.
Interview Bruno Angeli