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Gefährlicher Feinstaub

Velofahrende sind nicht nur durch den immer dichter werdenden Verkehr und von immer massigeren PWs und Lastwagen bedroht. Eine unsichtbare Gefahr ist auch der zunehmende Feinstaub. Im Tessin kommen die Behörden nun deswegen erstmals unter massiven Druck.
Die winzigen Feinstaubpartikel erhöhen das Risiko, an Lungenkrebs oder einer Herzerkrankung zu sterben. Die Problematik wurde lange verniedlicht. Doch nun schlugen die Tessiner Umweltschützer erstmals zu und haben bei der Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige gegen Bundes-, Kantons- und Gemeindepolitiker eingereicht. Diese werden beschuldigt, durch ihre Verkehrspolitik die Gesundheit der Bevölkerung zu gefährden. Die zehn Umweltverbände und drei Grossräte begründeten ihre Klage damit, dass allein in diesem Winter im Südtessin an rund hundert Tagen das Doppelte des Grenzwertes von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft gemessen worden sei.

Die Gemeinde-, Kantons- und Bundespolitiker hätten nichts unternommen, um die Bevölkerung zu schützen, und damit gegen das Gesetz verstossen. Das kantonale Gesundheitsgesetz lege fest, dass der Staat die Gesundheit der Bevölkerung schützen müsse. Neben den drei Grossräten Bill Arigoni, Manuele Bertoli (beide SP) und Giorgio Canonica (Grüne) haben verschiedene Protestbewegungen sowie die Alpenschutzinitiative und die Tessiner SP die Klage unterzeichnet. Arigoni bezeichnete die Strafanzeige als eine neue Front im Kampf für den Umweltschutz.
In den USA wurde im März die bisher grösste und längste Studie zum Thema Feinstaub publiziert. Die Forscher verfolgten über einen Zeitraum von 16 Jahren eine halbe Million AmerikanerInnen in rund hundert Städten. Lebensstil, Ernährung und Zigarettenkonsum wurden mit der jeweiligen Luftqualität der Wohnorte verglichen. Das Fazit: Das Lungenkrebsrisiko eines Menschen, der in einem stark Feinstaub-belasteten Gebiet wohnt, ist gleich hoch wie der einer Person, die mit einem Raucher zusammenlebt. Als gefährlich erweist sich vor allem der PM-2,5-Staub, eine Mischung aus winzigen Schwebeteilchen, die vor allem bei der Verbrennung fossiler Energieträger entstehen. Die grössten dieser Staubpartikel messen 2,5 Mikrometer (zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist bis zu 100 Mikrometer dick.) Diese Kleinstpartikel dringen tief in die Lunge ein, weil sie zu klein sind, um in der Nase herausgefiltert zu werden. Sie lagern sich in der Lunge ab und konzentrieren sich dort. Die Wahrscheinlichkeit, an Lungenkrebs zu sterben, wächst pro zehn Mikrogramm PM-2,5-Staub/m3 Luft um acht Prozent.

Grenzwert längst überschritten
Die Gesamtmenge der «lungengängigen Feinstäube» wird heute überall gemessen. Als Höchstwert für das Jahresmittel gelten in der Schweiz 20 Mikrogramm (des grobkörnigeren) PM-10-Staubs/m3 Luft – was etwa 14 Mikrogramm PM-2,5 entspricht. Der Grenzwert werde in städtischen Gebieten in der Schweiz nicht mehr eingehalten, erklärte Ursula Ackermann-Liebrich, Leiterin des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Basel, gegenüber der «SonntagsZeitung». Entlang von Hauptverkehrsachsen misst man bereits 30 bis 40 Mikrogramm PM-10/m3 Luft. Verglichen mit den amerikanischen Ergebnissen bedeutet dies ein um rund 12 Prozent erhöhtes, tödliches Lungenkrebsrisiko. In der Schweiz geht man von rund 2000 Todesfällen aus, die bereits heute auf zu hohe Feinstaubbelastung zurückzuführen sind. Hauptquelle ist der zunehmende Verkehr. Dieselmotoren stossen besonders viele der Schwebeteilchen aus.

 

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