Dr. V. Love

Frage an Dr. V. Love

Als Velofahrerin ärgere ich mich darüber, dass ich immer als Letzte am Rotlicht hängen bleibe, mir die Auto-Blocher zuerst beim Anfahren die Nase vollstinken und dafür noch mit einer grünen Welle belohnt werden. Wohin soll ich mich mit meinen Anliegen wenden? Oder soll ich in die Anarchisten-Fraktion hinüberwechseln und auch bei Rot durchfahren?
Elisabeth Brennwalder aus Q.

Liebe Frau Brennwalder
Sie sprechen einen sehr schwierigen Punkt an. Sie sprechen von Zahnrädchen, welche das Funktionieren der Maschine zu ändern versuchen. Sie sprechen von einem Aufstand der Schwachen gegen die Starken, vom Kampf David gegen Goliath. Die Analogien sind klar: VelofahrerInnen sind auf den Strassen nur geduldet, ihnen wurde ein schmaler Streifen gegeben, dessen Grenzen ständig verletzt werden, und es ist politisch fast nicht möglich, mehr zu verlangen. Ich muss es Ihnen leider sagen: Die Schlacht gegen die Autos haben wir verloren.
Lassen Sie mich die Komplexität und Ausweglosigkeit der Situation erklären. Sie haben in Ihrem Fall einige Möglichkeiten:
• Sie können bei Rot auf die Kreuzung fahren, doch seien Sie vernünftig. Sie müssen diese politische Botschaft möglicherweise mit ihrem Leben bezahlen. Es ist ein trauriges Naturgesetz, dass Blech härter ist als Fleisch.
• Sie können einen Hackerangriff gegen die städtische Verkehrsleitzentrale starten, doch dies erfordert Wissen, welches Sie vermutlich nicht haben. Sollten Sie beschliessen, die Dienste einer terroristischen Hackergruppe in Anspruch zu nehmen, landen Sie sofort auf Donald Rumsfelds schwarzer Liste und sind zum Abschuss freigegeben. Ein Risiko, das Sie als normale Bürgerin nicht eingehen wollen.
• Die dritte Möglichkeit besteht darin, möglichst viele Velofahrer zusammenzubringen, mit denen Sie die Kreuzungen blockieren können. Aber erstens einmal ist die Solidarität und Militanz unter den Velofahrenden nicht mehr das, was sie einmal war, zweitens sind Sie vermutlich keine charismatische Führerin, welche sich eine loyale Velo-Schocktruppe leisten könnte, und drittens würden Sie wieder auf Donalds Liste landen.
Es ist eine schwierige Situation, und für uns normale Bürger bleiben nur zwei Möglichkeiten: Wir können den Marsch durch die Institutionen wagen, oder wir können den Mund halten und die Dinge so akzeptieren, wie sie sind. Es ist an Ihnen, zu entscheiden.

Es grüsst freundlich, Ihr Dr. V. Love

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