Dr. V. Love

Frage an Dr. V. Love

Kürzlich landete ich unversehens auf der Kühlerhaube eines BMW 636, dessen Fahrerin, aus einer Einfahrt einbiegend, mich schlicht übersehen hatte. Die schicke Dame fragte mich, warum ich nicht gebremst hätte. Zum Glück regelte dies die Polizei mit einer saftigen Busse für die uneinsichtige Dame. Einige Tage später schnitt mir ein Sportwagenfahrer den Weg ab. Auf mein Fluchen hin öffnete sich die Fahrertür, und ein beflaumtes Bubi quäkte «Wasch los?». Auf meinen Hinweis auf das Velozeichen am Boden machte er eine aggressive Handbewegung und fuhr weiter. – Inzwischen frage ich mich: macht Autofahren, exzessiv angewandt, dumm?
Heiner Holschmeyer, Zürich


Lieber Herr Holschmeyer
Die Autofahrsucht ist ein komplexes Phänomen, für welches vor allem sozio-ökonomische Faktoren verantwortlich sind. Prestige, Glanz, Geschwindigkeit, Power, Sexualität, American Way of Life, Männlichkeit, Individualismus. Die Sucht ist weit verbreitet, dagegen anzukämpfen ist nicht länger möglich. Denn wer will ohne Automobile einen Krieg führen? Ausserdem gehören sämtlich Führer dieser Welt zu den Süchtigen, sprich zum Feind.
Autofahren verleitet das Gehirn dazu, Serotonin («das Glückshormon», alias «Aphrodisiakum») auszuschütten. Die Verbindung von Serotonin und den physikalischen Konditionen in einem Auto, dazu mit Hitze, produzieren im Gehirn eine Kurzschlussreaktion. Sie führt oft zu Gewaltausbrüchen und fatalen Begegnungen. Sie hatten Glück, im Winter «aufgeladen» zu werden, im Sommer hätte die Dame wohl das Gaspedal durchgedrückt.
Also, verurteilen Sie die Autofahrer nicht, denn sie sind nicht Herren ihrer Sinne! Bemitleiden Sie sie! Werden Sie von einem Auto angefahren, halten Sie doch auch noch die andere Seite des Fahrrads hin, denn jeder Widerstand ist zwecklos. 

 

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