
Einen eigenen Weg geht das Simpel «Wegwärts». Dieses einzig über das
Internet vertriebene Velo macht sich seinen Markennamen zum Konzept:
einfach und wartungsarm soll es sein. Erreicht wird dies durch die in
die Radnaben integrierte und damit geschützte Schaltung, Bremsen und
Dynamo sowie durch den Verzicht auf Federung. Ähnliche Konzepte gibts
auch von Villiger und Cresta. Alle getesteten Velos sind auf einem
Aluminiumrahmen aufgebaut (Ausnahme: Villiger Leventina). Durchs Band
werden auch so genannte V-Brakes-Felgenbremsen verbaut, welche sehr
kräftig zupacken können (die Ausnahme hier: Simpel Wegwärts bremst mit
der etwas schwächeren, dafür wetterunabhängigen Shimano Rollerbrake).
Komfort kostet
Auf
das Komfortbedürfniss der Kundschaft hat die Veloindustrie schnell
reagiert: Federgabel und/oder gefederte Sattelstütze finden sich an den
meisten Testvelos. Der tatsächliche Komfortgewinn durch eine Federgabel
war aber in der Praxis eher gering, einige Modelle federten kaum ein.
Das mag zum einen an den kalten Temperaturen während unseres Tests
gelegen haben (in den meisten Federgabeln sind Elastomere verbaut, die
bei Kälte härter werden), die Testcrew vermutet aber, dass keine der
Gabeln einer 50 kg leichten (oder leichteren) Fahrerin einen echten
Komfortgewinn bereiten wird.
Wer sich eine Federung wünscht, sollte
also mit Bedacht vorgehen: Sie lohnen sich in der Preisklasse der
getesteten Räder (zwischen 959 und 1299 Franken) nur für FahrerInnen,
die dem Idealgewicht von 70-80 kg entsprechen und/oder nicht sehr
aufrecht sitzen (andernfalls sich vorher vergewissern, ob weichere
resp. härtere Federn oder Elastomere tatsächlich lieferbar sind). Zudem
ist zu beachten, dass die Relevanz einer Federung bei Geschwindigkeiten
unter 20 km/h deutlich abnimmt.
Bei den gefederten Sattelstützen war das Bild anders: Die
Funktionsweise war bei den meisten gut. Für sehr leichte oder schwere
Personen lohnt sich die Sattelstütze aber nur dann, wenn der Händler
passende Federn/Elastomere besorgen kann.
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Diese Übersicht als |
Knackpunkt Licht
Deutliche
Unterschiede zeigten die Alltagsvelos bei der Beleuchtung: Richtig
zuverlässig funktioniert haben bei den winterlichen Testbedingungen nur
der Shimano Nabendynamo. Die Seitendynamos rutschen bei Nässe oder
Matsch schnell mal durch. Während bei Scheinwerfern und Rücklichtern
fast durchwegs gute Komponenten montiert sind (Halogenlampe vorne ist
Standard, Standrücklicht fast), mag die Verkabelung noch nicht ganz zu
befriedigen. Das Ideal, durchgehende, zweiadrige Kabel vom Dynamo bis
zur Lampe, hat kein Velo erfüllt. Meist werden zur Stromführung die
Leiterbahnen der Schutzbleche benutzt, was bei intensivem
Allwettergebrauch nicht selten Auslöser für Lichtpannen wird.
Für
die Tester absolut unverständlich war die Ausrüstung des Villiger
Leventina. Um sich die Verkabelung des Rücklichtes zu sparen, wurde
hier der zuverlässige Nabendynamo mit einem Batterierücklicht
kombiniert (beim Tigra Excellence gibts diese Kombination mit einem
Seitendynamo und auch andere Hersteller benützen inzwischen die
Kombisysteme). Fazit: VelofahrerInnen müssen zum Ein- und Ausschalten
des Lichtes vom Velo steigen und zwei Schalter betätigen. Da geht
leicht eine Beleuchtung vergessen, zudem muss an den Batterienachschub
gedacht werden. Besonders dumm: Der eigens dafür in der Leistung
reduzierte Nabendynamo lässt eine spätere Verkabelung des Rücklichtes
nicht zu.
Wie viele Gänge braucht der
Mensch?
Wer
keine schweren Lasten zu transportieren und/oder keine grossen
Steigungen zu bewältigen hat, wird mit einem smarten 7- oder
8-Gang-System gut zurecht kommen. Doch mit einem Kinderanhänger oder am
steilen Berg kommt man um eine 21- oder 24-Gang-Schaltung nicht herum.
Die 7-Gang-Nabenschaltung (im Test die Nexus von Shimano) besticht
durch die vollständig gekapselte Bauweise. Die 8-fach-Kettenschaltung
am BMC schafft ein ordentlich grosses Spektrum, und dies bei
einfachster Bedienung und geringem Gewicht. Sie ist eine echte
Alternative für sportliche Fahrer oder für «Flachländler».
Sehr
überzeugt hat auch das SRAM DualDrive am Tour de Suisse T 1000. Die
Kombination aus Ketten- und Nabenschaltung lässt sich einhändig
schalten, die drei grossen Stufen der Nabenschaltung auch im
Stillstand, was insbesondere am Rotlicht praktisch ist. Wenn nun SRAM
auch noch einen Schaltgriff für die Linkshänder und für kleine Hände
anbietet, dann ist dieses System perfekt.
MTB-Hersteller auf dem Alltagsmarkt
Immer
mehr grosse Mountainbike-Firmen beginnen sich – wohl aufgrund von
Absatzrückgängen im Sportbereich – stärker für Alltagsvelos zu
engagieren. Doch auch bei den Schweizer Herstellern hat sich einiges
geändert: Zwar findet sich auf fast jedem Velo noch ein
Schweizerkreuzlein, da aber der Rahmen, z.T. sogar die Montage, in
Fernost erledigt werden, wird «swiss-made» zunehmend durch
Wortschöpfungen wie «swiss design» oder «swiss finish» ersetzt. Einzig
Villiger mit Schweizer Rahmenproduktion darf noch «swiss handmade»
verwenden. Und doch heben sich «Schweizer Produkte» immer noch ab. Zum
Beispiel mit qualitativ sehr hochwertigen Gepäckträgern, Ständern,
Schlössern und Schutzblechen. Tour de Suisse und BMC (und teils auch
Canyon) gehen sogar noch einen Schritt weiter und nutzen die
KundInnen-Nähe: Diese dürfen aus einer Vielzahl von Optionen auswählen
und das Velo auf ihre Bedürfnisse trimmen, inklusive Lieblingsfarbe.
Fazit
Für durchschnittlich 1100 Franken bekommen Herr oder Frau Schweizer zur
Zeit ganz schön viel Velo. Das Testfeld liegt nahe beieinander, weshalb
velojournal auf Kaufempfehlungen verzichtet. Die Tabelle zeigt, welches
Modell sich für welchen Einsatz am besten eignet. So bleibt die Wahl
zwischen einem sportlichen, sehr leichten, dafür etwas spartanisch
ausgerüsteten Stadtflitzer, einem auf Wartungsarmut, dafür mit etwas
beschränktem Gangspektrum konzipierten «Sorglos»-Velo oder einem gut
ausgerüsteten Universalvelo. Wer sein Velo allerdings ausgiebig
beansprucht (täglich mehr als 5 km das ganze Jahr und/oder ernsthafter
Toureneinsatz) tut gut daran, etwas mehr zu investieren: Für solche
Einsätze stossen die getesteten Modelle alle an Grenzen.
| Tipps l Suchen Sie sich ein Fachgeschäft, das Probefahrten möglich macht und Sie ehrlich und kompetent berät. Ein guter Velohändler findet die richtige Rahmengrösse und bietet auch den Tausch von Lenker und Sattel an, falls diese nicht passen sollten. Kein Velosattel passt auf jeden Po. l Machen Sie unbedingt Testfahrten mit verschiedenen Modellen (auch wenn Grösse oder Farbe nicht stimmen sollten). Achten Sie auf Federung, Schaltung, Sitzposition, Lenker, Sattel. Sie werden herausfinden, auf welchem Modell sichs angenehm fährt, welches Ihnen passt. Und: Ein Velo besteht aus Einzelteilen. Meist lässt sich der Lenker A auch aufs Velo B montieren.
l
Prüfen Sie Federgabel und gefederte Sattelstützen mit Ihrem Gewicht.
Wenn Sie auf einer Probefahrt nichts davon spüren, fragen Sie, ob
weichere Federn/Elastomere erhältlich sind. Wenn nicht, investieren
Sie
ihr Geld besser in andere Komponenten, z.B. in einen Nabendynamo. |