Schwerpunkt

Velo-City 2001

Helm-Kampagnen drücken auf die Velobenutzung, Kinder und ihre Eltern sollen bei Verkehrsprojekten aktiver mitreden, und wieso zahlt die Autoindustrie nichts an die Veloförderung? Hier ein paar Stichworte aus den Diskussionen an der diesjährigen Velo-City-Konferenz. Käthi Diethelm, Kathrin Schweizer
Letztes Jahr bei der Velo-City-Konferenz in Amsterdam fühlten wir uns auch draussen auf der Strasse gut. Diesmal, in Edinburgh, kamen wir uns bei unseren ersten Fahrversuchen im Linksverkehr vor wie AnfängerInnen. Zwar existieren gemischte Bus-Velo-Spuren, aber die Busse überholten oft unberechenbar und unerwartet. Jede Kreuzung war eine Herausforderung. Keine einzige Einbahnstrasse ist für Velo-Gegenverkehr offen. Immerhin gab es beim Kongressgebäude genügend Veloständer. Das Bild trügt allerdings: Nach der Konferenz wird man sie wieder vergebens suchen!

Velo-City 2001 widmete sich fünf Themen: Nachhaltiger Transport und Planung, Kinder und Mobilität, Umwelt und Raumplanung, Tourismus und Wirtschaft, Gesundheit und Wellness. Zur Sprache kamen auch Velohelme. Die Statistiken zu Helmtragequoten zeigen zwar einen Rückgang der Verletzten bzw. Toten, gleichzeitig aber auch einen Rückgang des Veloverkehrs. Für die einzelnen Velofahrenden reduziert sich damit die Wahrscheinlichkeit, sich schwer zu verletzen, nicht. Allein Helmkampagnen (auch ohne Obligatorium) bewirken laut dieser Statistiken eine Abnahme des Veloverkehrs.
Velofahren und nicht nur davon reden, hiess das Motto des Kongresses. Von Edinburgh, wo der Kongress begonnen hatte, fuhren die TeilnehmerInnen nach Glasgow, auf einem Treidelpfad entlang eines Kanals. Damit dieser Pfad als Veloroute angepriesen werden kann, braucht es allerdings noch einige Investitionen. Oft ist Kreuzen nur schon mit einem Fussgänger ein Abenteuer – immer mit der Aussicht auf ein ungewolltes Bad!
Zum Thema «Kinder und Mobilität» stellte die IG Velo Schweiz die Velofahrkurse vor. Unsere Bemühungen liegen im Bereich Ausbildung und Motivation. In anderen Ländern stehen Infrastrukturmassnahmen im Vordergrund. Die Konferenz war sich einig, dass in Zukunft alle Beteiligten, insbesondere Eltern und Kinder, noch stärker bei Velo- und Verkehrsprojekten mitwirken sollen. Und die Eltern sollen als Vorbilder motiviert werden.

Exotische Transportarten
Ein philippinischer Kollege stellte eine Untersuchung über indigene Transportarten in Manila vor: Mit selbstgebastelten Wagen werden die Gleise der lokalen Bahn benutzt! Zwar fahren nur morgens und abends ein paar Züge, und die gelten bei den BenutzerInnen auch als sicher, doch die Fahrten sind illegal und Unfälle, auch tödliche, sind nicht selten. Weil für die mittellosen BewohnerInnen der Aussenquartiere von Manila diese Transporte zur Überlebensstrategie gehören, sollte man sie nicht verbieten, sondern sicherer machen. Aber wie sicher? Welcher Standard soll gelten?
An der Velo-City-Konferenz wurde auch der «Falco Lecture Prize» verteilt. Gewonnen hat ihn Michael E. Jackson aus den USA. «Wir müssen mehr für die Veloförderung werben», sagte er. Niemand widersprach, aber es stellte sich die Frage: Woher nimmt man das Geld für grosse Kampagnen? Jacksons Antwort: «Die Autoindustrie wirbt weltweit für 40 Mrd. Dollar jährlich. Wenn die Tabakindustrie gezwungen werden kann, Gesundheitsprojekte zu unterstützen, warum soll Ähnliches bei der Autoindustrie nicht auch möglich sein?» Die Veloförderung braucht keine riesigen Summen, aber eine ständig präsente Werbung.
Eines machte der Kongress klar: Eine Velo-Infrastruktur auf der Strasse genügt allein nicht. Erst die Vernetzung führt zum Erfolg. Zentral sind dabei Information und Werbung – als Daueraufgabe.

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