
Velo-City 2001
widmete sich fünf Themen: Nachhaltiger Transport und Planung, Kinder
und Mobilität, Umwelt und Raumplanung, Tourismus und Wirtschaft,
Gesundheit und Wellness. Zur Sprache kamen auch Velohelme. Die
Statistiken zu Helmtragequoten zeigen zwar einen Rückgang der
Verletzten bzw. Toten, gleichzeitig aber auch einen Rückgang des
Veloverkehrs. Für die einzelnen Velofahrenden reduziert sich damit die
Wahrscheinlichkeit, sich schwer zu verletzen, nicht. Allein
Helmkampagnen (auch ohne Obligatorium) bewirken laut dieser Statistiken
eine Abnahme des Veloverkehrs.
Velofahren und nicht nur davon reden, hiess das Motto des Kongresses.
Von Edinburgh, wo der Kongress begonnen hatte, fuhren die
TeilnehmerInnen nach Glasgow, auf einem Treidelpfad entlang eines
Kanals. Damit dieser Pfad als Veloroute angepriesen werden kann,
braucht es allerdings noch einige Investitionen. Oft ist Kreuzen nur
schon mit einem Fussgänger ein Abenteuer – immer mit der Aussicht auf
ein ungewolltes Bad!
Zum Thema «Kinder und Mobilität» stellte die IG Velo Schweiz die
Velofahrkurse vor. Unsere Bemühungen liegen im Bereich Ausbildung und
Motivation. In anderen Ländern stehen Infrastrukturmassnahmen im
Vordergrund. Die Konferenz war sich einig, dass in Zukunft alle
Beteiligten, insbesondere Eltern und Kinder, noch stärker bei Velo- und
Verkehrsprojekten mitwirken sollen. Und die Eltern sollen als Vorbilder
motiviert werden.
Exotische Transportarten
Ein
philippinischer Kollege stellte eine Untersuchung über indigene
Transportarten in Manila vor: Mit selbstgebastelten Wagen werden die
Gleise der lokalen Bahn benutzt! Zwar fahren nur morgens und abends ein
paar Züge, und die gelten bei den BenutzerInnen auch als sicher, doch
die Fahrten sind illegal und Unfälle, auch tödliche, sind nicht selten.
Weil für die mittellosen BewohnerInnen der Aussenquartiere von Manila
diese Transporte zur Überlebensstrategie gehören, sollte man sie nicht
verbieten, sondern sicherer machen. Aber wie sicher? Welcher Standard
soll gelten?
An der Velo-City-Konferenz wurde auch der «Falco
Lecture Prize» verteilt. Gewonnen hat ihn Michael E. Jackson aus den
USA. «Wir müssen mehr für die Veloförderung werben», sagte er. Niemand
widersprach, aber es stellte sich die Frage: Woher nimmt man das Geld
für grosse Kampagnen? Jacksons Antwort: «Die Autoindustrie wirbt
weltweit für 40 Mrd. Dollar jährlich. Wenn die Tabakindustrie gezwungen
werden kann, Gesundheitsprojekte zu unterstützen, warum soll Ähnliches
bei der Autoindustrie nicht auch möglich sein?» Die Veloförderung
braucht keine riesigen Summen, aber eine ständig präsente Werbung.
Eines machte der Kongress klar: Eine Velo-Infrastruktur auf der Strasse
genügt allein nicht. Erst die Vernetzung führt zum Erfolg. Zentral sind
dabei Information und Werbung – als Daueraufgabe.