Schwerpunkt
Slow Cities: Gemütlich essen auf der Piazza
In den Städten ist Langsamverkehr angesagt. Mit Bypad gibt es ein Instrument zur Qualitätssicherung von Velomassnahmen. Drei Dutzend italienische (Klein-)Städte gehen das Thema emotionaler an: als «Città Slow». René Hornung
Es gibt Leute, die das gehetzte Alltagstempo
hassen und bewusst einen Gegenpol setzen. In Italien haben sich
inzwischen 32 Städte zur Organisation «Citta Slow» zusammengeschlossen.
Man versuche so, der «Amerikanisierung» und der Globalisierung in der
Stadtentwicklung etwas entgegen zu setzen, erklärt Paolo Saturini, der
Bürgermeister von Greve/Chianti und einer der Mitgründer «Slow
City»-Vereinigung.
Gemeinden, die sich dem Projekt
anschliessen, verpflichten sich, das reiche kulturelle, kulinarische
und künstlerische Erbe zu bewahren. Beim Transport hat der
Langsamverkehr Vorrang. Die Autos bleiben auf Parkplätzen oder in
Parkhäusern am Stadt- resp. Cityrand. Fussgängerzonen werden ausgebaut
und Velowege signalisiert. Plätze und Pärke werden begrünt und der
Lärmpegel soll gesenkt werden, deshalb werden unter anderem
Auto-Alarmanlagen in den «Slow Cities» verboten. Auch ästhetische
Massnahmen stehen auf dem Programm: Die Fernsehantennen-Wälder sollen
von den Dächern verschwinden und Plakate und Neonreklamen werden
demontiert.
Zum
«Slow City»-Konzept gehört auch eine konsistente Umweltpolitik,
basierend auf der auch bei uns bekannten Agenda 21: Erneuerbare
Energie, recyclierbare Materialien und ein ökologisches Transportsystem
sind die dazu gehörenden Stichworte.
Sie machen
mit
Asti (Piemont), Bra (Piemont), Canale (Piemont)
Castelnuovo Berardenga (Toscana)
Castelnuovo Garfagnana (Toscana)
Castiglione del Lago (Umbrien)
Chiavenna (Lombardei)
Città del Castello (Umbrien)
Civitella in Val di Chiana (Toscana)
Francavilla (Abruzzen)
Greve in Chianti (Toscana)
Loreto (Marken)
Martinafranca (Apulien)
Massa Marittima (Toscana)
Medea (Friaul)
Orvieto (Umbrien)
Palestrina (Latium)
Penne (Abruzzen)
Positano (Kampanien)
Rivello (Basilicata)
San Daniele del Friuli
San Miniato (Toscana)
San Vincenzo (Toscana)
Sangemini (Umbrien)
Satriano (Basilicata)
Teglio (Lombardei)
Todi (Umbrien)
Trani (Apulien)
Trevi (Umbrien)
Urbino (Marken)
Viareggio (Toscana)
Zibello (Emilia Romagna) |
Die
«Slow City»-Bewegung ist 1999 in Orvieto gegründet worden und aus der
«Slow Food»-Bewegung entstanden, die in Italien bereits 1986 startete.
Anlass war die Eröffnung eines neuen McDonalds neben der spanischen
Treppe in Rom. Die «Slow Food»-Bewegung will die Freude am Essen
fördern und setzt auf lokale und saisonale (Bio)-Produkte – auch dies
ein Gegenpol zum amerikanischen Fastfood. Weltweit zählt «Slow Food»
rund 60’000 Mitglieder und ist in zwei Dutzend Ländern präsent – auch
in den USA. Mit dabei ist unter anderem auch die deutsche Stadt
Hersbruck in Mittelfranken, die – ebenfalls aus der «Slow
Food»-Bewegung heraus – das Konzept der «Slow City» übernommen hat.
Dass «Slow City» die Entwicklung nicht zurückdrehen kann – und auch
nicht will – ist für den Mitbegründer Paolo Saturini völlig klar. Für
Neuerungen wie Internetzugang ist er sehr empfänglich, schliesslich
ermöglicht der neue Kanal Werbung für die Bewegung. Auf der Piazza
herumliegende Cola-Büchsen aber duldet er in Greve/Chianti keine.
Die
«Slow City»-Idee ist aus der «Slow Food»-Bewegung heraus entstanden
(links). Italienische (Klein-)Städte setzen auf traditionelle Werte und
Ortsbilder. (Bild rechts: Vigaveno in der Poebene).