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Kinder des Solex

Noch vor wenigen Jahren verlangten E-Bikes mit manchen Macken viel Idealismus von ihren BesitzerInnen. Aber die Zeiten haben sich geändert. Das zeigt der Vergleichstest mit elf E-Bikes im Basler Pendlerverkehr. Die Unterschiede sind erheblich, doch eigentliche Mängel sind passé. Laurens van Rooijen



Ist es Hexerei, wenn Gümmeler von shoppenden Hausfrauen «abgehängt» werden? Nein, bloss die Demonstration eines der Trümpfe von E-Bikes, bei denen ein Elektromotor beim Treten mithilft. Ob beim Anfahren, beim Ziehen eines Anhängers oder in kurzen, steilen Anstiegen: Die Leichtigkeit, mit denen sich E-Bikes trotz ihres Gewichts beschleunigen und fortbewegen lassen, ist schwer zu beschreiben – sie muss, im wörtlichen Sinn, erfahren werden.

Für UmsteigerInnen sind Velos mit Hilfsmotor attraktiv, weil bei Fahrten in Anzug oder Deux-Piece keine Schweissbäder drohen. Untrainierte profitieren am meisten. Die Verkaufszahlen von 1999 zeigen, dass es längst nicht mehr um Nischenprodukte geht: Wurden in der Schweiz knapp 1000 E-Bikes verkauft, so waren es in Japan 20’000, in Europa 40’000 und in China sogar 80’000.

E-Bikes als Agglomerations-Flitzer
Emissionsfrei, energieeffizient und mit geringstem (Park-)Platzbedarf: E-Bikes sind wie für den Pendlerverkehr geschaffen. Darum wollte die Energiefachstelle des Amtes für Umwelt und Energie Basel-Stadt sich und potenziellen InteressentInnen einen Überblick über das wachsende Angebot verschaffen. Eine repräsentative Auswahl von elf in der Schweiz erhältlichen E-Bikes wurde von der Agentur für Energieeffizienz und der Basler Firma Elektro Fahrzeug Service auf ihre Praxistauglichkeit hin beurteilt.

Die Tests im Alltagsverkehr
Die folgenden Kriterien standen dabei im Zentrum: Fahrverhalten im Agglomerationsverkehr, Handhabung und Alltagstauglichkeit. Neben der Möglichkeit, Kindersitze, Gepäckträger oder Anhängerkupplungen zu montieren, wurden im Labor Gewicht, Ladezeiten und Leistung der Elektromotoren gemessen.
Während einer Woche fuhr eine fünfköpfige Testgruppe die Bikes auf einer festen Route. Alle Testpersonen – zwei Frauen und drei Männer zwischen 32 und 70 Jahren – sind zumindest Gelegenheits-VelofahrerInnen und repräsentieren das Zielpublikum.
Neben der Handhabung der Batterieladung wurde das Fahrverhalten der E-Bikes im Alltag beurteilt. Dafür wurden alle Facetten des Pendlerverkehrs in die Teststrecke eingebaut: Stop-and-Go-Verkehr, kurze Steigungen, Einfügen in den Verkehrsfluss sowie längere, schnelle Passagen. Als Härtetest wurde zudem mit vollem Akku zu einer Tour auf den Basler Hausberg St. Crischona gestartet. Dieses «Leerfahren» gab nicht nur Aufschluss über die Reichweite, sondern auch über das Fahrverhalten auf langen flachen Strecken und im Anstieg.

Drei Fragen an Stefan Bracher, Geschäftsleiter E-Bike-Center, Bern:




Gibt es so etwas wie typische E-Bike-KundInnen?
Generell sind KäuferInnen von E-Bikes über 35 Jahre alt. Auffallend ist der hohe Anteil von Frauen, die gut 50 Prozent der Kundschaft ausmachen. Von den Berufen her ist alles vertreten: vom «Büezer» übers mittlere Kader und Unternehmer bis zum über 80-jährigen Professor.

Welches ist der angestrebte Einsatzbereich?
In den allermeisten Fällen geht es um täglich zurückzulegende Pendlerstrecken mit einer Distanz von drei bis maximal 25 Kilometern. Oft gestalten auch Familien ihre Ausfahrten mit dem Kinderanhänger dank E-Bikes weniger schweisstreibend.

Wie sind Sie mit dem Verkauf zufrieden?
Positiv für uns Fachhändler ist, dass es im Segment der E-Bikes weder einen Graumarkt noch Preiskämpfe gibt. Als E-Bike-Center legen wir Wert auf eine gründliche Instruktion der Kundschaft – und zwar vor der Auslieferung. Wir üben den Ausbau und das Einsetzen des Akkus sowie andere Handgriffe. Das erspart der Kundschaft Schäden durch falsche Handhabung und viel Ärger.
Wichtige Akkupflege
Die Testdauer lässt allerdings keine Aussagen zur Zuverlässigkeit der Antriebseinheiten und zu den Akkus zu. Deren Lebenserwartung ist nur bei korrekter Behandlung und mit Hilfe schlauer Ladegeräte zu erreichen. Sonst droht das vorzeitige Aus durch den «Memory-Effect». Das kann ins Geld gehen und schadet vor allem der Umwelt, denn die meisten E-Bikes beziehen ihren «Saft» aus Nickel-Cadmium-Zellen, die irgendwann auf dem Sondermüll landen. Nur zwei Testräder (Merida, Yamaha PAS Easy) fahren mit weniger problematischen Nickel-Metallhydrid-Akkus. Das Testergebnis zeigt, was schon im velojournal-Test letztes Jahr (vj 3/2000) deutlich wurde: Hinter dem Begriff «E-Bike» stehen sehr unterschiedliche Konzepte für unterschiedliche Zielgruppen. Alle getesteten E-Bikes sind in der Schweiz als Motorfahrräder zugelassen: Sie brauchen ein gelbes Nummernschild, zudem ist ein Fahrausweis für Mofa oder Auto Pflicht. Freiwillig – aber empfehlenswert – ist ein Velohelm.





Die Elektro-Mofas
Beim Heinzmann und beim Tour de Suisse wird die Verwandtschaft zum Velosolex am deutlichsten. Bei ihnen wird der Schub des Motors unabhängig von der Tretbewegung über einen «Gasgriff» dosiert. Als einzige im Testfeld liefern die Nabenmotoren dieser beiden Räder ihre Leistung unabhängig von der Tretbewegung: Damit können sie auch als Elektro-Mofa gefahren werden. Dies und der bei beiden Rädern sehr tiefe Durchstieg kommt Mobilitätsbeeinträchtigten entgegen.

Die Gemütlichen
In Japan und im EU-Raum darf der Motor bloss bis zu einem Tempo von 20 km/h respektive 24 km/h mitdrehen. Vor allem die PAS-Modelle von Yamaha sind wegen der (zu) knappen 4-Gang-Schaltung und schwacher Bremsen in ihrem Einsatzbereich beschränkt. Und auch für die Räder von Mondia, Merida und Kynast gilt trotz breiterer Gangauswahl: Ihr Motor hilft vor allem beim Anfahren, ermöglicht dagegen kaum eine höhere Geschwindigkeit. Klar im Vordergrund steht die Vermeidung von Belastungsspitzen.

Die Schnellen
Neue Bereiche punkto müheloser, schneller Fortbewegung erschliessen die Modelle der schweizerischen Hersteller Velocity und BK Tech, allerdings auch zu einem höheren Preis. Weil die beiden Firmen ihre Produkte auf Basis der hiesigen Gesetze entwickelt haben, setzt die Unterstützung des Elektromotors – wenn überhaupt – erst deutlich jenseits von 30 km/h aus. Die Folge: Einigermassen Trainierte sind entsprechend rasant unterwegs. Eigentlich nur konsequent, wenn an solch sportlichen E-Bikes Scheibenbremsen montiert werden – wie am BK Tech Flyer F6 Deluxe.
Die Bewertungstabelle ist eine summarische Zusammenfassung der subjektiven Eindrücke der Testgruppe. Die qualitative Rangfolge wurde dabei nicht angetastet. Die detaillierten Resultate können bei der Energiefachstellle der Stadt Basel bestellt oder übers Internet runtergeladen werden.





















www.e-mobile.ch/d/presse/pressetexte/2001/E-Bike-Test_SAFE.html

Anlässlich des sun21-Festivals stehen am 22. September 2001 auf dem Basler Barfüsserplatz von 11–18 Uhr alle elf Modelle zum Praxistest bereit.

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