Schwerpunkt

Erste Ergebnisse aus den Versuchsstädten

In einem fünfstufigen Verfahren werden mit Mitteln des Qualitätsmanagements die Velomassnahmen im «Bypad»-Projekt geplant, durchgeführt und kontrolliert. In den Versuchsstädten wird das Verfahren durchaus positiv bewertet. Ursula Lehner-Lierz
Die bisherigen Erfahrungen mit den Städte-Audits sind positiv. Sie zeigen eine grosse Vielfalt sehr verschiedener Ansätze. Positiv werden vor allem die Konsensgespräche bewertet, in denen PolitikerInnen, Velobeauftragte und NutzerInnen mit ihren unterschiedlichen Einschätzungen konfrontiert werden. Dort gibt es Gelegenheit, die eigene Politik zu reflektieren.

Ferrara
Mit 31 Prozent Veloanteil ist die Stadt in der Po-Ebene nicht nur ein statistischer Ausreisser in Italien, sondern gehört auch in Europa zu den führenden Velostädten. Das Velo hat hier eine ungebrochene Tradition und wird seit jeher als integraler Bestandteil des Verkehrssystems angesehen. Eine aktive Velopolitik gibt es aber erst seit 1995. Traditionelle Veloinfrastruktur sucht man in Ferrara vergeblich. Als besonders effektiv hat sich die Schliessung des historischen Stadtzentrums für Autos und Töffs erwiesen. Dabei fehlen in Italien die Vorbilder und die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind ungünstig. Subventionen gibt es erst seit kurzem. Ferrara aber zeigt grosse Kreativität bei der Suche nach Partnern für Kooperation und zur Mitfinanzierung. Internationaler Wissens- und Erfahrungsaustausch haben hier einen hohen Stellenwert.

Troisdorf
Der mittelgrossen deutschen Stadt Troisdorf bei Köln ist es gelungen, durch Bündelung der Kräfte und eine abgestimmte Politik in kurzer Zeit (1989-1996) den Veloanteil von 16 auf 21 Prozent zu steigern – bei gleichzeitiger Reduktion des Autoverkehrs (–5%) und signifikanter Verbesserung der Verkehrssicherheit. Mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen hat das «Fahrradfreundliche Troisdorf» ein Velonetz, Wegweisung und ein neues Parkkonzept realisiert – alles begleitet durch intensive Kommunikation und Aufklärung an die Adresse der Bewohner. Nach Beendigung des Projekts und angesichts der neuen politischen Mehrheiten im Stadtparlament gilt es nun die Kontinuität zu wahren und die erzielten Erfolge durch bessere Verankerung in Rat und Verwaltung zu halten und auszubauen.

Zwolle
Für 40 Prozent aller Wege nehmen die BürgerInnen im niederländischen Zwolle das Velo. Für Strecken bis 5 km sogar für jeden zweiten Weg. Das Velo ist Massstab der Stadtplanung. Konsequent wird darauf geachtet, dass die Wege kurz bleiben und Alltagsziele in Velo-Entfernung liegen. Restriktive Autoparkpolitik bringt nicht nur Wettbewerbsvorteile fürs Velo; sie stärkt auch kontinuierlich die finanzielle Basis für weitere Massnahmen. Mit Auswertung, Monitoring und Bürgerbeteiligung wird sichergestellt, dass wirklich wirksame Massnahmen getroffen werden.

Die BYPAD-Entwicklungsspirale

Bypad unterscheidet fünf Entwicklungsstufen:

  1. Ad-hoc-Ansatz: Es wird da gehandelt, wo Probleme auftreten, mit minimaler und zufälliger Qualität.

  2. Isolierter Ansatz: Velopolitik beschränkt sich vor allem auf Infrastruktur.

  3. Systemorientierter Ansatz: Velopolitik ist integrierter Bestandteil der Mobilitätspolitik. Sie umfasst ein weites Spektrum an Massnahmen und Kooperationen.

  4. Integrierter Ansatz: Velo- bzw. Mobilitätspolitik sind Daueraufgaben, die auch von anderen Politikfeldern berücksichtigt werden, basierend auf Analysen und Wirksamkeitskontrollen.

  5. Totales Qualitätsmanagement: Die Velopolitik ist Vorbild und hat Einfluss auf Entwicklungen in anderen Gemeinden und politischen Ebenen.

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